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Kommende Buchkritiken
Memory - Stadt der Träume
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Autor
Christoph Marzi
Genre Jugendbuch
Verlag Arena ISBN 978-3-401-06622-6 Erscheinungsdatum (D) 01.09.11 Seiten 360 |
Inhalt
Seit einem halben Jahr ist im Leben des 17jährigen Jude Finney nichts mehr, wie es war. Plötzlich kann der Junge Geister sehen und mit ihnen reden. Der Highgate Cemetery, einer der größten Friedhöfe Londons, ist seither für Jude eine zweite Heimat geworden. Er hat hier nicht nur neue Freunde gefunden, sondern auch eine Zuflucht. Eines Abends, sein Kumpel Gaskell schmeißt einmal wieder eine seiner Rockpartys in seiner Gruft, trifft Jude auf ein geheimnisvolles Mädchen. Sie ist anders als die Geister, die er kennt. Ihre Haut fühlt sich warm an, sie kann sich an nichts erinnern und sie hat Angst. Irgendwie wirkt sie lebendig, obwohl sie doch ein Geist ist. Judes Herz fliegt der Fremden sofort zu und er beschließt, ihr zu helfen. Schon bald ist klar, dass das Mädchen in großer Gefahr schwebt und Jude scheint der Einzige zu sein, der ihr noch helfen kann.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Urbane Fantasy ist das Spezialgebiet des deutschen Autoren Christoph Marzi. Buch für Buch entführt er seine Leser mit traumwandlerischer Sicherheit hinter die Fassade der alltäglichen Wirklichkeit und entlockt ihr wunderbare Geschichten. Für „Memory – Stadt der Träume“ greift er auf sein angestammtes Repertoire zurück. Die Handlung ist in Marzis Lieblingsmetropole London angesiedelt, und wieder kann man den Figuren auf dem Stadtplan wunderbar folgen. Waren es bei „Heaven – Stadt der Feen“ die Dächer der englischen Millionenstadt, sind es diesmal die großen Friedhöfe, die den Rahmen von Marzis Geschichte bilden. Auch die Musik spielt erneut eine große Rolle. Wer schon einmal an einem ruhigen Herbsttag über einen weitläufigen, parkähnlichen Friedhof geschlendert ist, dem wird die Stimmung, die Christoph Marzi in „Memory – Stadt der Träume“ heraufbeschwört, bereits vertraut sein. Seine schöne, poetische Sprache schafft Bilder, die uns den alten Friedhof bald vor dem inneren Auge sehen lassen. Von Anfang an folgt man dem Autor gespannt und neugierig in die Welt der Geister und ihrer Geheimnisse. Hier hatte er wieder einmal eine klasse Storyidee. Die ungezwungene Leichtigkeit, die die Bücher Marzis üblicherweise auszeichnet und für die man noch „Heaven – Stadt der Feen“ so liebte, stellt sich bei „Memory- Stadt der Träume“ allerding nur zögerlich ein. Christoph Marzi macht scheinbar alles „wie immer“, doch gerade zu Beginn wirken insbesondere viele Dialoge und Sätze der Hauptfiguren Jude und Story aufgesetzt und zu gewollt tiefgründig. Beide Charaktere bleiben vergleichsweise blass und der Leser kommt ihnen nur langsam näher. Die Nebenfiguren wie die Füchsin, der Geist Gaskell oder die unheimlichen Männer ohne Gesicht sind Christoph Marzi dagegen wieder einmal sehr gut gelungen.
In Punkto Stilmittel und Handlungsaufbau bewegt sich Christoph Marzi mit seinem neuen Buch auf ausgetretenen Pfaden. Routiniert baut er Spannung auf und hält geschickt das Interesse an seiner Geschichte wach. Das Buch lebt von der wohligen Wärme des bekannten Marzi-Grooves. Fans des Autors werden wieder kurzweilige und unterhaltsame Lesestunden haben. Einfach deshalb, weil „Memory – Stadt der Träume“ erneut so vieles vereint, für das man seine Bücher liebt. Das Gefühl, dass man aus der Geschichte und insbesondere den Figuren jedoch noch mehr hätte machen können, verlässt einen nie ganz. Gerade weil man von Christoph Marzi gewohnt ist, ab der ersten Seite verzaubert zu werden, ist man diesmal auf hohem Niveau enttäuscht.