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Kommende Buchkritiken
Wenn ich groß bin, werde ich Seehund
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Autor
Nikolaus Heidelbach
Genre Bilderbuch
Verlag Beltz & Gelberg ISBN 978-3-407-79443-7 Erscheinungsdatum (D) 01.07.11 Seiten 32 |
Inhalt
Ein Junge lebt zusammen mit seinen Eltern in einem kleinen Haus direkt am Meer, abseits vom Dorf. Schwimmen hat er nie gelernt, weil er das schon immer konnte. Sein Vater ist Fischer und oft tagelang auf See, seine Mutter Hausfrau. Der kleine Junge hilft ihr bei der Hausarbeit, aber am liebsten geht er schwimmen. Abends reden er und seine Mutter vom Meer und sie erzählt ihm von all den seltsamen Wesen, die unter Wasser existieren. All das weiß sie, obwohl sie selbst nie ins Wasser geht – nicht einmal mit den Füßen.
Eines Abends beobachtet der Junge, wie sein Vater ein glänzendes Bündel vom Geräteschuppen ins Haus trägt. Nachdem sein Vater wieder auf See ist, sucht der Junge überall im Haus nach dem glänzenden Ding und findet es schließlich im Bettzeugkasten des Wohnzimmersofas – es ist ein ölig schimmerndes Seehundfell. Der Junge ahnt nicht, was er auslöst, als er seiner Mutter von seinem Fund berichtet…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Es ist ein wunderbares, märchenhaftes und berückend schönes Bilderbuch, das uns Nikolaus Heidelbach hier präsentiert. Traumhaft schöne und phantasievolle Illustrationen entführen den Betrachter in eine Welt, in der sich alles um das Meer und seine Bewohner dreht. Hier werden einem wundersame und völlig unbekannte Meeresbewohner vorgestellt und man wird Zeuge einer magischen Metamorphose. Ganz im Stile alter Zaubermärchen erzählt Heidelbach eine faszinierende Geschichte voller Sehnsucht und unterdrückter Träume. Kennt man das Ende dieses Märchens, betrachtet man die Bilder mit völlig neuen Augen und entdeckt Zeichen voller Symbolik und versteckter Andeutungen.
„Wenn ich groß bin, werde ich Seehund“ ist ein faszinierendes und gänzlich anderes Bilderbuch, das aber auch eine nicht ganz übliche Zielgruppe anspricht. Kinder im Vorschulalter, für die eigentlich solche Bilderbücher konzipiert sind, dürften von einem Märchen mit einem derartig traurigen Ende heillos überfordert sein. Sie sind von ihrer Entwicklung her von den klassischen Volksmärchen der Gebrüder Grimm bestens bedient. Alles wird gut, das Gute siegt über das Böse – für die Bildung und Erhaltung des Grundvertrauens der Kinder ist ein solcher Ausgang unerlässlich. Ein Märchen hingegen, wie es in diesem Bilderbuch erzählt wird, erzeugt eher Ängste und Unsicherheiten. Deshalb ist „Wenn ich groß bin, werde ich Seehund“ eher für ältere Kinder und vor allem für Erwachsene geeignet, denn mit seiner ästhetischen Aufmachung der bezaubernden und geheimnisvollen Geschichte lässt diese Bilderbuch viel Raum für eigene Interpretationen und Vorstellungen.


