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Kommende Buchkritiken
Der Brandstifter. Die Lebensgeschichte des Joseph Goebbels
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Autor
Alois Prinz
Genre Jugendbuch
Verlag Beltz & Gelberg ISBN 978-3-407-81098-4 Erscheinungsdatum (D) 04.10.11 Seiten 320 |
Inhalt
Der am 29. Oktober 1897 geborene Joseph Goebbels gilt als der geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus. Er war Hitlers Propagandaminister im „Dritten Reich“ und bereitete in dieser Funktion die deutsche Bevölkerung auf Judenverfolgung und Angriffskriege vor. Während seiner Rede im Berliner Sportpalast 1943 forderte er die massenhaft erschienen Zuhörer dazu auf, mit ihm für den „totalen Krieg“ zu skandieren. Selbst als Deutschland bereits in Schutt und Asche lag und die Alliierten auf dem Vormarsch waren, schürte er noch den Glauben der deutschen Bevölkerung an den „Endsieg“.
Joseph Goebbels Leben endete – ebenso wie das seiner Frau Magda und der sechs gemeinsamen Kinder – am 01. Mai 1944 im Führerbunker. Er konnte sich, ebenso wie Magda, eine Welt ohne Hitler, der sich einen Tag zuvor zusammen mit Eva Braun das Leben genommen hatte, nicht vorstellen.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Bis heute gilt der Name Joseph Goebbels als Inbegriff der skrupellosen Massenmanipulation. Dabei ist es vor allem die Dämonisierung, die Goebbels anhaftet, was ganz sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass er seine sechs unschuldigen Kinder mit in den Tod nahm. Ob er nun an deren Vergiftung mit Zyankali beteiligt war oder lediglich sein Einverständnis dazu gab, wird wohl nie vollständig geklärt werden können. Doch gerade diese Dämonisierung ist es, der Alois Prinz nach eigener Aussage mit diesem Buch entgegenwirken möchte. Denn durch das Schaffen monströser, unmenschlicher Feindbilder blockiere man ein tieferes Verständnis des Phänomens. In der Tat ist es Prinz geglückt, ein sehr differenziertes Bild Joseph Goebbels zu entwerfen, das Bild eines jungen Mannes, der aufgrund seiner körperlichen Behinderung stets gedemütigt wurde, dem es aber dennoch gelang, zum Gauleiter und dann zum Minister aufzusteigen. Zugleich ist es auch das Bild eines Mannes, der seelisch zerrissen war, der keiner Frau treu bleiben konnte und der zeitlebens um Anerkennung rang. Schlüssig beschreibt der Autor, wie aus diesem Mann zusehends ein seelisches Wrack wurde, ein Gescheiterter, der seine ganze Familie mit in den Tod nahm.
Auf der anderen Seite steht die Frage, wie es Goebbels gelingen konnte, auf Millionen von Menschen eine derartige Faszination auszuüben, dass sie in blinder Ekstase „Ja“ brüllten, als er im Berliner Sportpalast die Frage nach dem „totalen Krieg“ stellte. Auch hier findet Prinz überzeugende und einleuchtende Antworten, die deutlich machen, wie Millionen zu überzeugten Anhängern des Nationalsozialismus werden konnten.
Vor allem aus diesem Grund hat Alois Prinz mit „Der Brandstifter“ ein äußerst wichtiges Buch geschaffen, das deutlich macht, wie die Mechanismen des Bösen funktionieren – denn ideologischer Wahn begegnet uns alltäglich überall auf der Welt und es ist wichtig, ihn zu erkennen, wenn er vor einem steht!
