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Kommende Buchkritiken
Der innere Schrei
|
Autor
Thomas Ays
Genre Roman
Verlag Himmelstürmer ISBN 978-3-8636-1082-1 Erscheinungsdatum (D) 15.09.11 Seiten 171 |
Inhalt
Der Abgrund ist schwarz, und ich will fallen...
Leo kann sein Glück kaum fassen: Zusammen mit seiner Familie und einigen nervigen Anhängseln aus der Verwandtschaft seiner Mutter muss er nach Berlin reisen, um dort als Vorzeigeenkel den 90. Geburtstag von Oma Hilde zu feiern. Na toll! Der 23jährige Leo kann sich wahrlich Schöneres vorstellen - zum Beispiel in seinem Lieblingsclub 'Black Mamba' unverfänglich ein paar heiße Typen abschleppen oder mit seinem besten Kumpel Simon eine schwerelose Zeit verbringen. Immerhin gibt es auch in Berlin einiges Interessantes zu entdecken – unter Anderem den blendend aussehenden Björn, dem es tatsächlich gelingt, den ansonsten überaus lässigen Leo aus dem Konzept zu bringen.
Pat ist Leos Zwillingsbruder. Äußerlich ähneln sich die beiden bis ins kleinste Detail, ansonsten könnten ihre Welten jedoch kaum weiter auseinander liegen. Nicht nur, dass Pat mit Männern rein gar nichts anfangen kann, auch ansonsten haben die Zwillinge in ihrem Leben gänzlich unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während Leo seit dem viel zu frühen Tod des Vaters mit seiner aalglatten Fassade auf viele kühl wirkt, ist Pat eher emotional veranlagt, hat seit vielen Jahren sogar eine feste Beziehung. Die beiden führen ein geregeltes, wenn auch weit voneinander entferntes Leben.
Seit Raphaels Mutter krank und arbeitsunfähig ist und sein Vater dieser Tatsache mit einer erschreckenden Gleichgültigkeit gegenübertritt, hat Raphael gelernt, gewissenhaft und vor allem verantwortungsbewusst zu handeln. Beides kommt ihm bei seiner tagtäglichen Arbeit als Krankenpfleger in einem Krankenhaus immer wieder zu Gute und macht aus ihm einen geschätzten Mitarbeiter und Kollegen. Obwohl er gerne im Klinikum arbeitet und auch seine Eltern mit aller Liebe unterstützt, fehlt ihm dennoch etwas Entscheidendes im Leben: die Liebe. Diese zu finden fällt Raphael jedoch mehr als schwer, vor allem, weil er sich der Schwulenszene und deren Oberflächlichkeiten alles andere als verbunden fühlt. Dennoch trifft es ihn wie der Blitz, als er in einem Etablissement einem unverschämt gut aussehenden Typen begegnet. Für Raphael ist es Liebe auf den ersten Blick, doch der fremde Typ nimmt ihn nicht einmal wahr...
Buchkritik von Kathrin Lang
Nachdem Thomas Ays im Februar 2010 mit der Coming-Out- und Liebesgeschichte „Romeo & Julian“ seinen Debütroman vorlegte, folgt mit „Der innere Schrei“ im September 2011 nun der zweite Roman des Autors. Überraschte „Romeo & Julian“ trotz ernstem Thema durch einen unbeschwerten Tonfall, der witzig und leicht durch eine tolle Geschichte führte, schlägt „Der innere Schrei“ von Anfang an andere Wege ein. Obwohl Ays seinem flüssigen und nach wie vor auch durchaus lustigen Erzählstil treu bleibt - seine Figuren gerade zu Beginn in heitere Situationen und Wortgefechte schickt - ist die Atmosphäre im zweiten Werk von Beginn an merklich finsterer. Thomas Ays spielt geschickt mit diesem Gegensatz: Während der Leser gleich zu Beginn mit einem düsteren Kapitel konfrontiert und mit diesem im Hinterkopf in die Geschichte eingeführt wird, wird er danach in ein zunächst sehr schwerelos erscheinendes Szenario überführt, in dem einige der Figuren im Kreise der Familie Weihnachten und Geburtstag feiern. Innerhalb einigen heiteren und witzigen Szenen, wird man im Folgenden mit Leo und dessen Leben vertraut gemacht - reist mit ihm und seinem zuteilen nervigen Familienanhang nach Berlin, wo sich Leo unter Anderem einem lustigen Duell mit seinem verführerischen Cousin Björn hingibt. Es dauert jedoch nicht lange bis der Leser erneut mit einem finsteren, schwarzen Zwischenkapitel konfrontiert wird. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verdichtet sich schließlich auch der Eindruck, es mit einem weitaus weniger schwerelosem Roman zu tun zu haben als anfänglich angenommen. Die Tragik, die in der Luft liegt, wird zunehmend greifbarer und ist spätestens im zweiten Teil der Erzählung nicht mehr von der Hand zu weisen.
Dass irgendetwas nicht stimmt, verdeutlicht sich zunehmend. Thomas Ays macht es dem Leser jedoch nicht leicht und schickt ihn auf eine knifflige und aufwühlende Lesereise. Mehrere Erzählstränge und Zeitebenen dienen dem Autor als ergiebiger Nährboden für eine vielfältige Geschichte, die einige Variablen beinhaltet und viele Möglichkeiten bereithält. „Was wird passieren?“ und vor allem „Wem wird etwas passieren?“ sind zwei Fragen, die für den Leser zunehmend zentraler werden. Ays spielt mit seinen Figuren ein geschicktes Spiel, das den Leser immer wieder auf falsche Fährten führt. Immer häufiger legt man „Der innere Schrei“ für wenige Momente beiseite, um das gerade Gelesene in Zusammenhang mit den dunklen Zwischenkapiteln zu stellen. Man kommt dem Autor jedoch bis kurz vor Schluss nicht auf die Spur und wird schließlich von einem überraschenden und emotional nahegehenden Ende überrumpelt.
Die Entwicklung, die Thomas Ays innerhalb kurzer Zeit vollführt, ist verblüffend: Gibt man sich zu Beginn noch einer schwerelosen Lektüre hin, wird die Atmosphäre des Buches immer mehr von der Tragik, die über Allem schwebt, eingenommen. Dass dieses Konzept von Thomas Ays aufgeht, liegt vor allem an seinem Talent, starke Figuren zu entwerfen, die einem sehr schnell sympathisch und wichtig sind. Obwohl auf den gerade einmal rund 170 Seiten viele Figuren eine Plattform für ihr Leben und Schicksal geboten bekommen, wirkt die Geschichte nie überladen. Die einzelnen Erzählstränge wechseln sich toll ab, um schließlich immer näher zusammengeführt zu werden.
Mit „Der innere Schrei“ entwickelt sich Thomas Ays deutlich weiter. Während „Romeo & Julian“ noch eine durchaus sehr schöne, aber doch einfache Geschichte über eine junge, schwule Liebe erzählte, ist der zweite Roman des Autors deutlich komplexer in der Erzählstruktur und im Inhalt merklich tiefgründiger. Es ist ein wichtiges Thema, dem sich Ays in „Der innere Schrei“ annimmt – eine Geschichte, die schon während dem Lesen gehörig wachrüttelt und auch im Nachhinein ihre Spuren hinterlässt.
Wissenswertes
Im Februar 2010 ebenfalls von Thomas Ays erschienen:
Romeo und Julian
Besucherbewertung
Kommentare
Kommentare
Heidi schreibt am 16.09.11, 18:11
Hi Thomas, ich hab den inneren Schrei gelesen. Ich fand ihn frisch, frech, spannend, gute Charaktere....die Einblendungen machten mich betroffen...ein starkes Buch..mach weiter so..einen Wunsch hätte ich..die Geschichten sollten viel länger sein... - heidi
notorious unhappy schreibt am 06.04.12, 11:40
ich hatte bei diesem Buch ein "from dusk till dawn" Erlebnis: erzählt wird eine Geschichte über einen Kerl, der sein Leben einfach lebt und auf den letzten paar Seiten des Buches wird erst darauf hin gearbeitet, wurum es laut Nachwort eigentlich schon die ganze Zeit über hätte gehen sollen. Lange Teile des Buchs befassen sich zudem mit völlig belanglosen Personen, welche keinerlei nennenswerten Beitrag zu der eigentlichen Geschichte beitragen, während die Person, um die es eigentlich geht, nur grob umrissen wird. ein bisschen erinnert es auch an eine Klassenarbeit, bei der dem Autor zum Schluss die Zeit aus ging.
Thema verfehlt!
