22 Britannia Road

Autor: Amanda Hodgkinson
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-24897-6
Erscheinungsdatum (D) 01.11.11 Erschienen 2011
Seiten 435
Übersetzung Brigitte Jakobeit

22 Britannia Road

Inhalt

Warschau während des Zweiten Weltkrieges. Der junge Janusz ist gezwungen, seine Frau Silvana und den gemeinsamen Sohn Aurek zurückzulassen und als Soldat für sein Land zu kämpfen. Noch ahnt er nicht, wie lange es dauern wird, bis die Familie wieder vereint ist. Erst nach Ende des Krieges sehen sich Silvana und Janusz wieder – in England hat Janusz ein Haus für sich und seine kleine Familie gekauft und hofft, alles hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen zu können.
Doch die Erlebnisse während des Krieges lassen die drei noch nicht so schnell aus ihren Fängen. Silvana und Aurek haben zwar überlebt, doch der Preis dafür war hoch – höher, als Janusz auch nur ansatzweise ahnt. Wie Tiere lebten die beiden in den Wäldern um Warschau, immer auf der Flucht, stets hungrig und bereit, für ein bisschen Nahrung fast alles zu tun. Auch bei Janusz hat der Krieg Spuren hinterlassen, tiefe Narben und die Erinnerung an eine andere Liebe, die er nicht vergessen kann.

Während Janusz alles versucht, um in England heimisch zu werden, seinen Garten hegt und pflegt und in seiner Fabrik zum Vorarbeiter aufsteigt, kommen Silvana und Aurek mit dem bürgerlichen Leben nicht so recht klar. Sie fühlen sich wie Fremde, müssen erst wieder lernen, nicht in Kleidern zu baden und kein Gemüse aus den Gärten der Nachbarn zu stehlen. All das, was diese drei Überlebenden einander nicht sagen können, steht zwischen ihnen wie eine übermächtige Mauer. Am Ende scheint es so, als würden die unausgesprochenen Geheimnisse sie voneinander entfernen wie Treibholz…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Amanda Hodgkinsons Debütroman „22 Britannia Road“ nimmt einen vom ersten Moment an auf subtile Art und Weise gefangen. Hodgkinson erzählt die Geschichte zweier Menschen – Mann und Frau – die alles dafür geben, ihre Geheimnisse voreinander zu hüten und nicht merken, dass ihre Ehe dadurch allmählich auseinander bricht. Sie thematisiert die Zerbrechlichkeit von Gefühlen, emotionale Entfremdung und zugleich den unbedingten Wunsch nach einer heilen Familie. Janusz, Silvana und Aurek sind Überlebende, doch dass sie den Krieg überstanden haben bedeutet noch lange nicht, dass sie mir nichts dir nichts wieder in ein „normales“ Leben eintreten können. „22 Britannia Road“ schildert auf unbestechliche Weise, welche Traumata Kriegsüberlebende mit sich herumtragen, wie ihnen schreckliche Erlebnisse den Weg zurück in ihr altes Leben endgültig verbauen können. Hodgkinson zeigt anhand ihrer Protagonisten überdeutlich auf, wie sehr ein Krieg Menschen verändert und es ihnen unmöglich macht, wieder dort anzuknüpfen, wo die Fäden einst aufgezwirbelt wurden.

Zugleich ist „22 Britannia Road“ ein lebendiger und authentischer Bericht über England in der Nachkriegszeit. Der Roman gibt Zeugnis davon, wie die Menschen auf typisch britische Art versucht haben, die vergangenen Schrecknisse mit einer Tasse Tee und einem gepflegten englischen Garten vergessen zu machen. Die britische Autorin besticht dabei durch ihren kraftvollen und auch sehr humorvollen Erzählstil und großes Einfühlungsvermögen in der Zeichnung ihrer Charaktere.
„22 Britannia Road“ ist ein wundervoller Debütroman, der mit großem Respekt das Schicksal der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs schildert und den Leser zugleich in eine faszinierende Geschichte voller Geheimnisse und Spannung entführt.

„22 Britannia Road“ ist der viel beachtete Debütroman der britischen Autorin Amanda Hodgkinson.
Die Übersetzerin Brigitte Jakobeit wurde mehrfach mit dem deutschen Jugendliteraturpreis und dem Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen ausgezeichnet.

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