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Kommende Buchkritiken
Wasser für die Elefanten
Water for Elephants
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Autor
Sara Gruen
Genre Roman
Verlag Rowohlt ISBN 978-3499256028 Übersetzung Eva Kemper Erscheinungsdatum (D) 2007 Erschienen 2006 Seiten 416 |
Inhalt
Jacob Jankowski ist bereits über 90 Jahre alt und seine Tage bieten wenig mehr Aufregendes, als den beschwerlichen Weg zum Fenster im Gang seines Altersheimes. Doch heute hat eine ungewöhnliche Lebhaftigkeit die sonst vorherrschende Stille im Gebäude verdrängt. Der Zirkus ist in der Stadt und die älteren Herrschaften fiebern der Vorstellung am Sonntag entgegen. Auch Jacob ist aufgeregt, war der Zirkus doch lange Jahre der Lebensinhalt des Tierarztes. Seine Gedanken kehren zurück zu dem Tag, als der Tod seiner Eltern alles für ihn änderte. Er bricht das Examen ab und landet völlig mittellos bei „Benzis größter Show der Welt“. Hier gilt das Wort von Direktor Onkel Al und die Tiere ächzen unter den jähzornigen Launen des Stallmeisters August. Seine Wut lässt er bevorzugt an den Tieren aus, wie der Elefantendame Rosie, die scheinbar zu nichts mehr nutzt als Limonade zu trinken. Wir schreiben das Jahr 1931 und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise setzen auch dem Zirkus zu, der mit einem riesigen Zug durchs Land zieht. Als sich Jacob unsterblich in die Kunstreiterin Marlena verliebt, fangen die Probleme für ihn an. Denn Marlena ist Augusts Ehefrau und der wacht eifersüchtig über jeden ihrer Schritte.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Mit „Wasser für die Elefanten“ ist der amerikanischen Autorin Sara Gruen eine wunderbare Geschichte gelungen, die zum Träumen einlädt ohne zu verklären. Heile Welt-Romantik ist nicht Gruens Sache und doch hat die Geschichte auch etwas Märchenhaftes. Zusammen mit dem sympathischen Erzähler Jacob tauchen wir ein in die faszinierende aber harte Welt des fahrenden Zirkus. Zusammen mit ihm erleben wir Amerika 1931 zwischen Armut und Prohibition. Gruen holt den Leser mit ihrer bildreichen und warmherzigen Erzählweise bereits im ersten Kapitel in ihre Geschichte und im Wechsel zwischen jungem und altem Jacob, zwischen Altersheim und bunter Zirkuswelt, breitet sich die Atmosphäre der Handlung mit wohliger Wärme in einem aus. Schnell findet die Autorin ihren Rhythmus, von dem man sich nur zu gerne durch die Handlung tragen lässt. Ihre Figuren sind authentisch und facettenreich und insbesondere der schrullig-sympathischen Ausstrahlung des alten Jacob kann man sich nicht entziehen. Da kommt sein junges Ich nicht mit.
Sara Gruen versteht es, gefühlsbetont zu schreiben ohne kitschig werden. Leiser Humor wechselt sich mit grausamer Härte ab und während sich die Liebesgeschichte zwischen Jacob und Marlena entspinnt, schließt man diese Welt immer mehr ins Herz und fiebert mit dem Fortgang der Ereignisse mit. Man riecht die Sägespäne, hat Angst vor Augusts Jähzorn, hört die Laute der Tiere in der Nacht und spürt die Vorfreude der Menschen, wenn sie auf den Beginn der Vorstellung warten. Gruen gelingt es stimmig, die Illusion, die der Zirkus für die Menschen bereithält, einzufangen und gleichzeitig die raue Wahrheit dahinter mit der gleichen Glaubwürdigkeit einzufangen. So gelingt ihr ein Roman, den man bis zu seinem stimmigen und überraschenden Ende nicht mehr aus der Hand legen mag.
Wissenswertes
Am 1. April 2011 erschien eine Neuauflage des Buches zum Start der Verfilmung, die am 28. April in die deutschen Kinos kam.

