Das verlorene Bestiarium

The Bestiary

Das verlorene Bestiarium

Autor Nicholas Christopher Genre Roman
Verlag dtv premium
ISBN 978-3-423-24829-7
Übersetzung Pociao Erscheinungsdatum (D) 01.03.11   
Erschienen 2007  Seiten 378

Inhalt

Xeno Atlas ist ein kleiner Junge, der zusammen mit seiner sizilianischen Großmutter aufwächst, die ihm stets von Fabelwesen und Tiergeistern erzählt. Xenos Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater, ein griechischer Seefahrer, kümmert sich so gut wie gar nicht um seinen Sohn. Nach dem Tod seiner Großmutter wird Xeno vom Vater auf ein Internat geschickt, wo der Junge erstmals auf das legendäre „Karawanenbuch“ aufmerksam wird. Dieses Buch aus dem Mittelalter enthält prächtige Illustrationen von Fabelwesen, denen einst die Mitfahrt auf der Arche Noah verwehrt worden war. Nur in der menschlichen Vorstellung haben diese legendenumwobenen Wesen überlebt. Darf man der Sage glauben, wird derjenige, der die seit Jahrhunderten verschollene Handschrift findet, das absolute Wissen erlangen.

Die Suche nach dem „Karawanenbuch“ wird für Xeno zu einer regelrechten Obsession. Als junger Mann geht er nach New York, wird in den Vietnam-Krieg eingezogen, landet auf Hawaii und schließlich im Venedig der Achtzigerjahre. Begleitet wird er auf seinem Weg von den unterschiedlichsten Menschen, doch am Ende landet er bei der Person, die von Anfang an seine Bestimmung zu sein schien…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 3 von 5 Bs „Das verlorene Bestiarium“ präsentiert sich dem Leser als farbenfroher und Geheimnis umwobener Abenteuerroman, der aber zugleich tiefe und nachdenklich stimmende Lebensweisheiten bereithält. Mit Xeno Atlas lernen wir einen Helden kennen, der zunächst einmal alles andere als ein Held ist. Ein kleiner Junge, der nie seine Mutter kennen lernen durfte, der sich nach der Liebe seines permanent abwesenden Vaters sehnt und dem nach dem Tod der geliebten Großmutter nur noch die faszinierende Welt seiner Fabelwesen bleibt. Dieser Xeno Atlas hat das Potential für eine charismatische Hauptfigur, bleibt einem aber bis zum Schluss merkwürdig fremd. Es will Nicholas Christopher einfach nicht gelingen, seine Charaktere in einer Art und Weise zu zeichnen, die sie dem Leser vertraut machen würde. Ihr Schicksal bleibt dadurch fast schon bedeutungslos, wodurch die Geschichte keine rechte Sogwirkung entwickelt.

Die Idee, die Christopher in seinem verlorenen Bestiarium entwickelt, ist faszinierend und spannend zugleich. Der Gedanke, dass nur bestimmte Tiere Noahs Arche betreten durften, während die anderen, eher finsteren, auf ein Parallelschiff verfrachtet wurden, das niemals sein Ziel erreichte, erscheint durchaus plausibel. Doch insgesamt braucht dieser Abenteuerroman einfach zu lange, um in Fahrt zu kommen, was der Geschichte viel von ihrer Intensität raubt. Insgesamt wird dem Leser ein zu großes Maß an Durchhaltevermögen abverlangt, um sich mit einem wirklich fulminanten Ende seine Belohnung abholen zu können.

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