Das Alphabet Haus

Alfabethuset

Das Alphabet Haus

Autor Jussi Adler-Olsen Genre Roman
Verlag dtv premium
ISBN 978-3-423-24894-5
Übersetzung Hannes Thiess, Marieke Heimburger Erscheinungsdatum (D) 01.02.12   
Erschienen 1997  Seiten 589

Inhalt

Es ist der furchtbare Winter 1944, in dem tausende von Soldaten ihr Leben an der Ostfront ließen, das Ende des Zweiten Weltkriegs steht kurz bevor, als die beiden britischen Piloten James und Bryan über deutschem Territorium abstürzen. Die beiden sind Freunde seit Kindheitstagen und fest entschlossen, nicht in deutsche Gefangenschaft zu geraten. Geistesgegenwärtig springen sie auf einen Lazarettzug auf und es gelingt ihnen, ihre wahre Identität zu vertuschen. Als vermeintliche hohe SS-Offiziere gelangen sie in ein Sanatorium für Geisteskranke – ihre einzige Chance, zu überleben. Im „Alphabethaus“, ganz in der Nähe von Freiburg im Breisgau gelegen, tun James und Bryan alles dafür, um als psychisch krank zu gelten – jeder auf seine eigene Weise. Doch bald schon wird den beiden klar, dass sie nicht die einzigen Simulanten im „Alphabethaus“ sind und dass ihr Leben dadurch in allergrößter Gefahr ist.

Jahrzehnte später begibt sich einer der Überlebenden des „Alphabethaus“ auf Spurensuche – und ahnt nicht, dass er durch das Stochern in der Vergangenheit eine schreckliche Narbe aufreißt. Denn die Zeit im „Alphabethaus“ ist an niemandem spurlos vorübergegangen – und die, die einst zu allem entschlossen waren, sind es auch heute noch…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 6 von 5 Bs Mit „Das Alphabet Haus“ erscheint nun auch endlich Jussi Adler-Olsens erster Roman, der in Dänemark bereits 1997 veröffentlicht wurde, in deutscher Sprache. Es ist eine packende, erschütternde und entsetzliche Geschichte, die uns der Autor hier erzählt, eine Geschichte, die vor allem uns Deutsche tief bewegen dürfte. Dabei ist „Das Alphabet Haus“ alles andere als ein Kriegsroman. Es ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit wichtigen Themen wie Schuld und Sühne, menschlichem Versagen und dem niemals enden wollenden Schmerz, jemand anderen im Stich gelassen zu haben. Zwei gesunden, jungen Männern bleibt, um zu überleben, keine andere Wahl, als eine Geisteskrankheit vorzutäuschen und bis zum Ende des Krieges in einer Nervenheilanstalt zu simulieren. Doch welche Auswirkungen haben die Behandlungen mit Elektroschocks, die Medikamente und auch die Repressalien durch Pflegepersonal und Mitpatienten auf eine gesunde Psyche? Dieser Frage geht Adler-Olsen auf sehr einfühlsame und zugleich unerbittliche Weise nach. Er weiß, wovon er spricht, hat er doch als Sohn eines Psychiaters praktisch seine gesamte Kindheit in psychiatrischen Kliniken zugebracht. Dieses Wissen macht „Das Alphabet Haus“ so authentisch – und zugleich so erschreckend und bedrückend. Dabei wirft der Autor auch die alles entscheidende Frage auf, wer größere Schuld auf sich lädt – der, der einen Freund im Stich lässt oder der, der nicht handelt und durch seine Resignation ebenso zum Scheitern der Freundschaft beiträgt.

Es ist die Geschichte einer großen Freundschaft, die Geschichte eines schrecklichen Kriegs aber vor allem die Geschichte zweier Männer, die um jeden Preis überleben wollen – und jeder zahlt diesen Preis auf seine eigene Weise. Wie aus den bewegenden Ereignissen im „Alphabethaus“, den Schrecken und Gräueln, allmählich ein regelrechter Thriller wird, ist einfach nur meisterhaft und beweist, welch grandioser Autor Adler-Olsen ist. Ortskundige werden zudem begeistert sein, wie akribisch und genau der Däne recherchiert hat, denn jede Ecke Freiburgs, die er beschreibt, lässt sich eins zu eins wieder erkennen. Die einzigartige Fähigkeit, Schauplätze zu beschreiben und Charaktere so vor dem inneren Auge erstehen zu lassen, als würde man sie direkt vor sich haben, lassen auch diesen Roman Jussi Adler-Olsens zu etwas Besonderem werden.
„Das Alphabet Haus“ kann ohne Übertreibung als das Beste bezeichnet werden, was je aus der Feder des dänischen Autors kam. Ein Roman, der noch lange nachhallt und in die Tiefe geht.

Besucherbewertung

3.1 / 5  (106 votes)

Kommentare


Kommentare

Zylmann Hannelore schreibt am 21.01.12, 11:26
Bin gespannt, wie der Deutschlandfunk
seine Bewertung abgibt. Denn dort ist
Jussi verhasst wie die Pest.
Anke schreibt am 20.02.12, 14:14
Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so tief bewegt hat. Die einzelnen Charaktere sind so facettenreich vom Autor herausgearbeitet worden, dass man beim Lesen ganz in einer anderen Welt versinkt.
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