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Kommende Buchkritiken
Geschichte meiner Unschuld
Storia della mia purezza
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Autor
Francesco Pacifico
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 9783492054409 Übersetzung Frank Heibert Erscheinungsdatum (D) 29.09.11 Erschienen 2010 Seiten 352 |
Inhalt
Einst war Piero Rosini ein normaler junger Mann aus gutem Hause, der sich für zeitgenössische Musik und Kultur interessierte, Freundinnen hatte und das Leben genoss. Nun ist er Ende zwanzig und ein Ultra-Katholik, der sogar dem Sex mit der eigenen Ehefrau entsagt und zwischenzeitlich wohl auch nicht mehr könnte, wenn er wollte. Ventil für seine aufgestauten Triebe sind die Arbeit in dem antisemitisch angehauchten katholischen Verlag Non Possmus, wo er als Lektor an einem bahnbrechenden Enthüllungsbuch über die jüdischen Wurzeln von Papst Johannes Paul II arbeitet und die Fantasien von dem noch unberührten Busen seiner Schwägerin Ada. Eines Tages wird Piero sein Leben in Rom zuviel und er flüchtet in die Stadt der Liebe – Paris. Hier am Ort aller Sünden lauert die Versuchung für ihn an jeder Ecke und die Rettung ausgerechnet in der Freundschaft mit einem jüdischen Hausverwalter.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Mit „Geschichte meiner Unschuld“ legt der italienische Autor Francesco Pacifico sein zweites Buch vor, mit dem er in seiner Heimat seinen endgültigen literarischen Durchbruch feierte. Seine abstruse Geschichte eines durch und durch komischen und verkorksten Typen ist ebenso ungewöhnlich wie ihr Protagonist. Piero, der Ich-Erzähler und ultrakatholische Sexverweigerer, geht auf eine Sinnsuche der anderen Art. Pacificos Buch ist die versponnene und auf die Spitze getriebene Auseinadersetzung eines merkwürdigen Sonderlings mit sich selbst, die religiöse Extreme, philosophische Betrachtungen und pornographische Elemente zu einem Mix verbindet.
Natürlich will Pacifico provozieren, will, dass man sich über seine Figur aufregt und sich mit ihr und ihren Ansichten auseinandersetzt. Francesco Pacifico arbeitet die Widersprüchlichkeit seiner Figur und ihrer Gefangenschaft in der eigenen Gedankenwelt gut heraus. Das ganze Buch über schüttelt man über diesen Piero den Kopf, amüsiert sich aber zu selten über ihn und seinen Weg. Einen Zugang zu ihm findet man nicht. Zwischen moralischen Ansprüchen und menschlichen Begierden und Leidenschaften pendelnd, weckt Piero immer wieder unser Interesse, aber der Wunsch, sich mit ihm auseinanderzusetzen, stellt sich ebenso wenig ein wie die vom Autor beabsichtigte Komik. Pieros Kampf gegen die eigene Libido ist letzten Endes mehr ermüdend als komisch. So begeistert man von einzelnen Gedanken, Sätzen und Beschreibungen ist, so anstrengend gestaltet sich die Lektüre des gesamten Buches. Dies liegt an Francesco Pacificos unübersehbarer Leidenschaft für lange, verschachtelte Sätze, bei denen man häufig – in der Mitte angekommen- den Beginn schon wieder vergessen hat. Ein Gedanke wird von einem neuen unterbrochen, der, mit einer Beschreibung verbunden, einen neuen Gedanken ablöst. Zielsicher schnürt Pacifico mit seinen überfüllten Sätzen den sich entwickelnden Erzählfluss immer wieder ab. „Geschichte meiner Unschuld“ wird damit trotz seiner intelligenten und bunten Mischung an Ideen und Figuren zu einem Roman, den man von Seite zu Seite mühsamer empfindet.

