Der Pestengel von Freiburg

Der Pestengel von Freiburg

Autor Astrid Fritz Genre Historischer Roman
Verlag Kindler
ISBN 978-3-463-40608-4
Erscheinungsdatum (D) 15.07.11   Seiten 479

Inhalt

Freiburg im Jahr 1348. Die Pest hat bereits Einzug in den Städten Basel und Straßburg gehalten und kommt auch Freiburg immer näher. Über die Ursachen der Seuche weiß man noch so gut wie nichts, Ärzte und Heilkundige gehen von der Pesthauch-Theorie aus, nach der giftige Miasmen durch den Atem in den Körper eindringen. Es wird auch in Freiburg nach Schuldigen für den Ausbruch der Pest gesucht – und schnell wird man fündig: Die Juden sollen Beutel mit giftigem Inhalt in den Brunnen der betroffenen Städte versenkt haben, um so die Bevölkerung zu infizieren. Noch ehe die Pest Freiburg erreicht hat, brennen sämtliche Juden – bis auf schwangere Frauen und kleine Kinder – auf den Scheiterhaufen der Stadt. Unter ihnen auch die Familie von Esther, die Benedikt, der Sohn des Wundarztes, liebt.

Schon seit Kindertagen ist Benedikt in Esther verliebt, doch eine Liebe zwischen einem Christen und einer Jüdin darf nicht sein. Benedikts Mutter Clara versucht, ihren Sohn vor dieser gefährlichen Verbindung zu schützen – mit fatalen Folgen. Benedikt sagt sich daraufhin von seiner Mutter los, sucht er doch bei ihr die Schuld am Scheitern seiner großen Liebe. Als die Pest auch Claras Mann Heinrich dahinrafft, tritt sie sein Erbe an und kämpft von nun an einen ungleichen Kampf gegen den Schwarzen Tod und den Hass gegen die Juden…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 3 von 5 Bs Es ist eine der dunkelsten Phasen des Mittelalters, als die Pest ihren grauenvollen Rundumschlag in den deutschen Städten vollführte und die jüdischen Bürger als „Präventionsmaßnahme“ auf den Scheiterhaufen brennen mussten. Eindrücklich macht Astrid Fritz klar, wie wenig die Menschen der damaligen Zeit über die schreckliche Seuche und ihre Ansteckungsherde wussten, wie versucht wurde, mit damals gängigen Methoden wie Aderlass, Kräuterheilkunde, ja sogar Zaubersprüchen und Bußprozessionen, der Pest Herr zu werden. Zugleich schildert sie, wie auf perfide Art und Weise die sozial und religiös ausgegrenzte jüdische Bevölkerung ausgerottet wurde, um so die Schulden, die ein Großteil der Bürger bei den Juden hatte, auf einen Schlag loszuwerden. Die Autorin zeigt in diesem Roman auf, wie die mit Abstand größte Judenverfolgung des Mittelalters ihren Anfang nahm, was beim Leser immer wieder erschreckende Assoziationen mit den dunklen Zeiten des Dritten Reichs hervorruft.

Daneben wird in „Der Pestengel von Freiburg“ die Geschichte der Clara Grathwohl erzählt, einer starken Frau, die sich über die Konventionen der damaligen Zeit hinwegsetzt und zur Pestheilerin wird. Ein Thema, das aus historischen Romanen nur zu gut bekannt ist und nur noch für wenig Begeisterung beim Leser sorgt. Auch die obligatorische Liebesgeschichte, die sich über so manche Schwierigkeiten hinwegsetzen muss, darf hier nicht fehlen. Vielleicht ist die Tatsache, dass diese beiden Elemente fast schon einem Mantra gleich in beinahe jedem historischen Roman auftauchen, der Grund dafür, dass „Der Pestengel von Freiburg“ trotz eines durchaus packenden Grundthemas nicht so recht zu fesseln vermag. Zu vieles wurde hier in eine Geschichte gepackt, was zu einer Disharmonie führt, an der man sich während der ganzen Lektüre hindurch stört.

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