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Kommende Buchkritiken
Lorenzos Reise
Se consideri le colpe
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Autor
Andrea Bajani
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3423248662 Übersetzung Pieke Biermann Erscheinungsdatum (D) 01.06.11 Erschienen 2008 Seiten 220 |
Inhalt
Als in den Neunzigerjahren der Kommunismus auf dem Rückzug und die EU im Kommen war, brach auch Lorenzos Mutter Lula in den „Wilden Osten“ auf, um in Rumänien mit ihrer Schlankheitsmittelfirma zu expandieren und das große Geld zu machen. Zusammen mit ihrem Teilhaber und Geliebten blieb sie immer länger in Bukarest und ließ ihren Sohn Lorenzo bei ihrem eigentlichen Lebensgefährten in Italien. Nun, Jahre später, ist Lula tot, und Lorenze fährt eigentlich nur des Pflichtgefühles wegen nach Rumänien zu ihrer Beerdigung. Mit den immer spärlicheren Besuchen in Italien und immer seltener gewordenen Anrufen ist für Lorenzo seine Mutter mit der Zeit zu einem bloßen Gedanken geschrumpft, den er nur noch ab und zu denkt. Doch in Bukarest angekommen, erfährt er vom traurigen Schicksal Lulas und macht sich, neugierig geworden, auf die Suche nach Spuren ihres dortigen Lebens.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Mit „Lorenzos Reise“ reiht sich Andrea Bajani ein in die Reihe talentierter junger italienischer Autoren, die aus ungewöhnlichen Blickwinkeln ihre emotionalen Geschichten erzählen und damit auch international die Leser erobern. Bajanis Buch ist zu großen Teilen die Geschichte einer unglücklichen Mutter-Sohn-Beziehung, eine Geschichte über das Verlassenwerden und die Spurensuche eines Sohnes nach einer Frau, die einst sein ganzes Sein ausgefüllt hat. Gleichzeitig fragt der Autor mit „Lorenzos Reise“ auch nach den Erfolgen der Goldgräberwelle, die nach der EU-Erweiterung über Rumänien hinwegschwappte und bei der nicht nur Italiener auszogen, um in einem Billiglohnland das große Geld zu machen. Kritisch portraitiert Bajani die Verlierertypen, die hier die große Nummer und der Boss sein wollen und verunsicherte Menschen, die mit dem Zusammenbruch der politischen Verhältnisse auch ihre Orientierung verloren haben. Andrea Bajani versteht es virtuos und scheinbar beiläufig diese beiden Elemente seines Buches zu verschmelzen und eins werden zu lassen. Seine Erzählweise ist dabei geprägt von einer klaren Sprache und dem eigenwilligen Stilmittel der direkten Ansprache seiner Mutter. Er erzählt ihr ihre gemeinsame Geschichte, als wäre sie im Raum und könnte ihn noch hören. Was zu Beginn etwas irritiert, erweist sich im weiteren Verlauf als Quelle für Dynamik und Nähe. Lorenzo und Lula tauchen vor unseren Augen auf, wie sie durch das Haus tollen oder sich am Flughafen verabschieden. Gleichzeitig sehen wir ein Rumänien, das von der Ceausescu Diktatur in die Diktatur des Geldes gerutscht ist. Ehe man sich versieht, hat Andrea Bajani einen mit seiner Geschichte eingefangen und zutiefst berührt. Bis zum Schluss behält „Lorenzos Reise“ seine dichte Atmosphäre, macht uns betroffen, als wären wir selbst nach Bukarest gekommen, um einen einst geliebten Menschen zu Grabe zu tragen und lässt uns mit melancholischer Heiterkeit unsere Erwachsenenwelt durch die Augen eines Kindes betrachten.
Wissenswertes
Andrea Bajani erhielt für "Lorenzos Reise" mehrer Literaturpreise.

