Meister Suns Kriegskanon

Sun Zi Bingfa

Meister Suns Kriegskanon

Autor Harro von Senger (Hsg.) Genre Sachbuch
Verlag Reclam
ISBN 978-3150188415
Übersetzung Harro von Senger Erscheinungsdatum (D) 01.04.11   Seiten 128

Inhalt

Der Kriegskanon von Meister Sun ragt unter den über 4000 Militärtraktaten des alten Chinas heraus. Diese über 2000 Jahre alte Textsammlung gibt Anleitung zur Kriegsführung, die günstigstenfalls, ohne Verluste auf beiden Seiten zum Sieg führt. Dabei ist heute immer noch nicht abschließend geklärt, ob es Meister Sun - oder Sunzi - tatsächlich in persona gab oder ob sich nicht mehrere Personen hinter diesem Namen verbergen. Der Chinaexperte und Sinologe Harro von Senger legt mit „Meister Suns Kriegskanon“ eine präzise neue Übersetzung aus dem Chinesischen vor und zeigt gleichzeitig die Mehrdeutigkeit dieses Textes auf. In einem Kommentar gibt er zudem wertvolle Erklärungshilfen. Im Nachwort werden weitere Eigenheiten des Textes herausgestellt und Vergleiche mit Schillers „Wallenstein“ und Clausewitzs’ „Vom Kriege“ gezogen.

Buchkritik von Gabriele Frommholz

Gabriele vergibt 5 von 5 Bs „Wahrhaft siegreich ist der, der nicht kämpft!“

Letztlich ist Meister Suns Botschaft die Prävention des Krieges. Vor dem Hintergrund der Meldungen über aktuelle bewaffnete Konflikte in jüngster Vergangenheit wie im Irak oder Afghanistan zeigt die Textsammlung ihre Aktualität. China, die Methoden Sunzis anwendend, vermeidet bewaffnete Auseinandersetzungen und setzt auf List und die Begründung wirtschaftlicher Abhängigkeiten, während die westliche Welt bei der Volksrepublik Geld leiht, um anderen Orts Krieg zu führen. Wie jüngst bei Amerika zu beobachten. Diese Zusammenhänge im Hinterkopf, erscheint das Geschenk, welches George W. Bush anlässlich eines Staatsbesuches von Hu Jintao in den USA überreicht bekam, mehr als bloße Höflichkeit. Bush bekam eine auf Seide gemalte Ausgabe von Sunzis Texten und damit auf unvergleichlich hintergründige Art und Weise von den Chinesen gesagt, er solle seine außenpolitischen Ambitionen und die Art seiner Herangehensweise doch einmal überdenken. Verstanden hat der Texaner das nicht. Die Episode zeigt, wie sehr der über 2000 Jahre alte Kriegskanon auch heute noch das Handeln und das Denken der Chinesen bestimmt.

Harro von Senger hat seine Arbeit ganz dem Aufzeigen dieser unterschiedlichen Denkweisen gewidmet und zeigt in seinen Arbeiten immer wieder den Einsatz „listkundiger Intelligenz“ und langfristig angelegter „Supraplanung“ auf. Hochgerüstete Gegner laufen bei diesen Strategien ins Leere. Im Idealfall wird so unsägliches Leid auf beiden Seiten vermieden, kehrt man zurück zum Ausgangspunkt der kriegerischen Auseinandersetzung. In so weit war es fast schon logische Konsequenz, dass sich der Sinologe auch einmal an eine neue Übersetzung von „Meister Suns Kriegskanon“ heranwagte. Von Senger legt seinen Schwerpunkt dabei ganz auf den eigentlichen Sinn der Wörter und erarbeitet sich so, penibel dem philologischen Ansatz folgend, Stück für Stück die historischen Texte. Seine sachliche Arbeit unterscheidet sich damit wesentlich von der ebenfalls erst kürzlich erschienen Übersetzung von Volker Klöpsch, die ihren Schwerpunkt auf der philosophischen Betrachtung hat. Dem Leser verlangt der Text durch diesen Ansatz beim Lesen hohe Konzentration ab. Verschachtelte Formulierungen hemmen zwar den Lesefluss, die dargebrachten Lebensweisheiten faszinieren dennoch durchgängig.

Harro von Senger ist mit seiner Übersetzung ein verständlicher Text gelungen, der in fachlichen Kreisen sicherlich zu Diskussionen anregen wird, aber auch den interessierten Leser näher an die Denkweise im Reich der Mitte heranführt.

Wissenswertes

Interview mit Harro von Senger über seine Übersetzung des historischen Textes „Sun Zi Bingfa“.

Besucherbewertung

5.0 / 5  (2 votes)

Kommentare


Kommentare

+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.