Am Abgrund des Lebens

Autor: Graham Greene
Genre: Thriller
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-13951-9
Erscheinungsdatum (D) 01.05.50 Erschienen 1938
Seiten 352
Übersetzung Barbara Rojahn-Deyk

Am Abgrund des Lebens Brighton Rock

Inhalt

Das englische Seebad Brighton ist ein Ort des Amüsements und der Zerstreuung. Doch hinter der glitzernden Fassade ist der erbitterte Machtkampf zweier Gangs im Gange. Der erst 17jährige Pinkie hat vom alten Hasen Kite das Geschäft mit Erpressung und Wetten übernommen, doch dann taucht Mr. Colleoni auf. Erfahren, reich und entschlossen, Brighton für sich zu beanspruchen. Ein Mord zieht einen anderen nach sich, und plötzlich sieht sich Pinkie in der Rolle des Gejagten. Doch nicht die Polizei ist hinter ihm her, sondern die mysteriöse Ida Arnold, die das erste Opfer flüchtig kannte und nun beschlossen hat, die Wahrheit über die Todesumstände ans Licht zu bringen. Je näher sie Pinkie auf den Leib rückt, desto näher fühlt er sich am Abgrund von allem.

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Graham Greene versteht es, Szenen so zu beschreiben, dass sie vor dem inneren Auge auftauchen. Der Schriftsteller und Drehbuchautor entwirft das Seebad Brighton mit seinen Touristen und seiner leicht angestaubten, konservativen 30er-Jahre-Atmosphäre genauso griffig, wie die stille Bedrohlichkeit der Gang-Szenerie mit ihren abgewrackten Typen in schlecht sitzenden Anzügen oder das Vollweib Ida Arnold. Greene lockt einen mit seiner bildhaften Sprache in seine Geschichte, die Thriller und auch Drama ist. Er macht gekonnt neugierig mit interessanten und undurchsichtigen Charakteren. Insbesondere Bandenanführer Pinkie ist mit seiner vom Bösen gequälten Seele und seinem von Hass zerfressenen Selbst faszinierend. Greene kombiniert sein Abtauchen in die psychischen Untiefen dieses selbstverliebten, aber überforderten Kleinganoven dabei mit dem klassischen Plot eines Katz-und-Maus-Spiels. Die Balance, die die Geschichte dabei am Anfang auszeichnet, geht im weiteren Verlauf jedoch leider verloren.

Die Handlung entwickelt sich, einem Kammerspiel gleich, auf abgegrenztem Raum. Was zu Beginn noch atmosphärische Dichte schafft, wird mit dem Fortschreiten der Geschichte jedoch von zunehmender Behäbigkeit überschattet. Graham Greene konzentriert sich bei allem sehr auf die Innenansichten seiner Figuren und deren unsicheren Stand am Rande der Gesellschaft und versäumt dabei, den Plot weiterhin auch durchweg fesselnd und packend voranzutreiben. In die Gefühlswelt von Pinkie und Rose einzutauchen hat zwar eine morbide Faszination, wird aber besonders in der zweiten Buchhälfte zunehmend ermüdend. Inmitten all dem Wandern am Abgrund wirkt die Figur der Ida Arnold mit ihrer Philosophie des Hinschauens und Handelns in einer Gesellschaft der Wegseher da wie eine wohltuende Atempause. Ihre Szenen haben Leichtigkeit ohne oberflächlich zu sein und wohltuenden Witz.

Graham Greene schafft es bis weit in das letzte Drittel seines Buches hinein, die Karten unter dem Tisch und den Leser über den Ausgang damit im Ungewissen zu halten, man verfolgt die Geschehnisse jedoch nur noch interessiert. Greene erdrückt den Leser mit seinen Beschreibungen von Pinkies Hass und Roses Naivität am Ende dermaßen, dass man mehr genervt als gethrillt ist. So ist „Am Abgrund des Lebens“ zwar ein interessantes Psychogramm des Bösen in Menschengestalt in einer scheinheiligen Gesellschaft, bleibt aber auch ein Buch, das man zu jeder Zeit aus der Hand legen kann.

Im April 2011 erscheint eine Neuauflage des Romans bei dtv.

Am 21.04.2011 kam die Verfilmung des Buches unter dem Titel "Brighton Rock" in die deutschen Kinos.

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