Angst

Autor: Jack Kilborn
Genre: Thriller
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453527973
Erscheinungsdatum (D) 08.12.10 Erschienen 2009
Seiten 400
Übersetzung Wally Anker

Angst Afraid

Inhalt

Über der Kleinstadt Safe Haven inmitten der Einöde Wisconsins stürzt ein Militärhubschrauber ab. Die Insassen: fünf der abscheulichsten Verbrecher, die die Menschheit je hervorbrachte, und die, wie sich später herausstellt, Teil eines geheimen Militärprojekts sind. Sie haben den Absturz überlebt und fallen nun über Safe Haven her. Zunächst sieht alles wie ein zielloses Gemetzel aus, jedoch wird bald klar, dass die Männer auf der Suche nach etwas sind – und der Sheriff der örtlichen Polizei macht schließlich eine fatale Entdeckung. War der Hubschrauberabsturz doch kein Zufall? Und was hat das alles mit dem Bruder des Sheriffs zu tun, nach dem die Männer alle ihre Opfer ausfragen?

Buchkritik von Johannes  Lebert

„Der Vollmond schien mit Blut gefüllt.“ - so beginnt Jack Kilborns Debüt-Horrorthriller. Und so blutig, wie er beginnt, geht es auch auf jeder folgenden Seite weiter. Von vornherein sei gesagt: „Angst“ ist nichts für schwache Nerven oder Mägen. Kilborn lässt keine Ekelhaftigkeiten und Geschmacklosigkeiten aus, um den Leser zu schocken und geht dabei nicht selten ausgedehnt und genüsslich in die Details. Genrefans und Freunde des Splatters kommen daher jedoch selbstverständlich voll auf ihre Kosten.
Schlag auf Schlag folgen die Action- (oder Schlachtungs-)sequenzen, nicht einmal eine Pause durch Kapiteleinteilung wird dem Leser gegönnt. Diesem bleibt nichts anderes übrig, als den Atem anzuhalten, weiterzulesen, und allerhöchstens nach einem der Absätze, die meist in klischeehafter Dan-Brown-Manier mit Cliffhangern enden, zu verschnaufen. „Angst“ liest sich dementsprechend rasant, und eines muss man Kilborn lassen: hat man einmal angefangen zu lesen, ist sein Werk eine einzige Zerreißprobe für die Nerven und man wagt es nicht, das Buch aus der Hand zu legen. Tut man es doch, so wird offenbar, was dem Horrorthriller alles fehlt: allem voran eine deutungs- bzw. intellektuelle Ebene, die dem Buch Tiefe geben könnte. Story, Charaktere, Atmosphäre – alles wirkt schrecklich eindimensional, sobald man das Gelesene noch einmal Revue passieren lässt. Darüber rettet auch nicht der amüsant-ironische Dorfname „Safe Haven“ (klingt im Englischen wie „safe heaven“ - zu Deutsch „sicherer Himmel“) oder die Tatsache, dass der Plot gegen Ende eine leicht politische Wendung nimmt, hinweg.
Fazit: Gerade Werke aus dem Horrorgenre sind oftmals eine Gratwanderung: was ist noch spannend, was schon geschmacklos? Was gilt noch als köstlich schwarzhumorig, was einfach nur noch als krank? Dies ist eine Frage der persönlichen Einstellung des Lesers. Dementsprechend werden sich an „Angst“ die Geister scheiden: für hartgesottene Fans mag es ein fesselndes Schlachtfest sein, für andere ein abscheulicher, niveaulos-stupider Gewaltporno. Ein literarisches Muss ist Kilborns Werk zumindest keinesfalls.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen