Bekenntnisse

Autor: Nelson Mandela
Genre: Biographie
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3-492-05416-4
Erscheinungsdatum (D) 11.10.10 Erschienen 2010
Seiten 460
Übersetzung Anne Emmert, Hans Freundl, Werner Roller

Bekenntnisse Conversations with Myself

Inhalt

Keine Persönlichkeit hat das heutige Bild von einem demokratischen Südafrika so geprägt und entscheidend mitgestaltet wie er: Rolihlahla Nelson Mandela. „Bekenntnisse“ vereint zum ersten Mal die persönliche Korrespondenz Mandelas aus dem Gefängnis, Ausschnitte aus über 50 Stunden Interviews, Tagebucheinträge und Reden aus seiner Amtszeit. Die biografischen Splitter aus über 80 Lebensjahren werden zum dokumentierten Konzentrat einer bewegenden Lebensgeschichte und gewähren einen detaillierten und intimen Einblick in das Denken und Wirken Nelson Mandelas.

Im ersten Teil der autobiografischen Textcollage beschreibt Mandela die Prägung durch seine ländliche Herkunft in der Transkei, im Osten Südafrikas. Im Austausch mit Historikern und alten Weggefährten betont er die Wichtigkeit der Ahnenhistorie und deren Kämpfernatur, aber auch die Stammestraditionen und die Errungenschaften der afrikanischen Hochkultur am Beispiel der Ägypter. Mandela schickt diesen Exkurs voraus, um auf die düsteren Jahre der Apartheid unter der Burenherrschaft in Südafrika einzugehen, deren radikale Politik der Rassentrennung die afrikanische Mehrheit im Land unterdrückte. Verfolgung, Repression, aber vor allem ausufernde Gewalt und Folter gegen die schwarze Bevölkerung sind in diesen Jahrzehnten das tragische Schicksal einer zweigeteilten Nation. In den aufgezeichneten Gesprächen beschreibt der junge Nelson seine ersten Schritte beim ANC (African National Congress). Im Folgenden erzählt der damals noch unerfahrene Politiker, wie er 1944 zum Vorsitzenden der Jungendfraktion des ANC aufsteigt und der Kurs der Partei , der stets am gewaltlosen Widerstand festhielt, in den 1960er Jahren radikalisiert wird . Da die blutige Drohkulisse des Apartheid-Regimes jedoch untragbar wird und viele Opfer fordert, ruft Mandela zum bewaffneten Widerstand auf. Eindrücklich erläutert er, wie aus dem Untergrund von einem Subsegment des ANC operiert wird, das hauptsächlich zum Ziel hatte, Staatsbetriebe und Institutionen durch Sabotageakte lahmzulegen. In einem weiteren Kapitel berichtet er von der abenteuerlichen Ausbildung, die die Freiheitskämpfer in Marokko und Äthiopien erhalten. Mandela macht sich 1964 auf, um eine Unterstützerkampagne für den Freiheitskampf des ANC in zahlreichen afrikanischen Staaten zu organisieren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wird er verhaftet. Es beginnt eine beinahe 30-jährige Haft. Wie er die Zeit im Gefängnis erlebte, was ihn trotz der schikanösen Haftbedingungen antrieb, weiter an seinem Traum der Freiheit des Landes festzuhalten, und die Jahre danach, als Versöhner und Architekt der Regenbogennation spiegeln sich eindrücklich in den persönlichen Aufzeichnungen wider.

Buchkritik von David  Recordon

Viele haben Mandela in den letzten Jahren als außergewöhnliche Erscheinung auf dem politischen Parkett in Erinnerung. Ein weise lächelnder charismatischer Mann, der sich nur ungern in einen feinen Zwirn zwängen lässt, wie seine fantasievollen Hemden zeigen, die eher der farbenfrohen Tracht eines Stammeshäuptlings nachempfunden sind, als der Garderobe eines Staatsoberhauptes.
Doch dies ist nur die mediale Außenansicht eines herausragenden Mitstreiters im Kampf um die südafrikanische Freiheitsbewegung. „Bekenntnisse“ setzt durch seine pointierte Auswahl an dokumentarischen Fragmenten dem mediengewaltigen Image Mandelas als Nationalhelden die persönlichen Facetten eines Menschenfreundes entgegen. So wird in Mandelas privaten Notizen Erstaunliches deutlich: Er gab sich auch seinen größten politischen Gegnern, den rassistischen Herrschern des Regimes gegenüber, stets als verzeihender und demütiger Dialogpartner zu erkennen. Anstatt sich von Ressentiments und Hass leiten zu lassen, legte er sein persönlich erfahrenes Leid bei Seite, um beispielhaft und entwaffnend zugleich auf seine Gegner zuzugehen.
Er ist der wohl am längsten inhaftierteste Freiheitskämpfer unserer Zeit und zugleich Friedensnobelpreisträger. Bedenkt man, dass Mandela zu Unrecht 28 Jahre in Haft auf Robben Island und im Pollsmoor Gefägnis in Kapstadt verbrachte und trotzdem den lebendigen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft aufrecht erhielt und die Konfrontation mit den Verantwortlichen aller Gesellschaftsbereiche suchte, wird deutlich wie unermüdlich sein Bestreben war, seine Ideen für ein freies Südafrika rund um den Globus zu verbreiten.
Es ist das bescheidene und versöhnliche Auftreten von „Madiba“, wie er von den Afrikanern in seiner Heimat liebevoll genannt wird, und nicht zuletzt seine authentische Präsenz, die ihn durch seine klar kommunizierte Vision zu der Führungspersönlichkeit gemacht haben, die er bis heute verkörpert. Davon zeugen auch die Gespräche und seine scharfsinnigen Erläuterungen zur politischen Strategie, welche die Textsammlung so lesenswert machen. Mandela sieht sich nicht als Einzelkämpfer, sondern macht immer wieder darauf aufmerksam, wie wichtig die Community in allen Unterstützerkreisen war, um das gemeinsam erklärte Ziel zu erreichen.
Für einen Blick hinter die Kulissen dieser bereits heute historischen Figur, wird man in „Bekenntnisse“ vom beeindruckenden Wesen und den Inspirationen für Mandelas politisches und privates Erbe belohnt.

Die 1994 erschienene Autobiografie „A Long Walk to Freedom“ wurde bereits 1976 als Rohfasssung aus der Gefängniszelle Mandelas auf Robben Island geschmuggelt. Dies lässt auf den visionären Hoffnungsblick Mandelas schließen, der seit seiner Gefangenschaft bis 1990 an ein geeintes Südafrika glaubte, in dem Angehörige aller Hautfarben und Religionen miteinander leben können.

"Bekenntnisse" beinhaltet ein Vorwort von Barack Obama.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen