Die geheime Geschichte

The Secret History

Die geheime Geschichte

Autor Donna Tartt Genre Roman
Verlag Goldmann
ISBN 978-3442429431
Übersetzung Rainer Schmidt Erscheinungsdatum (D) 01.01.93   
Erschienen 1992  Seiten 571

Inhalt

Richard Papen schließt sich, als er an einem College in Vermont beginnt zu studieren, der isolierten und elitären Gruppe aus fünf Altgriechisch-Studenten an. Sie führen ein grotesk ästhetisches Leben, voller Dekadenz und Whiskey und stets nach dem strebend, was sie am Studium der altgriechischen Philologie so fasziniert, insbesondere dem dionysischem Gefühl der Unsterblichkeit.
Richard merkt jedoch bald, dass seine neuen Freunde ein dunkles Geheimnis bewahren und erfährt, dass sie in Trance bei ihrer letzten Huldigung des Dionysos aus Versehen einen unschuldigen Farmer töteten. Unweigerlich führt dies zu Spannungen, die schließlich in einem zweiten, vorsätzlichen Mord enden.
Die Studenten verlieren immer mehr die Kontrolle über die Situation und sich selbst und geraten tiefer und tiefer in den Strudel aus Schuld und Sühne.

Buchkritik von Johannes Lebert

Johannes vergibt 5 von 5 Bs Bis heute erst zwei Romane auf den Markt gebracht, hat Donna Tartt mit „Die geheime Geschichte“ ein Debüt hingelegt, das ihr so schnell keiner nachmachen wird – und das sie auch selbst kaum übertreffen kann. Als Geschichte über eigentlich unschuldige Collegestudenten, die immer weiter vom rechten Weg abkommen, ist Tartts Werk nicht nur hochinteressant, sondern auch bewegend. Die Story über Schuld, Sühne und den Blick der Freunde in die Abgründe des Bösen schafft es sowohl den Leser zu packen als auch tief zu berühren. Dafür verantwortlich sind zu einem großen Teil sicherlich die außergewöhnlich authentischen und fein gezeichneten Charaktere, die zwar anfangs durchaus klischeehaft erscheinen (Henry, der mysteriöse Kluge; Francis, der Exzentriker; die fröhlichen, aber geheimnisvollen Zwillinge; der unbeschwerte, prahlerische Bunny), sich aber schnell zu einer der größten Stärken des Buches entwickeln.
Zur Story bleibt zu sagen: sie ist authentisch, ja so authentisch, wie eine Geschichte nur sein kann. Und dabei ist sie dennoch nervenzerreißend spannend – zwar auf eine andere Weise, wie es Thriller sind, aber trotzdem durchweg packend. Dies alles jedoch wäre ohne eines nie entstanden: die sprachliche und literarische (ja stellenweise sogar fast poetische) Finesse der Autorin. Ihre ganze Art, diese Geschichte zu erzählen – angefangen vom langsamen Einführen des Lesers in das Grauen und die düsteren Geheimnisse der fünf Studenten bis hin zu den so wunderbaren Beschreibungen der Umwelt – macht dieses Buch aus. Es entwickelt eine so tiefe Atmosphäre und Sog-Wirkung, dass alles um einen herum plötzlich unwichtig erscheint.

Fazit: Fans des geradlinigen Thrillers/Krimis kommen zwar nicht ganz auf ihre Kosten, aber ungeachtet dessen ist „Die geheime Geschichte“ durchaus ein kleines Meisterwerk. Ein Buch, das so packend und tiefgründig atmosphärisch zugleich ist, wird man selten finden.

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