Infinity: Der Turm

Autor: Wolfgang Hohlbein
Genre: Science Fiction
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492702232
Erscheinungsdatum (D) 24.02.11 Seiten 619

Infinity: Der Turm

Inhalt

Hier der Turm, in dessen schützenden und unzerstörbaren Mauern die Herrscher mit ihrem Hofstaat in Luxus ein leichtes und allwissendes Leben führen. Dort die Stadt Belagerung, die sich wie ein Krebsgeschwür über den ganzen Kontinent erstreckt und in deren dunklen Gassen Elend und Krieg herrschen. Nur noch drei Tage und Arion wird die neue Herrscherin des alles beherrschenden Bauwerkes sein. Doch in Belagerung rührt sich das erste Mal seit tausenden von Jahren ernstzunehmender Widerstand gegen die Übermacht des Turms und seiner Bewohner. Der ungestüme Craiden hat die zerstrittenen Clans geeint und ein Heer aufgestellt, das eine erstzunehmende Bedrohung darstellen könnte. Die Art und Weise, mit der der Clansführer an die Türen des Turms klopft, lässt die Grundfesten der bisherigen Weltordnung erschüttern und urplötzlich kommt Arions sicher geglaubte Herrschaft ins Wanken…

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Steht der Name Wolfgang Hohlbein auf dem Cover eines Romans, verkauft es sich fast schon als Selbstläufer. Der Autor gilt als unerschöpflicher Quell von packenden Geschichten aus dem Fantasy, Science-Fiction aber auch historischen Genre und ist im deutschsprachigen Leseraum eine wahre Institution mit einer riesigen Fangemeinde. Doch die Konkurrenz schläft nicht und gerade englischsprachige Fantasyautoren wie Tad Williams, Peter V. Brett und Patrick Rothfuss haben mit ihren facettenreichen und mitreißend geschrieben Mehrteilern die Meßlatte in den vergangen Jahren höher und höher gelegt. Als Hohlbein nun im Vorfeld des Erscheinens von „Infinity: Der Turm“ bekannt gab, dies sei sein Meisterstück, das Buch, dass er schon seit 30 Jahren immer schreiben wollte, machte einen dies eher etwas misstrauisch. Zu sehr hörte sich die Werbestrategie an wie eine plumpe Anlehnung an Stephen Kings genialen siebenbändigen Epos „Der Dunkle Turm“. Kings dunkler Turm ist mittlerweile Kult und Roland der Revolvermann der Inbegriff des rauen Neo-Westernhelden. Eine weitere hohe Meßlatte.

Hat Wolfgang Hohlbein nun mit dem ersten Band seiner auf mehrere Teile angelegten Geschichte den Grundstein für einen solch gewaltigen Epos gelegt, dass man zukünftig tatsächlich von seinem Schlüsselwerk sprechen wird? Diese Frage wird man wohl erst am Ende mit Sicherheit beantworten können. Wie bei Stephen King steht auch hier ein Turm im Zentrum der Geschehnisse und auch Hohlbeins Welt ist eine düstere Zukunftsvision unserer Ende, die sich unter den Auswirkungen atomarer Kriege und dem Einsatz menschenverachtender Waffentechnologie an den Rand der endgültigen Zerstörung entwickelt hat. „Infinity: Der Turm“ ist jedoch eindeutig kein Aufguss einer bekannten Geschichte, sondern der packende und elektrisierende Auftakt zu einer spannenden Geschichte, die uns sicherlich noch so mache durchlesene Nacht bescheren wird. Mehreren Erzählsträngen folgend, führt uns Hohlbein ein in eine Welt, in der die Bevölkerung des Turms in Jahrtausendenden ihre Unbesiegbarkeit in wachsender Arroganz gelebt hat und sich nun selbstherrlich weigert, an ihre Besiegbarkeit zu glauben. Vor ihren Toren hat sich für den Rest des Planeten die Zeit zurück gedreht und einer archaischen Hackordnung Platz gemacht, in der die Macht des Stärkeren gilt. Der Autor entwirft einen ausgeklügelten Grundkonflikt, dessen Tragweite sich erst Stück für Stück erschließt und dessen Geheimnissen man bald mit angehaltenem Atmen auf der Spur ist, ohne ihn jedoch gänzlich fassen zu können. Wolfgang Hohlbein erweist sich mit seinem eingängigen Erzählstil einmal mehr als meisterhafter Geschichtenerzähler, der die Kunst, einen packenden Spannungsbogen zu entwerfen, mit großer Selbstverständlichkeit beherrscht. Gleichzeitig zeichnet er Figuren, die einen interessieren, fordern und denen man unbedingt folgen will. Einzig General Mardu scheint dann doch etwas zu hart im Nehmen zu sein und lässt einen bei seiner Flucht durch die Stadt ob der überstandenen Fasttode doch des Öfteren die Stirn runzeln. Dabei sollte man hier nicht allzu zart besaitet sein, denn Hohlbein lässt es gerade in diesem Teil der Geschichte nicht an Gewalt und Brutalität mangeln.

Letztlich ist „Infintiy: Der Turm“ tatsächlich der angepriesene Pageturner geworden, der mit einer Mischung aus Science-Fiction und Mystik in seinen Bann zieht, nachdem man sich in seine Struktur eingefunden hat. Gerade in der zweiten Buchhälfte zieht Wolfgang Hohlbein die Spannungsschraube mittels sich überschlagender Ereignisse noch einmal an und lässt einen dadurch das offene Ende umso schmerzlicher wahrnehmen.

"Infinity: Der Turm" ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Reihe.

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