Fast genial

Fast genial

Autor Benedict Wells Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06789-7
Erscheinungsdatum (D) 23.08.11   Seiten 336

Inhalt

Francis Dean ist noch nicht einmal 18 Jahre alt, sieht für sich und sein zukünftiges Leben jedoch nur wenig Positives vorher: Mit einer depressiven Mutter und ohne Vater in einem Trailerpark großgeworden, muss Francis dabei zusehen, wie seine Freunde und Schulkameraden Zukunftspläne schmieden, während er selbst das Geld für sich und seine Mutter verdienen muss. Als Francis‘ Mutter versucht sich umzubringen und in ihrem Abschiedsbrief die Wahrheit über Francis‘ Vater offenbart, besteht jedoch die Chance, dass sich von jetzt an alles ändert: Seine Existenz verdankt Francis der Samenbank der Genies, einem verrückten Projekt dessen Ziel es war, geniale Kinder von genialen Vätern heranzuzüchten. Sein plötzliches Dasein als Retortenkind wirft Francis zwar ordentlich aus der Bahn, gleichzeitig könnte dies jedoch die Chance seines Lebens sein. Zusammen mit seinem besten Freund Groover und der betörenden Anne-May, die er in der Klinik, in der auch seine Mutter stationiert ist, kennengelernt hat, begibt er sich auf eine Reise quer durch die USA: Er muss seinen Vater finden und seinem Leben dadurch eine drastische Wende verleihen.

Buchkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 5 von 5 Bs Bereits mit seinen beiden letzten Romanen „Becks letzter Sommer“ (2008) und „Spinner“ (2009) hat der deutsche Jungautor Benedict Wells sein Feingefühl für fesselnde Handlungen, niedergeschrieben in einem mitreißenden Schreibstil, unter Beweis gestellt. Diese Talente kann er auch in seinen dritten Roman „Fast genial“ übertragen. Die Geschichte des armen Trailerparkboys, der sich zusammen mit zwei Weggefährten auf einen abenteuerlichen Roadtrip begibt, um seinen genialen Vater auf der anderen Seite der USA ausfindig zu machen, hat wahrlich Unterhaltungswert. Dies liegt vor allem an der Figurenzeichnung des Protagonisten Francis Dean, der mit seinem Lebensschicksal und den damit verbundenen Eigenheiten eine von Anfang an sympathische Figur ist. Nahezu mittellos, vom Leben gezeichnet, aber noch lange nicht hoffnungslos, verleiht Wells seiner Hauptfigur ein angenehmes Grundprofil, mit dem sich auf den nächsten rund 300 Seiten gut arbeiten lässt. Letztlich ist „Fast genial“ ein Buch über viel Hoffnung, alte Träume und große Wünsche. Der nahezu unbändige Drang zur Verwirklichung eines besseren Lebens, von was auch immer dies bestimmt sein mag, schlängelt sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die vielen Facetten des Glücklichwerdens und gleichzeitig immer wieder auch des Scheiterns und Neuaufstehens sind es, die „Fast genial“ zu einer fesselnden Lektüre machen.

Die eigentliche Handlungsthematik, die Samenbank der Genies, gerät dabei zusehends in den Hintergrund. Auch wenn die mögliche Genialität des Protagonisten und dessen Suche nach seinem genialen Samensender sicherlich stets Antrieb für die Handlung ist, spielt diese Thematik doch zunehmend weniger eine Rolle im Gesamtkonstrukt des Romans. Für Benedict Wells sind die drei Figuren und deren Verhältnis untereinander wesentlich und vor allem die Frage, was sie aus den Möglichkeiten und Chancen, die ihnen gegeben werden, machen. Geschickt führt Wells zum spannenden Finale am Roulettetisch in Las Vegas all die Möglichkeiten zusammen – Francis pendelt für einige Sekunden zwischen dem alten Leben im Trailerpark und einem möglichen neuen: „In den wenigen Sekunden, bis die Kugel endlich liegen bleibt, führte Francis mehrere Leben gleichzeitig.“ Welches er zukünftig führen wird, ist nicht nur eine Entscheidung des Schicksals…

Benedict Wells versteht etwas von dem was er macht und liefert auch mit seinem nun dritten Roman ein handwerklich überzeugendes und inhaltlich fesselndes Werk ab.

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