Ein verborgenes Leben

The Secret Scripture

Ein verborgenes Leben

Autor Sebastian Barry Genre Roman
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-13994-6
Übersetzung Hans-Christian Oeser Erscheinungsdatum (D) unbekannt   
Erschienen 2008  Seiten 392

Inhalt

Roseanne McNulty ist die älteste Patientin des Roscommon Regional Mental Hospital. Seit mehreren Jahrzehnten lebt die beinahe Hundertjährige nun schon in der Einrichtung, die früher einfach nur als Irrenanstalt bezeichnet wurde. Nun soll die Anstalt in kleinere Räumlichkeiten verlegt werden, das alte Gebäude ist derart baufällig, dass es abgerissen werden muss. Der Leiter Dr. Grene soll prüfen, welche Patienten entlassen werden können und befasst sich deshalb auch mit Roseannes mehr als lückenhafter Akte. Offenbar wurde sie damals auf Empfehlung des katholischen Priesters Father Gaunt eingewiesen, doch eine konkrete Diagnose liegt nicht vor. Im Irland der Dreißigerjahre zählte das Urteil eines katholischen Geistlichen eben mehr als Fakten, denn Roseanne scheint bei klarem Verstand zu sein. Dr. Grene quält der Gedanke, dass seine Patientin womöglich Jahrzehnte ihres Lebens in einer Irrenanstalt vergeudet haben könnte, obwohl sie gar nicht geistig krank war – zu damaligen Zeiten war das wohl kein Einzelfall.

Dr. Grene beginnt, sich mit Roseanne McNultys Geschichte zu beschäftigen. War ihr Vater nun ein allseits geschätzter Friedhofswächter, oder vielmehr ein Verräter? Ist es wahr, dass Roseanne ihr eigenes Kind getötet hat? Je tiefer Dr. Grene in Roseannes Leben eindringt, desto verblüffender und trauriger ist die Lebensgeschichte, die sich vor ihm ausbreitet…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs In „Ein verborgenes Leben“ erzählt uns der irische Autor Sebastian Barry die bewegende und faszinierende Lebensgeschichte von Roseanne McNulty, die in irische Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebettet ist. Hier verweben sich der Bürgerkrieg und finstere Familienintrigen mit einer großen Liebesgeschichte, in der Roseanne schließlich auf der Strecke bleibt. Mit fundiertem Hintergrundwissen nimmt der Autor seine Leser mit in eine finstere Zeit, in der die Macht der katholischen Kirche erschreckende Ausmaße hatte und das Leben einer Frau kaum von Bedeutung war. Roseanne McNulty ist eine faszinierende und geheimnisvolle Hauptfigur, die den Leser, ebenso wie Dr. Grene, nicht mehr loslassen will. Voller Entsetzen liest man von den Methoden in den so genannten Irrenanstalten im Irland des 20. Jahrhunderts, die oftmals auch letzte Zuflucht für Menschen war, die in der Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr hatten.

Es gelingt Barry, aus Bruchstücken allmählich die Tragödie eines ganzen Lebens erstehen zu lassen und aus einer zunächst blassen Hauptfigur eine charismatische und zutiefst authentische Frau zu machen. Poetisch und berührend ist diese Geschichte, die der Autor mit einem glasklaren Blick für das Wesentliche vor seinen Lesern ausbreitet. Hier stimmt einfach jede Nuance und „Ein verborgenes Leben“ hält ein derart stimmiges und überzeugendes Ende bereit, dass man diesen Roman wie ein kleines Geschenk empfindet.

Wissenswertes

„Ein verborgenes Leben“ war für den Booker Prize 2008 nominiert und wurde bei den Irish Book Awards 2009 als Roman des Jahres ausgezeichnet.

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