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Kommende Buchkritiken
Opferschuld
Telling Tales
|
Autor
Ann Cleeves
Genre Krimi
Verlag rororo ISBN 978-3-499-25362-1 Übersetzung Stefanie Kremer Erscheinungsdatum (D) 01.02.11 Erschienen 2005 Seiten 426 |
Inhalt
Als Emma Bennett mit fünfzehn Jahren zusammen mit ihren Eltern und Bruder Christopher in das kleine Dörfchen Elvet zog, war Abigail die einzige Freundin, die sie dort fand. Die beiden waren von nun an unzertrennlich, auch wenn sie verschiedener kaum hätten sein können. Als Emma dann an einem frostigen Wintertag die Leiche ihrer einzigen Freundin in einem Graben fand, war das für das junge Mädchen ein fürchterlicher Schock. Sehr schnell kam es zu einer Verhaftung in diesem Mordfall – Jeanie Long, die bildhübsche und sehr junge Freundin von Abigails Vater wurde des Mordes angeklagt und zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.
Zehn Jahre später taucht ein Zeuge auf, der glaubhaft versichert, dass Jeanie Long den Mord an Abigail nicht verübt haben kann. Kurz bevor das bekannt wird, nimmt sich die unschuldig Verurteilte in ihrer Zelle das Leben. Kommissarin Vera Stanhope ist mit der Lösung dieses lange zurückliegenden Mordfalles betraut und schnell muss sie erkennen, dass es in Elvet kaum jemanden gibt, der kein Motiv gehabt hätte, die verzogene Abigail zu töten. Emmas Erinnerungen erweisen sich als äußerst vage, und offensichtlich gibt es in ihrem unmittelbaren Umfeld mehr als eine Person, die verzweifelt versucht, etwas vor Vera Stanhope zu verbergen…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Vera Stanhope ist eine Kommissarin, die mehr als nur einen Sympathiepunkt auf ihrem Konto verbuchen kann: eine hoffnungslos übergewichtige und dem Alkohol nur allzu geneigte Frau mittleren Alters, die mit ihrer zugleich einfühlsamen und burschikosen Art die Zunge so manches potentiellen Verdächtigen zu lockern weiß. Hier nun wird die Ermittlerin mit einem Mordfall betraut, der mehr als nur eine Leiche im Keller diverser Dorfbewohner zum Vorschein kommen lässt. Dabei ist es vor allem die abweisende Haltung der Bürger von Elvet, die deutlich macht, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Die misstrauische Stimmung, die eine latente Bedrohung erahnen lässt, ist es, die von Anfang an den Reiz dieses Kriminalromans aus der Feder von Ann Cleeves ausmacht. Einmal mehr beweist die britische Autorin ihre Gabe, ihre Charaktere differenziert und glaubwürdig zu beschreiben und vor allem die unterschiedlichsten Stimmungen grandios einzufangen.
Auch wenn dieser Kriminalfall sich nicht unbedingt durch einen permanenten Spannungsbogen auszeichnet, ist die Geschichte doch klug und schlüssig konstruiert. Cleeves spielt mit dem, was hinter der heilen Fassade verborgen ist, führt uns die Scheinheiligkeit und Doppelmoral vor Augen, die oftmals den Blick auf das Offensichtliche versperren. Der Leser wird unwillkürlich hineingezogen in die Geschehnisse, die in der Vergangenheit begannen und sich in der Gegenwart beinahe unmerklich zuspitzen. „Opferschuld“ überzeugt mit mehr als einer überraschenden Wendung und bietet einen überraschenden Schluss, der den Leser dann doch sehr nachdenklich zurücklässt.
Wissenswertes
Vera Stanhope ermittelt in folgenden Fällen:
Totenblüte
Opferschuld
Seelentod
Das letzte Wort
