Die Schönheit und die Hölle

La bellezza e l`inferno – Scritti 2004-2009

Die Schönheit und die Hölle

Autor Roberto Saviano Genre Sachbuch
Verlag Suhrkamp
ISBN 978-3-518-42202-1
Übersetzung Friederike Hausmann, Rita Seuß Erscheinungsdatum (D) 20.09.10   
Erschienen 2009  Seiten 304

Inhalt

Nach der Verfilmung seines investigativen Non-fiction Romans  „Gomorrah -  Eine Reise in das Herz der Camorra", legt Saviano mit seinem neuen Buch „Die Schönheit und die Hölle“ eine Textsammnlung vor, die einmal mehr aufrüttelt und ihr explosives Potential bereits im Vorwort entfaltet. Der italienische Autor widmet sich dem schriftstellerischen Kampf gegen die Mafia. In seinen Essays, Artikeln, Kurzepisoden und Portraits prangert er ungeniert die Missstände in seinem Land an. Saviano vergisst dabei nicht auch auf die schönen Seiten seiner Heimat aufmerksam zu machen und widmet seine Texte den ehrlichen Bürgern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Leben ohne Angst und Schrecken. Vor allem die Familien der Opfer, aber auch verdeckte Ermittler und Kulturschaffende kommen zu Wort.

Auf die Frage warum der italienische Autor den Mafiaclans und seinen Kritikern durch seine Texte das Fürchten lehrt, hat Saviano sein Leserpublikum an der Seite: Solange es Leser gibt, die sich mit der Problematik auseinandersetzen und nicht die Augen vor der hochbrisanten Thematik verschließen, werden die Gräuel der mächtigen Ganoven nicht in Vergessenheit geraten. Und darum geht es in Savianos vielfältiger Revue: Seine Texte haben allesamt zum Ziel nicht zu vergessen, wie folgenreich die korrumpierenden Machtspiele zwischen Mafia und Staat auf dem europäischen Parkett ihre Kreise ziehen. Seien es die napoletanischen Drogenkartelle und ihre Schmuggelrouten durch ganz Europa, die kolossalen Bauaufträge im Süden Italiens, die von Tarnunternehmen der Bosse an Land gezogen werden oder der blutige Kampf gegen alle, die versuchen sich in die in Geschäfte der Mafioso ein zu mischen.

Buchkritik von David Recordon

David vergibt 5 von 5 Bs Herausragende Porträts, fesselnde Reden und kritische Essays  sind in dem Textzyklus „Die Schönheit und die Hölle“ zu finden. Saviano beschreibt, wie er nach dem Erfolg von „Camorra“ in Cannes zum ersten Mal, nach Jahren wieder, in einem Raum mit Freunden und Mitstreitern versammelt ist. „Die Schönheit und die Hölle“ gibt intime Einblicke, welchen Preis der Autor für seinen Kampf gegen die Mafia zu bezahlen hat. Saviano lebt seit einigen Jahren im Untergrund. Ständige Ortswechsel und die Begleitung seiner Leibwächter sind Alltag für ihn geworden - die bittere Konsequenz seiner enthüllenden Recherchen. Er wird nicht müde, die korrupten Netzwerke zu enttarnen. Ein Autor, der sich für die freie Meinungsäußerung und ein Leben ohne Angst ausspricht und seit Erscheinen seines ersten Buches selbst keinen Tag mehr in Freiheit verbracht hat. „Schreiben heißt Widerstand leisten, widerstehen“, wie Saviano feurig resümiert. Der Autor appelliert an sein Publikum, fordert auf nicht zu schweigen und sich nicht einfach den Umständen zu fügen. Er macht dort weiter, wo andere Journalisten bereits den Mut verloren haben, sich gegen die kriminellen Machenschaften der „Cosa Nostra“ zu stellen. Wer also mehr über die faktenreichen Verbindungen der heutigen Mafia erfahren möchte, die sich jenseits der Hollywood-Serienplots wie „Die Sopranos“ bewegen, dem sei dieser Essayband wärmstens empfohlen – an Spannung mangelt es diesem eindrücklichen Buch nicht, ist es doch meist das wahre Leben, das die besten Geschichten aufzubieten hat.

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