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Kommende Buchkritiken
Lisa
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Autor
Thomas Glavinic
Genre Roman
Verlag Hanser ISBN 978-3-446-23636-3 Erscheinungsdatum (D) 07.02.11 Seiten 208 |
Inhalt
Ein Mann hat sich zusammen mit seinem kleinen Sohn in einem alten Landhaus, mitten im Nirgendwo verbarrikadiert. Dort versteckt er sich vor Lisa, einer international gesuchten Mörderin, die ihm dicht auf den Fersen ist und vor der er sich nun versteckt. In der Einöde erzählt er allabendlich über ein Webradio die Geschichte von Lisa, deren DNA-Spuren seit Jahren an unzählig vielen Tatorten gefunden wurden. Während er gedanklich in die Vergangenheit reist, um die Ereignisse für den Zuhörer aufzuarbeiten, zieht er eine Line nach der anderen und vermischt im Drogenwahn immer wieder vergangene mit gegenwärtigen Ereignissen. Das große Geheimnis um Lisa lüftet er nur langsam und erzeugt damit eine Radiosendung, die von Abend zu Abend unheimlicher zu werden scheint. Wer ist Lisa? Und vor allem: Wo ist sie gerade?
Buchkritik von Kathrin Lang
Thomas Glavinic ist ein begnadete Erzähler, dessen wahres Talent sich vor allem in seiner Vielfältigkeit zum Ausdruck bringt. War sein „Die Arbeit der Nacht“ noch ein apokalyptischer Roman, der durch die beklemmende Einsamkeit seines Protagonisten eine Leseatmosphäre erschuf, wie man sie nur selten erleben darf, lieferte er ein Jahr später mit „Das bin doch ich“ einen einzigartig selbstironischen und humoristischen Roman ab, in dem er sich keck selbst porträtierte. Nachdem Glavinic 2009 schließlich mit „Das Leben der Wünsche“ einen Roman veröffentlichte, der sich beeindruckend dem Thema Vergänglichkeit von Zeit, Leben, Momenten und Erinnerungen widmete, kommt Anfang 2011 nun ein Buch von ihm auf den Markt, das scheinbar alle Delikatessen des österreichischen Autors in sich vereint und denen er sogar einige neue hinzufügt:
In „Lisa“ wird der Leser erneut mit einem einzelnen Protagonisten konfrontiert - mit einem Mann, und dieser hat, wie könnte es anders sein, Angst. Mitten in der Einöde hat er sich mit seinem Sohn Alex in einem alten Landhaus verbarrikadiert. Er versteckt sich vor Lisa, einer international gesuchten Mörderin, und irgendwie auch, oder vor allem, vor dem heimtückischen Leben, von dessen Überraschungen er die Nase gestrichen voll hat. Glavinic pendelt in seiner Erzählung hervorragend zwischen beschwingter Leichtigkeit und erregender Spannung. Lustig, erheiternd und dann doch wieder beklemmend, gestaltet sich die Lektüre in ihrem Erzählfluss als einzigartig abwechslungsreich.
Während die Spannung der erzählten Geschichte von der Frage „Wer ist Lisa?“ getragen wird, liegt der eigentliche Kniff in Glavinics Idee, seinen Protagonisten über ein Webradio sprechen zu lassen. So ist der Leser kein Leser, sondern irgendwie Zuhörer. Glavinic nutzt die Möglichkeiten, die ihm durch den fingierten Medienwechsel gegeben sind und spielt in seiner Erzählung immer wieder mit gestörten Kommunikationskanälen. Einige Leerstellen werden auf diese Weise durch den kurzzeitigen Ausfall der Technik erzeugt. Mag das Medium nicht mitspielen, bleibt auch der Leser/Zuhörer uninformiert zurück. Thomas Glavinic spielt ein kluges Spiel – das er auf ganzer Ebene für sich entscheiden kann. „Lisa“ ist ein erneut fantastischer Roman, der Glavinics feste Stellung als außergewöhnlicher Erzähler weiter stärkt.

