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Kommende Buchkritiken
Draculas Gast
Dracula's Guest
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Autor
Bram Stoker
Genre Kurzgeschichten
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-24091-7 Übersetzung Erich Fivian, H. Haas Erscheinungsdatum (D) 22.03.11 Seiten 224 |
Inhalt
Sechs gruselige Kurzgeschichten präsentiert uns Bram Stoker, der Schöpfer von „Dracula“ in „Draculas Gast“:
In “Draculas Gast“ begibt sich ein unbedarfter junger Engländer, der später als Jonathan Harker traurige Berühmtheit erlangen soll, auf eine Kutschfahrt rund um München. Die Warnungen des Hotelmanagers, in der kommenden Walpurgisnacht in jedem Fall vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein, nimmt er nicht ernst. Trotz aller Warnungen lässt er sich auf eine Erkundungstour in ein angeblich verhextes Dorf ein – ein Entschluss, den er bald schon bitterlich bereuen soll.
Auch in “Das Haus des Richters“ wird der Leser mit einem jungen Mann bekannt gemacht. Malcolm Malcolmson ist Student und möchte sich in aller Ruhe auf sein Examen vorbereiten, weshalb er sich in einem einsamen Haus auf dem Land einmietet, dem der Ruf vorauseilt, dass es dort spuken soll. Malcolm allerdings genießt die ländliche Ruhe, die aber bereits in der ersten Nacht von unliebsamen Mitbewohnern jäh beendet wird.
“Die Squaw“ berichtet von den fatalen Folgen eines unüberlegten Streichs mit tödlichem Ausgang. Ein etwas zu sehr von sich überzeugter Amerikaner, der versehentlich ein Katzenjunges tötet, wird fortan von dessen rachsüchtiger Mutter verfolgt, was unvorhersehbare Konsequenzen für ihn haben soll.
In “Rattenbegräbnis“ macht ein junger reicher Herr die Bekanntschaft der Lumpensammler von Paris. Die Gefahr, in die er sich begibt, als er die Kehrichthügel der Stadt aufsucht, unterschätzt er völlig – eine Tatsache, die ihn das Leben kosten könnte.
“Das Geheimnis des wachsenden Goldes“ erzählt von den schrecklichen Folgen einer unüberlegten Heirat und davon, dass es finstere Geheimnisse gibt, die sich unweigerlich ans Tageslicht drängen.
In “Crooken Sands“ schließlich muss ein reicher Londoner Kaufmann die Erfahrung machen, dass Eitelkeit nicht unbedingt eine Tugend ist. Er sieht sich einem Doppelgänger gegenüber, der ihn das Gruseln lehrt.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Bram Stoker ist bis zum heutigen Tage für seinen 1897 erschienen Schauerroman „Dracula“ berühmt und verehrt. Mit dieser Sammlung von Kurzgeschichten, die vom Diogenes-Verlag neu aufgelegt wurde, beweist der britische Autor, dass er mit Fug und Recht zu den ganz großen Schriftstellern gezählt wird. Mit wirklich jeder dieser sechs Gruselgeschichten gelingt es Stoker, seine Leser in seinen Bann zu ziehen, ihnen wohlige Schauder zu verursachen und sie die Welt um sich herum vergessen zu lassen.
Vor allem die erste Geschichte „Draculas Gast“ ist für alle „Dracula“-Fans durch und durch faszinierend, weil es hier zu einer Begegnung mit Jonathan Harker kommt, der in „Dracula“ ja eine zentrale und tragische Figur ist. Hier wird man Zeuge, wie Harker auf seiner schicksalhaften Reise nach Transsylvanien eine abenteuerliche Nacht in München durchlebt. Doch auch die anderen Geschichten überzeugen mit einem formvollendeten Stil und einer überraschend modernen Sprache. Besonders subtil ist hierbei „Die Squaw“, denn hier wird der blinde Wunsch nach Rache so perfekt befriedigt, dass es eine wahre Wonne ist. Immer wieder zeigt sich in oftmals feinen Nuancen, welch literarisches Genie Bram Stoker war.
Einziger Wermutstropfen ist die stellenweise wirklich katastrophale Übersetzung. Als Beispiel dafür sei folgendes genannt: „Er sagt zu mir, vor einer Woche ist sein Schwester gekommen nach Haus, eine Ruine und schrecklicher aussehend als früher. Nur ihre goldene Haar wie früher und hat böse Absicht gesagt.“ Wie es zu Sätzen wie diesen kommen kann, ist und bleibt ein Rätsel und gibt in der Bewertung dieser ansonsten großartigen Sammlung von Kurzgeschichten leider einen Punkt Abzug.
Wissenswertes
„Draculas Gast“ war ursprünglich Teil des 1897 erschienen Romans „Dracula“, wurde aber von Stoker im Lauf der siebenjährigen Arbeit an seinem Roman wieder herausgekürzt.
