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Kommende Buchkritiken
Winterreise
Le Voyage d’hiver
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Autor
Amélie Nothomb
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06778-1 Übersetzung Brigitte Große Erscheinungsdatum (D) 01.02.11 Erschienen 2009 Seiten 115 |
Inhalt
Zoïle ist unsterblich verliebt in Astrolabe. Er lernt sie kennen, als er, in Ausübung seines Berufs als Heizungsexperte, ihre Wohnung aufsucht. Dort lebt Astrolabe mit ihrer Freundin, der geistig behinderten Schriftstellerin Aliénor. Die Dachwohnung der beiden Frauen ist wie ein Kühlschrank, das Dach ist nicht isoliert und an einer Heizung mangelt es gänzlich. Ein guter Grund für Zoïle, Astrolabe immer wieder zu besuchen und sich in der kleinen Wohnung nützlich zu machen. Er führt die beiden Damen aus, bringt ihnen leckere Kleinigkeiten mit und zeigt größtes Verständnis für ihre Situation. Denn Astrolabe fühlt sich Aliénor aufs Tiefste verpflichtet und lässt ihren Schützling nicht für eine Sekunde allein. Da kann sich Zoïle die verführerischsten Listen ausdenken, Astrolabe lässt sich einfach nicht erweichen.
Am Ende schlägt Zoïles Liebe in Hass um, er plant einen terroristischen Anschlag, dessen Symbolik Astrolabe sicherlich verstehen wird…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Die Geschichte von Amélie Nothombs „Winterreise“ ist schnell erzählt, denn eine wirkliche Handlung gibt es hier nicht. Ein junger Mann verfällt einer bildschönen Frau, die aber nicht für ihn frei ist. Sie weist ihn und seine Liebe zurück und widmet sich lieber der Pflege einer geistig behinderten Schriftstellerin. Aus gekränkter Liebe entschließt sich der Unglückliche, einen terroristischen Anschlag zu verüben, um so seiner Geliebten zu zeigen, was sie ihm angetan hat. Vor allem um Zoïle und seine verletzte Eitelkeit dreht sich dieser Roman der französischen Autorin. Um seine Gedanken, die sich zunächst nur um die Angebetete drehen, die voller nicht ausgesprochener Verachtung für seine „Nebenbuhlerin“ sind und sich in immer größerem Selbstmitleid suhlen. Wirklich sympathisch wird er einem nicht, dieser Zoïle, und auch zu Astrolabe bekommt man keinen rechten Zugang. Die einzige wirklich lebendige und liebenswerte Figur ist die skurrile Schriftstellerin Aliénor.
Das, was uns Amélie Nothomb in ihrer „Winterreise“ erzählt ist weder sonderlich fesselnd, noch in irgendeiner Form berührend. Auch wenn Nothombs Stil in seiner provozierenden und frivolen Art durchaus seinen Reiz hat, sind Zoïles Beweggründe doch schwer nachvollziehbar. Wenn er mit seiner Angebeteten und deren Mitbewohnerin auf einen psychedelischen Pilztrip geht, kann man nur verständnislos den Kopf schütteln. Nach dem Sinn dieser verworrenen Geschichte sucht man vergebens und wünscht sich irgendwann, selbst einen Zauberpilz einwerfen zu können, um den wirren Gedanken dieses potentiellen Attentäters zu entkommen.
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Kommentare
Kommentare
alma lüscher schreibt am 08.02.11, 16:41
Mir scheint, wir haben nicht das gleiche Buch, die gleiche Geschichte gelesen. Subtil verknüpft die Autorin verschiedene Ebenen von Realität und Fiktion. Wir erfahren etwas aus dem Leben einer autistisch anmutenden Autorin mit einer Hasenscharte, die über ein aussergewöhnliches literarisches Talent verfügt und keineswegs geistig behindert ist.Gleichzeitig werden wir mit einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung konfrontiert, die an der Kommunikation zwischen den beiden Liebenden scheitert. Wir partizipieren am Trip von drei verschiedenen Personen. Die terroristische Träume des frustrierten Liebhabers, eine utopische Kompensation, Klammern die Geschichte gekonnt ein.
