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Kommende Buchkritiken
Chill mal, Frau Freitag
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Autor
Frau Freitag
Genre Roman
Verlag Ullstein ISBN 978-3-548-37399-7 Erscheinungsdatum (D) 11.03.11 Seiten 250 |
Inhalt
Eine Großstadt irgendwo in Deutschland. Hier unterrichtet die Lehrerin Frau Freitag an einer Gesamtschule, einer so genannten Brennpunktschule – und kaum zu glauben: Frau Freitag hat Spaß an ihrem Beruf. Besonders Frau Freitags eigene neunte Klasse hat es in sich: Kollegen beschweren sich regelmäßig, wenn sie in Frau Freitags Klasse unterrichten müssen und die Fehlzeiten der Schüler passen schon längst in kein normales Klassenbuch mehr. Wenn Abdul und Ronnie ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, Hitler habe die Mauer gebaut, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs. Leistungsschwach ist ein etwas untertriebenes Attribut, möchte man Frau Freitags reizende Klasse beschreiben.
Dennoch ist Frau Freitag überzeugt davon, den schönsten Beruf der Welt zu haben. Sie erzählt aus ihrem absurd-komischen Alltag, von ihren Problemen, die Schüler überhaupt in den Unterricht zu bekommen und sie dann – egal wie – wenigstens einigermaßen für den Lernstoff zu motivieren. Sie berichtet von Schülerinnen, die sich lieber schminken, anstatt sich am Unterricht zu beteiligen, von Jungs, die am liebsten eine Ausbildung zum Zuhälter machen würden und von armen Referendaren, die verzweifelt um ihr Überleben in Frau Freitags neunter Klasse kämpfen.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Jeder, der heutzutage in irgendeiner Form mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet weiß, dass Frau Freitags Schilderungen aus ihrem Alltag in einer Brennpunktschule keineswegs übertrieben oder aus der Luft gegriffen sind. Dass die Autorin aber munter aus dem Nähkästchen plaudert und damit ihrem Alltag den Anschein von spaßig aneinander gereihten Anekdoten gibt, ist nur schwer zu verstehen. Ganz sicher braucht man als Lehrerin einer neunten Klasse (auch wenn die sich nicht in einer Schule mit sozialem Brennpunkt befindet) gute Nerven und vor allem eine gewaltige Prise Humor. Doch wie sinnvoll erscheint es, gerade das, was den meisten Lehrern und Pädagogen im Moment große Sorgen bereitet, nämlich den allmählichen Verfall der Bildung bei Kindern und Jugendlichen, in heiter aneinander gereihten Episoden zu verharmlosen? Hinzu kommt noch, dass die meisten der von Frau Freitag erwähnten Schüler einen Migrationshintergrund aufzuweisen haben. Ist das denn nicht wieder Wasser auf den Mühlen all derer, die den Grund allen Übels in unseren Schulen in der steigenden Zuwanderungsrate sehen? Damit wäre aber ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema stark vereinfacht und unrealistisch dargestellt.
Sicherlich gibt es immer wieder etwas zu Schmunzeln während der Lektüre von „Chill mal, Frau Freitag“. Zum Beispiel die Anekdote über das Lieblingsschimpfwort aller Schüler „Spast“. Auf die Frage, ob sie denn wüssten, was das bedeute, bekommt Frau Freitag immer dieselbe Antwort: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ Als die Lehrerin ein Gespräch über die Sarrazin-Debatte führen möchte, ist ein Schüler sich ziemlich sicher, dass Sarrazin doch „so eine Säure“ ist. Doch insgesamt ist es eher traurig, was man da zu lesen bekommt. Wenn etwa ein Schüler unbedingt Bäcker werden möchte, weil er zu wissen glaubt, dass man in diesem Beruf 5.000 Euro im Monat verdient, dann kann man über soviel Naivität und Unwissenheit nur den Kopf schütteln.
„Chill mal, Frau Freitag“ ist ein nur vordergründig komisches Buch, das ernstzunehmende Zustände als harmlos und gar witzig bagatellisiert und ein nicht unbedingt Vertrauen erweckendes Bild unseres Schulsystems heraufbeschwört.

