Blaue Augen

Blueeyed Boy

Blaue Augen

Autor Joanne Harris Genre Roman
Verlag List
ISBN 978-3-471-35053-9
Übersetzung Uta Rupprecht Erscheinungsdatum (D) 11.03.11   
Erschienen 2010  Seiten 352

Inhalt

blauauge stellt in seinem Blog seine Gedanken, Ängste und Ideen quasi öffentlich zur Schau. Er ist 42 Jahre alt, lebt noch bei seiner Mutter und gesteht im Blog einen Mord, den er gar nicht begangen haben kann. blauauge lebt, atmet, leidet und lacht nur online, sein ganzes Leben spielt sich dort ab, und die Mitglieder seiner Community ergötzen sich an den Schilderungen seiner Gräueltaten und geben ihre Kommentare dazu ab. Seine Mutter hat nur Grausamkeiten für ihn übrig, vor ihr fürchtet er sich regelrecht. Von seinen beiden Brüdern lebt keiner mehr – in seinem Online-Tagebuch behauptet er, sie ermordet zu haben. Nun konzentriert sich die ganze verquere Mutterliebe von Gloria Winter auf ihren einzigen verbliebenen Sohn – und das hat fatale Folgen für ihn. Doch offenbar gelingt es blauauge erfolgreich, sein sorgsam gehütetes Doppelleben vor der verhassten Mutter zu verbergen. In seinem Blog darf er all das ausleben, was er bei seiner Mutter stets unter Verschluss halten muss, und hier fühlt er sich sicher vor ihren Gewaltexzessen – doch ist er das wirklich?

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 3 von 5 Bs Alles an „Blaue Augen“ vermittelt zunächst den Eindruck, dass man es hier mit einem spannenden Thriller zu tun hat: ein erschreckend intensives Coverbild und auch der Inhalt des Klappentextes, der so gut wie gar nichts verrät und dadurch Lust auf diese Geschichte macht. Doch bald schon wird klar, dass „Blaue Augen“ alles andere ist als ein Thriller – nur was, das bleibt eigentlich bis zum Schluss ein Rätsel. Wer mit der Welt des Internet nicht vertraut ist, wird sich von Anfang an mit diesem Buch schwer tun, denn die gesamte Handlung - wenn man überhaupt von einer sprechen kann - spielt sich in den Blogs von blauauge und Albertine ab, die durch die Kommentare diverser Besucher ergänzt werden. Doch auch jene Leser, die durchaus Erfahrung mit dem Internet haben, finden nur schwer in die Geschichte hinein. Wer ist dieser blauauge, was sind seine Beweggründe und wohin wird das alles führen? Auch wenn die unterschiedlichen Blogeinträge durchaus einen gewissen Reiz ausüben und der Geschichte dadurch einen eigenen Charme verleihen, will einfach keine Spannung aufkommen.

Im Verlauf der Handlung verändert sich deren gesamter Charakter immer wieder aufs Neue, weil ein und dieselbe Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und damit aus einem ganz anderen Hintergrund heraus erzählt wird. Das ist durchaus reizvoll, denn dem Leser wird klar, dass sich alles auch komplett anders abgespielt haben könnte und dennoch Sinn macht. Familiendramen und wahre Tragödien werden hier ebenso aufgerollt wie die verworrene Vergangenheit des Protagonisten. Dabei breitet sich vor dem inneren Auge des Lesers blauauges grausame Geschichte aus, die von Misshandlung, seelischem Missbrauch und Versagensängsten geprägt ist. Stoff für einen ergreifenden Roman, doch „Blaue Augen“ gelingt es nicht, den Leser mit ins Boot zu holen, wirkliche Emotionen zu erzeugen und das ist wirklich bedauerlich, denn die Ansätze wären da gewesen. Am Ende bleibt der Eindruck eines eher mittelmäßigen Buches, das viele Chancen verschenkt hat.

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