Hector und das Wunder der Freundschaft

Hector und das Wunder der Freundschaft

Autor François Lelord Genre Roman
Verlag Piper Verlag
ISBN 978-3-49205-166-8
Übersetzung Ralf Pannowitsch Erscheinungsdatum (D) 06.09.10   Seiten 256

Inhalt

Der Pariser Psychiater Hector ist wieder einmal auf Spurensuche zu einem der großen Themen. Diesmal dreht sich in François Lelords neuem Roman „Hector und das Wunder der Freundschaft“ alles um die verschiedenen Facetten dieser zwischenmenschlichen Erfahrung. Nachdem Hector als erfolgreicher Therapeut und fürsorglicher Familienvater einige seiner langjährigen Freunde aus den Augen verloren hat, ist er umso mehr überrascht, als ihn eines Tages eine sonderbare Nachricht seines weltgewandten Freundes Edouard erreicht, der in Schwierigkeiten steckt. Er kann seinen Aufenthaltsort nicht preisgeben, da er nach einem großen Coup eine Bank um mehrere Millionen erleichtert hat. So kommt es, dass Edouard nicht nur von seinem abenteuerlustigen Weggefährten Hector gesucht wird. Auch weniger wohlwollende Zeitgenossen schließen sich Hectors riskanter Recherche, die ihn nach Südostasien führt, an. Eine spannende Reise mit alten Freunden nimmt ihren Lauf, die uns die Essenzen dessen wiederentdecken lässt, was Menschen, auch über Jahre getrennt, zusammenhält: „das Wunder der Freundschaft“.

Buchkritik von David Recordon

David vergibt 3 von 5 Bs François Lelord entwirft in kurzen Kapiteln seine prägnanten Beobachtungen zur Freundschaft und garniert diese mit Theoremen nach Aristoteles und Thomas von Aquin. Während der antike Vordenker zwischen vergnügungsorientierten und tugendhaften Verbindungen menschlicher Art unterscheidet, sieht der Heilige Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft als zentrale Merkmale einer Freundschaft. Lelord erschafft eine Melange aus beiden und vermittelt seinen Lesern nicht nur gutgemeinte Ratschläge, sondern bereichert die Erkenntnisse mit anschaulichen Episoden, in die er seine Kunstfigur Hector stellt. Während seiner Suche nach dem verschollenen Edouard trifft Hector auf reizende Weggefährten und alte Freunde, die alle eine Sehnsucht haben – die freundschaftlichen Bande zu ihrem alten Freund Edouard wiederaufleben zu lassen. Dieser bleibt bis zum Schluss ein charismatisches Mysterium. Da wäre zum einen der Starpsychiater Brice zu nennen, bei seinen Pariser Patientinnen in Ungnade gefallen, verzaubert er fortan mit seinem charmanten Auftreten die fernöstlichen Damen als ausgestiegener Lebemann. Die Ethnologin Valerie identifiziert mit ihrem scharfen Blick für fremde Kulturen anhand eines Fotos, in welcher exotischen Region dieser Welt sich Edouard aufhält und bringt Hector durch ihr gewinnendes Wesen in Gewissenskonflikte mit seiner Ehe.

Leider bleibt Hauptprotagonist Hector ein künstlicher Charakter, dem man zwar eine authentische Nuance von freundschaftlicher Verbundenheit abgewinnen kann, jedoch wirkt das ganze Ambiente der Romanwelt etwas konstruiert – der Stoff aus dem echte Freundschaften sind, lässt sich eben schwer erfinden oder gar mit Theorien zu einer glatten Story aufarbeiten. So ist die zentrale Frage im Buch, was ideale Freundschaften ausmacht und welcher Bemühungen sie erfordern, als Herausforderung zu verstehen. Findet man diese bewegenden Gefühle und den Rückhalt von nahestehenden Menschen beim Lesen nicht in den beschriebenen Charakteren, so ist dies sehr beruhigend, solange man sie in sich und bei den seinen entdeckt. So sind also Bücher nicht immer die besseren Freunde. Dennoch lohnt eine Lektüre für jeden, der sich dem Abenteuer Freundschaft aus einer analytischen Perspektive nähern möchte.

Wissenswertes

Die verschiedenen Geschichten um den Psychiater Hector, die nicht aufeinander aufbauen, werden in folgenden Bänden erzählt:

Band 1:
Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
Band 2:
Hector und die Geheimnisse der Liebe
Band 3:
Hector und die Entdeckung der Zeit
Band 4:
Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens
Band 5:
Hector und das Wunder der Freundschaft

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