Grimm

Grimm

Autor Christoph Marzi Genre Fantasy
Verlag Heyne
ISBN 978-3-453-26661-2
Erscheinungsdatum (D) 15.11.10   Seiten 512

Inhalt

In Hamburg läuft es auch nicht besser als in Berlin. Diese Erkenntnis überkommt Vesper Gold, als sie im Sekretariat ihrer neuen Schule für „reiche und verzogene Kinder und Jugendliche“ sitzt und auf das Donnerwetter wartet, das sie aufgrund gefälschter Krankmeldungen erwarten wird. Doch bereits wenige Stunden nachdem ihre Mutter, die weltberühmte Pianistin Margo Gold, die Sache bereinigt hat und zur nächsten Tournee abgerauscht ist, bricht die Welt für Vesper völlig aus den Fugen. Nicht nur, dass ein merkwürdiger Mann mit Äffchen auf der Schulter sie verfolgt und schemenhafte Wölfe Jagd auf sie machen, auch ihr Vater, der Filmemacher Maxime Gold, ist plötzlich tot. „Hüte Dich vor den Wölfen“ dieser Satz ihres Vater fällt ihr plötzlich wieder ein. Sein mysteriöser Tod lässt diese Warnung in einem neuen Licht erscheinen. Ein geheimnisvoller Schlüssel und ein Ring, die er ihr vererbt hat, erweisen sich als Puzzelstücke zu einem Rätsel, das für Vesper völlig unergründlich erscheint und auf beängstigende Art und Weise mit den Märchengeschichten ihrer Kindheit verwoben ist. Können Märchen wahr werden? Zusammen mit dem Studenten Leander Nachtsheim, dem sie zufällig begegnet, macht sie sich auf die Suche nach Antworten, denn auch er trägt einen dieser geheimnisvollen Schlüssel.

Als in ganz Europa plötzlich die Kinder einschlafen und nicht mehr erwachen ist klar: Ein gewaltiges Unheil sucht sich einen Weg zurück in die reale Welt. Vesper Gold und Leander Nachtsheim ahnen, dass die Märchen der Gebrüder Grimm vielleicht doch mehr Wahrheit beinhalten, als ihnen lieb ist.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 3 von 5 Bs Christoph Marzi gehört zu jenen Geschichtenerzählern, die es auf faszinierende Art und Weise verstehen, in lebendigen Bildern zu schreiben. Seinen Büchern wohnt immer ein gewisser Zauber inne, den man schwer in Worte fassen kann. Seine liebevoll verschrobenen Figuren berühren, und seine Ideen fesseln. Nach seinen Erfolgen mit den Geschichten aus den „Uralten Metropolen“ kehrt er mit „Grimm“ zu den Wurzeln aller fantastischer Erzählungen zurück: zu den Märchen. Auf 560 Seiten gewinnt er der Legende der Gebrüder Grimm neue überraschende Wahrheiten ab und mischt dabei Fakten mit Fiktion. Marzi–Fans müssen auch in „Grimm“ auf seine typischen Stilmittel nicht verzichten. Exponierte Kernsätze und das Einweben von Songtexten waren nicht nur in Büchern wie „Fabula“ oder „Lyra“ ein Garant für atmosphärische Dichte und eine fesselnde Atemlosigkeit, mit der man gespannt das Geschehen verfolgte. Ein Gefühl, das sich bei „Grimm“ leider nur zögerlich einstellen will. Vesper Gold ist wieder eine interessante Hauptfigur, doch man wird mit ihr nur langsam „warm“. Auch der mitreißende Lesefluss, der einen die Bücher von Christoph Marzi sonst in einem verschlingen lässt, wird immer wieder unterbrochen. Beschreibungen von Orten wirken mit Sachinformationen überfrachtet und zuweilen etwas mühsam. Die Geschichte wirkt in der ersten Hälfte, wie von ihrem eigenen Geheimnis erdrückt. Vielleicht auch, weil der Fokus ganz auf seine Protagonistin gerichtet ist und daneben wenig Raum bleibt. Hat man den Scheitelpunkt von „Grimm“ erreicht, bricht sich die Geschichte dann aber Bahn und man verfolgt fasziniert, wie sich das Puzzle aus schlafenden Kindern, bösen Wölfen und geheimen Schlüsseln zu einem Ganzen fügt.

Wie immer bei Christoph Marzi steht auch hinter „Grimm“ eine wundervoll phantastische Idee. Er gewinnt alt Bekanntem auf die ihm eigene Art und Weise neue Sichtweisen ab. Umso mehr ist zu bedauern, dass der Zauber dieser Geschichte sich erst auf den letzten 150 Seiten gänzlich entfaltet.

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