Das Tor zur Unterwelt

La Porte des Enfers

Das Tor zur Unterwelt

Autor Laurent Gaudé Genre Roman
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-24795-5
Übersetzung Frank Sievers Erscheinungsdatum (D) 01.10.10   
Erschienen 2008  Seiten 272

Inhalt

„Bring mir meinen Sohn zurück, Matteo! Bring ihn mir zurück oder, wenn Du das nicht kannst, dann hol mir wenigsten den Mann, der ihn getötet hat!“ Beide Forderungen seiner Frau Giuliana sind für den Taxifahrer Matteo De Nittis gleichermaßen unmöglich zu erfüllen. Er kann sie verstehen, auch ihn bringt der Schmerz um. Der Schmerz, der sich wie lebendige Dunkelheit von Innen heraus auffrisst, seit sein Sohn bei einer Mafia-Schießerei auf den Straßen Neapels ums Leben kam. Pippo war noch so klein. Bei dem Versuch, den Mörder seines Sohnes zu erschießen kläglich gescheitert und von seiner Frau verlassen, führt der Zufall Matteo in die Bar von Garibaldo. Hier treffen sich Abend für Abend die Gestrandeten des Lebens: Grace, der Transvestit, der sich sein Geld mit Anschaffen verdient. Professor Provolone, der sich gerne demütigen und züchtigen lässt und der vom Krebs zerfressene rebellische Priester Mazerotti. Bei Wein und Mozzarella erzählt Provolone vom Totenreich und den verborgenen Eingängen. Direkt hier in Neapel. Besessen von dem Gedanken, seinen Sohn doch noch retten zu können, ist Matteo bald von der Idee des Tors zur Unterwelt gänzlich eingenommen. Gibt es für Pippo doch noch eine Rettung?

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 2 von 5 Bs Mit „Das Tor zur Unterwelt“ greift der französische Schriftsteller Laurent Gaudé eine der großen Fragen der Religionen und des christlichen Glaubens auf: Gibt es ein Leben nach dem Tod und vor allem: gibt es einen Weg zurück zu den Lebenden, wenn die Grenze einmal überschritten wurde? Und wie würde es den Zurückgekehrten ergehen mit diesem zweiten Leben? Philosophen wie Kleriker finden unterschiedliche, aber nicht eben hoffnungsvolle Antworten. Laurent Gaudé versucht sich mit seinem Buch an einer Art von Hoffungsschimmer.

Der Autor spürt dem wohl schrecklichsten Verlust nach, den ein Mensch erleiden kann: dem Tod des eigenen Kindes. Giuliana und Matteo De Nittis stehen mit ihrer Trauer aber auch in der Art mit dem Verlust umzugehen stellvertretend für viele Eltern. In ihrer Unfähigkeit zu begreifen, suchen sie Zuflucht in Rache und Verdrängung aber auch in der Suche nach einer Handlungsoption. Laurent Gaudé steigt brutal in die Geschichte ein, indem er aus der Perspektive des „Geretteten“ beginnt, die Ereignisse aufzurollen. Im stetigen Wechsel der Kapitel und der Zeiten bewegt sich der Leser auf den Punkt X zu, der vermeintlich die Lösung verspricht. Ist man zu Anfang vom Schicksal der De Nittis ergriffen und bewegt, verliert sich die emotionale Nähe zu den Figuren im weiteren Verlauf immer mehr. Momente, von denen man sich atmosphärische Dichte verspricht, wie das Gespräch in der Bar von Garibaldo vor dem Abstieg in die Unterwelt, lesen sich eher wie der Auftakt zu einem großen Abenteuer, und noch ehe man sich versieht, ist man in der Unterwelt drin und schon wieder draußen.

Wie ist es, einen geliebten Menschen an den Tod zu verlieren? Laurent Gaudé findet für diesen Verlust eindringliche Worte, die berühren und eindringliche Beschreibungen, die einen nicht loslassen. Gegen Ende schüttelt man jedoch auch über die Figuren ungläubig den Kopf, weil deftige Sprüche oder bestimmte Handlungen befremden oder Charaktere gewollt skurril wirken. Anstatt weiter in die Geschichte gezogen zu werden, entfernt man sich Stück für Stück von Matteo und Pippo und verfolgt die Handlung zwar interessiert, aber nicht mehr emotional beteiligt. Leider wird „Das Tor zur Unterwelt“ damit zu einem Buch, das man fast zu jedem Zeitpunkt aus der Hand legen kann.

Besucherbewertung

0.0 / 5  (0 votes)

Kommentare


Kommentare

+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.