Die Unperfekten

The imperfectionists

Die Unperfekten

Autor Tom Rachman Genre Roman
Verlag dtv
ISBN 978-3423248211
Übersetzung Pieke Biermann Erscheinungsdatum (D) 01.10.10   
Erschienen 2010  Seiten 400

Inhalt

Eigentlich ist die von dem Tycoon Cyrus Ott gegründete Tageszeitung in Rom am Ende. Otts Erben investieren kein Geld mehr und so geht das einst so ambitionierte Blatt seiner letzten Auflage entgegen. Oliver Ott, eigentlich vor Ort, um sich zu kümmern, kümmert sich lieber um seinen Hund Schopenhauer und ignoriert die penetranten Anrufe der äußerst karriereorientierten Chefredakteurin Kathleen. Noch sind sie da, der von den Nachrufen zum Leiter des Kulturressort beförderte Arthur Gopal, die Wirtschaftsreporterin Hardy Benjamin, mit ihrem Hang zum falschen Mann, Herman Cohen, der Herr der richtigen Worte oder Ruby Zaga, die scheinbar keine fehlerfreien Worte hinbekommt. Doch was wird aus ihnen, wenn die letzte Meldung gebracht und das Klappern der Tastaturen verklungen ist?

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 5 von 5 Bs Mit „Die Unperfekten“ legt der Autor Tom Rachman ein wirklich bemerkenswertes Debüt vor. Seine Geschichte, die vom Aufstieg, aber insbesondere vom Niedergang einer großen internationalen Tageszeitung in Rom handelt, ist ein Kaleidoskop des Lebens. Rachsmans Roman wimmelt vor skurrilen Menschen, die, wie der Titel schon sagt, einfach nicht perfekt sind. Ihre Schicksale pendeln zwischen Tragik und Komik und sind für sich genommen auf ganz unterschiedliche Art und Weise emotional berührend. Tom Rachman ist es gelungen, jeder Figur auf seine Weise mit einem Kapitel gerecht zu werden. Die Art, wie er die Charaktere zeichnet, zeugt von einer feinen Beobachtungsgabe, dem Gespür für die Tragik des Alltags und der Fähigkeit, auch hinter die Fassaden der Menschen zu blicken. Eingebettet in die Geschichte der Zeitung erfahren wir so von schrulligen Eigenheiten, liebenswerten Spinnereien oder auch tragischen Entwicklungen.

Tom Rachmanns „Die Unperfekten“ bezieht seine Dynamik aus einer wilden Ansammlung exzentrischer Individualisten, die lediglich die Arbeit bei der Zeitung verbindet und deren roter Faden die Zeit ist. Geschickt koppelt er die einzelnen Episoden aneinander und erzählt mal wehmütig und mal witzig von Wendepunkten im Leben. Jede Episode steht dabei für sich und ist doch Teil des Ganzen. Dank einer stimmigen Übersetzung kann der deutsche Leser an Rachmans Wortwitz teilhaben, aber auch in die melancholischen Momente eintauchen, die Wärme seiner Erzählung spüren und seinen stillen Wahrheiten lauschen, die zwischen den Zeilen mitschwingen.

„Die Unperfekten“ – Keine sarkastische Abrechnung mit menschlichem Unvermögen, sondern eine liebevolle und wehmütige Betrachtung menschlicher Fehler. Manchmal können wir einfach nicht aus unserer eigenen Haut und stellen dann doch dann und wann fest, dass wir uns bereits gehäutet haben.

Wissenswertes

Interview mit Tom Rachman zu "Die Unperfekten".

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