3096 Tage

Autor: Natascha Kampusch
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-471-35040-9
Erscheinungsdatum (D) September 2010 Seiten 288

3096 Tage

Inhalt

Am 02. März 1998 wurde die damals zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Weg zur Schule entführt. Der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil zerrte das Mädchen in seinen weißen Lieferwagen, sperrte es in ein unterirdisches Kellerverlies in seinem Haus und hielt es wie eine Sklavin. 3096 Tage – mehr als acht Jahre – war Natascha Priklopils Gefangene, musste jederzeit für ihn verfügbar sein und wusste nie, ob sie jemals wieder lebend aus ihrem Gefängnis herauskommen würde. Priklopil hatte die uneingeschränkte Macht über Natascha, er bestimmte, wann es hell oder dunkel war in ihrem Verlies, rationierte ihre Essensportionen und sagte ihr, wann sie sich waschen durfte. Zugleich war er aber auch Nataschas einziger Vertrauter, der einzige Mensch, mit dem sie in diesen achteinhalb Jahren überhaupt Kontakt hatte.

Neben all den Demütigungen, Misshandlungen und Unterdrückungen verlor Natascha Kampusch aber nie ihre Flucht aus den Augen, die sie von Anfang an plante. Am 23. August 2006 konnte Natascha sich aus der Gewalt ihres Peinigers befreien, der sich kurz darauf das Leben nahm.
Dies ist die Geschichte von Natascha Kampuschs Entführung, ihrer Gefangenschaft und ihrer Flucht aus der Gewalt von Wolfgang Priklopil.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Als sich im Sommer 2006 eine junge Frau an die Polizei wandte und behauptete, die seit mehr als acht Jahren vermisste Natascha Kampusch zu sein, ging diese Geschichte durch sämtliche Medien. Kampuschs Entführung war eine der längsten der jüngeren Geschichte und kaum jemand hätte noch damit gerechnet, dass sie noch am Leben sein könnte. Doch Nataschas Schicksal, das unsägliche Martyrium, das sie in der Gewalt ihres Entführers hatte erleiden müssen, interessierte damals nur sekundär. Es waren vielmehr eine unglaubliche Sensationsgier und ein schnöder Voyeurismus, die viele Menschen seinerzeit an den Tag legten. Der Mensch Natascha Kampusch wurde oftmals überhört, was sie von der Zeit ihrer Gefangenschaft und insbesondere vom Verhältnis zu ihrem Entführer Wolfgang Priklopil erzählte, stieß vielerorten auf Unverständnis. „3096 Tage“ scheint nun ihr Versuch zu sein, doch noch angehört zu werden, die Chance zu bekommen, ihre Geschichte so zu erzählen, wie sie sich für ihr Empfinden zugetragen hat.

Auch wenn es sicherlich genügend Leser geben wird, die aus Sensationslust zu diesem Buch greifen, ist es doch in erster Linie Natascha Kampuschs Geschichte, die hier interessiert. Offen erzählt sie von ihrer nicht einfachen Kindheit, von der Trennung ihrer Eltern und dem Gefühl, als Kind nie ganz gewollt gewesen zu sein. Sie schildert die Umstände ihrer Entführung, die erste Zeit der Gefangenschaft, als sie noch hoffte, der Täter würde sie wieder freilassen. Dann beschreibt sie die zunehmenden körperlichen und seelischen Misshandlungen und ihre eigenen Strategien, während dieser Zeit zu überleben. Sie setzt sich offen mit ihrem Verhältnis zu Priklopil auseinander und erzählt, wie es ihr gelang, ihn immer wieder in Schach zu halten und am Ende zu entkommen.
„3096 Tage“ ist Teil des Aufarbeitungsprozesses einer jungen Frau, die sich trotz fürchterlicher Erlebnisse nicht brechen ließ und die nun versucht, ein annähernd normales Leben zu führen – nicht mehr und nicht weniger.

Mit an diesem Buch beteiligt waren die Ghostwriterin und Lektorin Heike Gronemeier und die Politikwissenschaftlerin, Buchautorin und Journalistin Corinna Milborn.


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