Gormenghast - Der junge Titus

Titus Groan

Gormenghast - Der junge Titus

Autor Mervyn Peake Genre Fantasy
Verlag Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-93921-7
Übersetzung Annette Charpentier   
Erschienen 1946  Seiten 610

Inhalt

Die altehrwürdigen Mauern des Schlosses Gormenghast beherrschen die Landschaft. Das Leben der herrschenden Familie Groan findet hier scheinbar abgeschieden von der Außenwelt statt. Nur einmal im Jahr kommen die Schnitzer, Meister ihres Fachs, in den äußeren Hof und wetteifern, wer die schönste Skulptur erschaffen hat. Das von strengen Ritualen geprägte Schlossleben kommt in Bewegung, als der Herrscherfamilie der siebenundsiebzigste Lord Groan geboren wird - Titus Groan verändert alles. Lord Sepulchrave hat endlich einen Erben. Er ahnt nicht, dass sich in den alten Gemäuern noch ein anderer Junge aufgemacht hat, die Herrschaft zu erlangen. Steerpike, der Küchenjunge, hungert nach Macht und Einfluss und während der kleine Titus Tag um Tag älter wird, steigt er durch List, Tücke und Verrat von einem Niemand zu einem Jemand in der strengen Rangordnung von Gormenghast auf. Eine ungeplante Veränderung mit ungeahnten Folgen.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 3 von 5 Bs Zu einer Zeit, als J.R.R. Tolkien Hobbits, Elben, Zwerge und Menschen auf die Reise zur Zerstörung des einen Rings schickte, machte sich ein anderer Autor auf, der Welt einen ganz und gar anderen Entwurf fantastischer Literatur zu hinterlassen: Mervyn Peake. Der in China geborene britische Schriftsteller und Illustrator hatte die Geschichte von Gormenghast und seinen illustren Bewohnern auf mehrere Bände angelegt, konnte aus gesundheitlichen Gründen jedoch nur drei Bände ganz zu Ende schreiben. Band 4 blieb unvollendet. Obwohl Tolkien letztlich mit seiner Geschichte die überwiegende Gunst der Leser gewann, gilt auch „Gormenghast“ heute als wichtiges Werk der Fantasyliteratur, das mit seinen Ideen nachfolgende Autoren nicht unwesentlich beeinflusste. Peakes Schloss ist nicht nur Hauptspielort der Handlung, sondern in sich fast selbst einer der Hauptfiguren der Geschichte. Die Beschreibungen von endlosen Zimmerfluchten, Gängen, Stockwerken und Gebäudeflügeln lassen „Gormenghast“ zu einer Welt werden, die Teil unserer Wirklichkeit ist und doch dieser ganz und gar entrückt scheint. Mervyn Peake bevölkert diese mit skurrilen, verschrobenen und teils auch grotesk überzeichneten Figuren, die in einem strengen Korsett von undurchdringlichen und wahnwitzigen Ritualen Jahr um Jahr abgeschieden von der Umwelt leben. Allem haftet eine morbide Düsternis an. In „Der junge Titus“ führt Peake den Leser in seine Welt ein, beschreibt ausführlich und in einer ausgefeilten, bildhaften Sprache das Leben in und die Bewohner von Gormenghast. Stück für Stück tauchen Lord Sepulchrave, Steerpike, Lady Gertrude, Fuchsia, Flay, Nannie Slagg und die anderen aus der Dunkelheit auf. „Gormenghast – Der junge Titus“ ist ein Buch der feinen Details und nicht einer rasant und mitreißend erzählten Geschichte. Mervyn Peake hat seinen Schwerpunkt ganz auf die ausgefeilte Beschreibung von Dingen und Personen, die Ausleuchtung von einzelnen Szenen, und nicht so sehr auf eine sich zügig fortentwickelnde Handlung gelegt. Das fasziniert in einzelnen Sequenzen insbesondere aufgrund der sprachlichen Finesse des Autors, sobald man sich nach der ausschweifenden Einführung in die Geschichte eingefunden hat, bedeutet jedoch auch eine Langmütigkeit in der Abfolge der Geschehnisse, die den Lesegenuss trübt. Zuweilen wünscht man sich sehnlichst, dass sich das Ganze flotter und spannender entwickelt und weniger in Einzelheiten verliert.

Wissenswertes

Die Geschichte um die Bewohner des Schlosses Gormenghast wurde 2010 und 2011 von Klett-Cotta erneut aufgelegt:

Die komplette Geschichte umfasst folgende Bände:

Band 1:
Gormenghast - Der junge Titus
Band 2:
Gormenghast - Im Schloss
Band 3:
Gormenghast - Der letzte Lord Groan
Band 4:
Gormenghast - Titus erwacht

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