Gesichertes

Gesichertes

Autor Hanna Lemke Genre Kurzgeschichten
Verlag Antje Kunstmann
ISBN 978-3-88897-642-1
Erscheinungsdatum (D) März 2010   Seiten 189

Inhalt

In ihrem Debüt „Gesichertes“ erzählt Hanna Lemke vom unbeständigen Lebensgefühl einer Generation Ende 20. Nomadenhaft bewegen sich die Protagonisten in 17 Stories durch Großstädte, das urbane Nachtleben, WGs und wechselnde Lebenslagen. Nichts ist mehr gewiss – weder die Liebe noch das Existenzminimum. Verworrene Gefühle, Scharfe Beobachtungen und Situationen in Schieflage kreisen um die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die nur einen gemeinsamen Nenner zu haben scheinen - ihre Unverbindlichkeit und das Streben nach ungebundener Verwirklichung.

Im ersten Kapitel begegnen wir Holm, einem bizarren älteren Ladenbesitzer, der seinen Wohnraum auf die Verkaufsfläche ausgeweitet hat. Man weiß nicht so recht, was dort verkauft wird und warum er eine Aushilfe braucht, die ihn nach seinen nächtlichen Streifzügen durch die Stadt empfängt und den Laden auch jenseits der Geschäftszeiten hütet. Libbet verirrt sich im eigenen Viertel und braucht eine führende Hand, die sie in ihrer Orientierungslosigkeit erdet um den Weg zur heimischen WG wieder zu finden. Jockel mag Iris mehr als ihr lieb ist. Doch Iris hat sich bereits samt Ehemann, Kind und Designerwohnung im Familienleben eingerichtet und hofft noch ein wenig Platz für ihre Leidenschaft, die Fotografie, zu haben. Die alten Schulfreunde realisieren bei einem Wiedersehen, dass sich ihre Wege getrennt haben und sie sich fremd geworden sind. Das unausweichliche Sich-zufrieden-geben wird zu einer der tristen Erkenntnisse im Parcours der unerfüllten Träume.

Buchkritik von David Recordon

David vergibt 4 von 5 Bs Die skizzierten Charaktere werden in „Ungesichertes“ en passant gestreift. Hanna Lemke konzentriert in einer klaren und schmucklos verdichteten Sprache das Dilemma einer Generation, die sich auf experimentellen Wegen selbst sucht. Doch so ungewöhnlich die beschriebenen Eigenarten der einzelnen Akteure auch sind, erscheint das Setting um sie ein wenig fad. Wer spannende Rahmenhandlungen sucht, wird in diesem Kurzgeschichtenband eher enttäuscht, wenn er sich mit den ruhigeren Introspektionen nicht alleine begnügen kann.
Ein kluges, aber auch ein kühles Buch. Emotionen werden durch die distanziert beobachtende und miterlebende Ich-Erzählerin eher zwischen den Zeilen hervorgerufen. Eine Welt voller Rätsel wirft Lemke im Universum ihres Erstlingswerks auf. Die unvorhersehbaren Wendungen ergeben sich beiläufig und überraschen pointiert bei der Lektüre. Zugleich lassen diese Momentaufnahmen den Leser im Dunkel über die Details und geleiten ihn in seine eigene Ratlosigkeit, die sich im Zyklus von „Ungesichertes“ widerspiegelt. Ob am Ende ein Hoffnungsschimmer aufblitzt oder alles im Schwebezustand verharrt, sei dem Leser durch seine Imagination überlassen, mit der er die vielen bewussten Lücken füllt. Max Frisch sagte treffend:„Schreiben heißt weglassen“. Dies ist Hanna Lemke in ihrer behutsamen Bestandsaufnahme eindrucksvoll gelungen.

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