Die Legende von Sigurd und Gudrún

The Legend of Sigurd und Gudrún

Die Legende von Sigurd und Gudrún

Autor J.R.R. Tolkien Genre Gedichtband
Verlag Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-93795-4
Übersetzung Hans-Ulrich Möhring Erscheinungsdatum (D) August 2010   
Erschienen 2009  Seiten 560

Inhalt

Der Autor und Professor für Englische Sprache J.R.R. Tolkien lieferte für viele schreibende Kollegen mit seinem Epos „Der Herr der Ringe“ und seinem Buch „Der Hobbit“ die Inspirationsquelle für neue phantastische Geschichten. Doch was waren Tolkiens Inspirationsquellen? Auch er hat seine Sagenwelt nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern sich von anderen Geschichten inspirieren lassen. Eine Quelle, die für sein Schaffen prägend war, ist die nordische Sagenwelt und darin die Legende von Sigurd und Gundrún. In der Älteren Edda und der Lieder-Edda fand Tolkien Motive, die ihn nicht mehr losließen und die seine Arbeit nachhaltig beeinflussten. Sein Interesse an den nordischen Götter- und Heldenliedern ging sogar so weit, dass er jenen Teil, den wir heute als Nibelungen-Sage kennen, in einer neuen Sprache nacherzählte. Dank Tolkiens Sohn Christopher liegt nun diese Interpretation vor. Sich an der alten Dichtung orientierend hat J.R.R. Tolkien die Kerngeschichte des Nibelungenliedes herausgeschält und neu erzählt.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 4 von 5 Bs Christopher Tolkien, der dritte Sohn Tolkiens, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die noch unveröffentlichten Schätze aus dem schriftlichen Nachlass seines Vaters zu bergen und nach und nach so aufzubereiten, dass die herausgegeben werden können. Mit „Die Legende von Sigurd und Gudrún“ erblickt nun eine weitere dieser postum veröffentlichten Arbeiten das Licht der Welt und führt den geneigten Leser zu den Wurzeln von J.R.R. Tolkiens Inspirationsquellen. Christopher Tolkien arbeitet in seinen Kommentaren heraus, wie sein Vater seit jeher von der nordischen Sagenwelt mit ihren Göttern und Helden fasziniert war und wie detailliert sich der Sprachwissenschaftler mit der Sprache und den Ursprüngen der überlieferten Sagen und Lieder auseinandergesetzt hatte. Wort für Wort hat Tolkien analysiert, historischen Veränderungen nachgespürt und seine Ergebnisse und Einschätzungen schließlich in die Nacherzählung der Legende von Sigurd und Gudrún, der Kerngeschichte der Nibelungensaga, einfließen lassen. Tolkiens „neues Wölsungenlied und „neues Gudrúnlied“ folgen den metrischen Gesetzmäßigkeiten der alten Dichtkunst und wagen doch eine zeitgemäßere Sprache. Ein spannendes linguistisches Experiment, das in seinem Ergebnis ein sprachlich kraftvolles Leseerlebnis ist. Dennoch ist „Die Legende von Sigurd und Gudrún“ für die breite Masse der Tolkien-Leserschaft nur bedingt zu empfehlen. Wer sich nicht für die sprachwissenschaftliche Arbeit des Autors oder die Einzelheiten der germanischen Sagenwelt interessiert, wird insbesondere die flankierenden Kommentare und Erläuterungen Christopher Tolkiens zur Geschichte und Veränderung der Edda ermüdend finden. Wer kein weiterführendes Faktenwissen hat, wird sich mit dem Einfinden in den Sagenstoff in der dargebrachten Form schwer tun. All jene, die jedoch Interesse daran haben, wie sich Märchen und Sagen über die Jahrhunderte hinweg durch Weitergabe von Mund zu Mund oder die Interpretation früherer Chronisten verändern oder jenseits aller sprachwissenschaftlichen Ansätze einfach Freude an einer in Versform erzählten, fesselnden und tragischen Heldengeschichte haben, sei dieses neue Buch aus dem Hause Tolkien ans Herz gelegt.

Wissenswertes

Herausgegeben von Tolkiens Sohn Christopher Tolkien. Der reich kommentierte Band gibt Tolkiens Originalverse neben der deutschen Übersetzung wieder.

Unsere Kritik zu Tolkiens "Der Herr der Ringe" findet ihr hier.

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