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Kommende Buchkritiken
Requiem für einen Hund
|
Autor
Daniel Kehlmann, Sebastian Kleinschmidt
Genre Erlebnisbericht
Verlag Rowohlt ISBN 978-3-499 -25416-1 Erscheinungsdatum (D) Mai 2010 Seiten 140 |
Inhalt
„Requiem für einen Hund“ lautet der Titel des ersten Gesprächsbandes, der ein aufgezeichnetes Treffen zwischen dem erfolgsverwöhnten Romanautoren Daniel Kehlmann und Sebastian Kleinschmidt, dem Herausgeber der Zeitschrift „Sinn und Form“ beinhaltet. In einem langen Interview tauschten sich die beiden im Februar 2008 über existenzielle philosophische Fragen und kulturelle Ästhetik aus, aber auch das Leben und Schreiben als Schriftsteller aus Kehlmanns Sicht kommt nicht zu kurz. In dem schmalen Bändchen finden sich weniger tierische Anekdoten als der Titel vermuten lässt. Vielmehr war Nuschki, der mittlerweile verstorbene Hund Kehlmanns, die auslösende Instanz für die Namensgebung, da dieser treu den Gesprächen der beiden Herren unter dem Tisch lauschte. Dennoch kommen die beiden Kulturschaffenden auf köstliche Art und Weise über die Perspektiven von Katz und Hund auf den Menschen zu sprechen oder diskutieren inwieweit Insekten eine nicht zu unterschätzende Rolle in Romanen einnehmen können. In den zwölf Kapiteln werden Gottes Humor, historische Genies wie Gauß oder Humboldt und ihre Eigenarten genauso verhandelt wie die Charakterschwächen von Schauspielern und die unausweichliche Endlichkeit des menschlichen Lebens. Gegen Ende werden die Themen etwas persönlicher. Kehlmann erzählt aus seiner Kindheit in Wiener Theaterkreisen, den Einsichten aus seiner Studienzeit an der Wiener Fakultät für Philosophie und Germanistik und seinem Verhältnis zum Ruhm, dem er mit Selbstironie entgegnet um nicht abzuheben.
Buchkritik von David Recordon
In einem erfrischend humorvollen Ton und scharfsinnigen Beobachtungen warten die beiden Intellektuellen mit vielerlei Schätzen ihrer eigenen Lektüre- und Lebenserfahrung auf. Hegel, Kant, Schoppenhauer, V.S. Naipaul, Kraus, Goethe sind nur einige geistige Größen auf die man während des Zwiegesprächs der beiden trifft. Einblicke in die ganz persönliche Vita des preisüberschütteten Erfolgsautors Daniel Kehlmann runden die letzten Kapitel des Buches zudem harmonisch ab.
Wir haben es in „Requiem für einen Hund“ mit zwei furchterregend belesenen Zeitgenossen zu tun, die mit klugen Anschauungen aus den Domänen Philosophie, Literatur, Kunst und naturwissenschaftlichem Diskurs auf leichte und nachvollziehbare Art den Leser unterhalten, bereichern und zum reflektieren animieren. Nun mag diese Ballung an geistiger Brillanz für den mäßig Kulturversierten vorerst abschreckend klingen, jedoch geben die zahlreichen Zitate in diesem Band eine Anregung sich näher mit einem der genannten Denker zu befassen. Außerdem gelingt es Kehlmann und Kleinschmidt zumeist einen praktischen und nachvollziehbaren Lebensbezug herzustellen, sodass kein Leser sich in diesem Gespräch ausgeschlossen fühlen muss. Wer sich also darauf einlässt, wird neben ein paar lehrreichen und außergewöhnlichen Erkenntnissen trotzdem nicht ohne ein Schmunzeln dieses Buch, das auf den Hund gekommen ist, zur Seite legen können.
Wissenswertes
Mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ gelang Daniel Kehlmann 2005 der internationale Durchbruch. Der Roman wurde in 40 Sprachen übersetzt und verkaufte sich 1,5 Millionen Mal. Auch sein aktuelles Werk „Ruhm“ hat alle Erwartungen übertroffen und macht den 35jährigen Romancier zu einer geistreichen Ausnahme im Literaturbetrieb, was die explodierende Beliebtheit seiner Bücher bei einem breiten Publikum belegt.
