Paradiso

Paradiso

Autor Thomas Klupp Genre Roman
Verlag Berliner Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-8333-0656-3
Erscheinungsdatum (D) 2009   Seiten 200

Inhalt

Alex Böhm ist auf dem Weg von Potsdam nach München. "Paradiso" spielt an an einem heißen Sommertag, der den trampenden Filmstudenten auf amüsanten und umtriebigen Irrwegen von Brandenburg in die oberbayerische Provinz führt. Neben seinen kuriosen Wegbegleitern, lernen wir in Alex einen chaotischen und bisweilen unschlüssigen Mitzwanziger kennen, der über seine sonderbaren Befindlichkeiten und den Wahnsinn des Alltags reflektiert. Je weiter Alex sich außerplanmässig seiner Heimatstadt Weiden in der Oberpfalz nähert, desto mehr pikante Einblicke erhält man in die provinzielle Vergangenheit des jungen Drehbuchautors.
Dieser hofft noch immer, mit möglichst wenig Aufwand und durch seinen exzessiven Lebensstil den großen Leinwanderfolg auf Papier zu bannen. Nebenbei versucht der Lebenskünstler verzweifelt, eine wahrhaftige Komponente in sein verworrenes Liebesleben zu bekommen. Dabei verstrickt sich Alex fortlaufend in komische Widersprüche und in ein undurchschaubares Lügengeflecht, das am Ende zu zerreißen droht.

Buchkritik von David Recordon

David vergibt 4 von 5 Bs Gleich zu Beginn von "Paradiso" wird klar, dass es sich bei Thomas Klupps Debutroman nicht um ein gewöhnliches Roadmovie in literarischer Form handelt. Denn sein Hauptprotagonist Alex ist alles andere als ein abgegriffener Charakter, den man vielleicht anfangs aus zahlreichen filmischen Vorlagen wieder zu erkennen meint. Wir haben es hier mit einem veritablen Dreckskerl mit Herz zu tun, der in seinem grenzenlosen Opportunismus schmerzlich erfahren muss, was es bedeutet, wahre Freundschaften aufs Spiel zu setzen. Für die Leser eine wahre Freude, diesem unverschämten aber auch nachdenklich anmutenden Spektakel beizuwohnen. Gegen Ende wirkt die Story in einer wahnwitzigen und rasanten Reihung von Ereignissen etwas überreizt. Der vorhergehende Plot des Romans wird gesprengt und einige persönliche Details zur Entwicklung des Helden bleiben auf der Strecke. Der letzte Part wird leider so mit bayerischem Lokalkolorit ausstaffiert, dass die Geschichte in einem verklärenden Zuckerguss zu ersticken droht und dem starken Anfang nicht ganz gerecht wird. Thomas Klupp gelingt es dennoch, einen Generationenroman zu entwerfen, der durch seinen authentischen Hauptcharakter getragen, sehr nah am Puls der Zeit ist. In seinen ironischen Ansichten entfaltet sich der verworrene Lebensentwurf eines verwöhnten Egotrippers, der die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens widerspiegelt oder besser noch - den fehlenden Mut zur Reife. Ganz nach dem Credo: Lieber noch ein Weilchen im jugendlichen Lager der Sorglosigkeiten sonnen, statt sich den anstrengenden Herausforderungen des Lebens zu stellen.

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