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Kommende Buchkritiken
Fallers große Liebe
|
Autor
Thommie Bayer
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05356-3 Erscheinungsdatum (D) April 2010 Seiten 200 |
Inhalt
Alexander ist ein passionierter Literaturkenner, der im realen Leben jedoch gestrandet ist. Mit seinem antiquarischen Buchladen hält er sich geradewegs über Wasser. Sein Leben liegt nach einer kürzlichen Trennung in Trümmern. Eines Tages tritt Marius Faller, ein begüteter Buchliebhaber in sein Leben, der ihm seine hochkarätige Bibliothek mit erlesenen Bänden zum Kauf in Aussicht stellt. Alexander ist beeindruckt von den literarischen Schätzen und deren Besitzer. Zu allem Überfluss staunt der Buchhändler nicht schlecht, als er ein großzügiges Angebot bekommt, den belesenen Geschäftsmann für einige Tage quer durch die Republik zu chauffieren. Die beiden begeben sich auf eine Reise, auf der Alexander mehr von der bewegten Vergangenheit seines neuen Chefs erfahren wird. In Gesprächen und während den allabendlichen exzessiven Weindegustationen kommen sich zwei ungleiche Männer unterschiedlicher Generationen näher, die anfangs nur ihre Liebe zur Literatur zu verbinden scheint. Alexander ist ein nachdenklicher Mitdreißiger, der seine momentane Sinnkrise pflegt und sich durch Fallers Lebens- und Liebesgeschichte inspiriert, die Frage nach der wahrhaftigen Liebe zu einer Frau seiner Vergangenheit stellen muss. Er ist förmlich in den Bann des charismatischen Immobilienmagnaten gezogen, der noch immer leidenschaftlich von seiner großen Liebe erzählt. Im Verlauf der Reise tun sich um die Liaison
Fallers anrührende und schicksalhafte Abgründe auf, denen Alexander nachspüren wird.
Buchkritik von David Recordon
„Fallers große Liebe“ ist alles andere als ein Liebesroman im klassischen Sinne. Vielmehr eine rückblickende Geschichte, die meisterhaft beschreibt, wie zwei Männer in unterschiedlichen Lebensphasen mit der Erfahrung dieses stärksten aller Gefühle auf ihre Art und Weise umgehen.
Thommie Bayer entführt den Leser auf die Spuren nach Fallers hingebungsvoller Liebe zu einer ungewöhnlichen Frau. Dem Autor gelingt es in wohl dosierten Perspektivwechseln nur soviel von dieser Beziehung preiszugeben, dass man nach der Lektüre, im wahren Leben, nur zu gerne einmal dieser Dame auf einen Kaffee begegnen möchte. Auf den Zwischenstopps in mondänen Hotels entflieht der Büchernarr Alexander in seine Reiselektüre und gibt sich fieberhaften Visionen seiner eigenen Jugendliebe hin. In behutsamer Manier entfaltet Thommie Bayer zwischen den Hauptprotagonisten durch spannungsgeladene Dialoge vielschichtige und tiefgreifende Porträts, die die besonderen Eigenarten der beiden Männer plastisch an die Oberfläche befördern. Umspielt werden diese amüsanten und klugen Gespräche durch die inneren Vorwürfe und zahlreichen Irrtümer, denen Alexander in seinen Mutmaßungen zum Mysterium Faller aufliegt. Die nachhaltig prägende Begegnung der beiden bestärkt den Lebenshunger des jungen Buchhändlers. Nicht zuletzt steht für den Leser wie für Alexander die bereichernde Erkenntnis, dass einem die Welt zwischen den Buchdeckeln nicht alleine verlässliche Realitätsfluchten und Gefährten aus Papier und Tinte eröffnen kann.

