Auch wenn wir Verdammte sind

Aunque seamos malditas

Auch wenn wir Verdammte sind

Autor Eugenia Rico Genre Roman
Verlag Hoffmann & Campe
ISBN 978-3-455-40281-0
Übersetzung Sybille Martin Erscheinungsdatum (D) 01.09.10   
Erschienen 2008  Seiten 462

Inhalt

Ainur, die von ihrem Vorgesetzten, einem angesehenen Bürgermeister vergewaltigt wurde und den Prozess gegen ihn gewann, flüchtet sich in ein kleines Dorf an der spanischen Küste. Zum einen versucht sie den Morddrohungen und tätlichen Angriffen des Bürgermeisters und seiner Schergen zu entfliehen, zum anderen möchte sie sich voll und ganz auf ihre Doktorarbeit über Selene, die Heilerin, die als Hexe verurteilt wurde, konzentrieren. Im 17. Jahrhundert lebte Selene in genau diesem Dorf und wurde aufgrund ihrer Andersartigkeit und ihres Aussehens als Hexe verfolgt. Auf eigentümliche Weise fühlt sich Ainur mit Selene verbunden, denn auch sie wird verfolgt und fühlt sich als Außenseiterin.

Ringsherum schlägt der rothaarigen Ainur nur Misstrauen entgegen, lediglich der Bewohner des Leuchtturms scheint es ehrlich mit ihr zu meinen. Der Liebesrausch, in dem Ainur sich befindet, wenn sie mit diesem Mann zusammen ist, gleicht dem Strudel, der sie immer weiter hineinzieht in Selenes Geschichte. Als dann eines Tages Ainurs Geliebter spurlos verschwindet und dafür ein Mann in ihr Leben tritt, den sie Herr der Dunkelheit nennt, scheint es für Ainur kein Entkommen mehr aus dieser dunklen Geschichte zu geben…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Was in Eugenia Ricos Roman „Auch wenn wir Verdammte sind“ von Anfang an hervorsticht ist die Tatsache, wie wenig sich im Lauf der Jahrhunderte doch an der Situation der Frauen in unserer Gesellschaft verändert hat. Auch wenn wir denken, heutzutage so aufgeklärt und tolerant zu sein, zeigt uns doch Ainurs Geschichte, dass es auch heute noch Hexenverfolgung gibt. Zwar verläuft diese an der Oberfläche zivilisierter als im 17. Jahrhundert, nichtsdestotrotz ist es nach wie vor so, dass Menschen – und vor allem Frauen – aufgrund ihrer Andersartigkeit ausgegrenzt werden. Im Falle der Protagonistin Ainur geschieht diese Ausgrenzung auf äußerst subtile und dramatische Art und Weise, denn obwohl das Recht auf ihrer Seite steht, ist sie doch für die Bewohner des kleinen Dorfes eine Rothaarige, von der nichts Gutes zu erwarten ist.

Es fällt – vor allem aus weiblicher Sicht – äußerst schwer, bei der Lektüre dieses erschütternden Romans seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Was Ainur widerfährt ist derart ungerecht und grausam und zugleich auch irgendwie vertraut, denn immer wieder erlebt man eine gewisse Art von Ausgrenzung ja selbst, wenn man nicht bereit ist, gesellschaftskonform zu leben. Auf äußerst sensible Weise gelingt es der spanischen Autorin Eugenia Rico, die Seelenqualen zweier Frauen zu schildern, die durch beinahe vier Jahrhunderte getrennt und einander doch so nahe sind. Gleichzeitig überzeugt sie durch ein gekonntes Spiel mit den unterschiedlichen Genres.
„Auch wenn wir Verdammte sind“ ist ein ungewöhnlicher und zutiefst berührender Roman, der seine Leser mit einem außergewöhnlichen Ende überrascht.

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Kommentare


Kommentare

Thomas schreibt am 10.10.10, 23:02
Viel mehr als nur ein Buch. Eine Erzählung, die mich nachdenklich, wütend und glücklich gemacht hat. Zugleich spannendes authentisches Erlebnis und am Ende ein Stück grosser Auch wenn wir Verdammte sind Lebenserfahrung. Mehr kann man von guter Literatur nicht erwarten. Ich hoffe, von dieser jungen spanischen Autorin bald mehr zu bekommen.
Kerstin Lorenz schreibt am 10.10.10, 21:22
Ein grossartiges Buch! Spannendes Lesevergnügen, man kann es kaum zur Seite legen. Sehr zu empfehlen!
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