27

Autor: Kim Frank
Genre: Roman
Verlag: rororo
ISBN: 978-3499215773
Erscheinungsdatum (D) 02.05.11 Seiten 288

27

Inhalt

Mika ist ein Teenager wie jeder andere, als ihn plötzlich die Angst ergreift, mit 27 sterben zu müssen. Er wird, dem ist er sich plötzlich ganz sicher, zum legendären ‚Klub 27‘ gehören – wie Janis Joplin, Curt Cobain und viele andere Größen des Musikbusiness. Obwohl es eigentlich nicht zu seinem Lebensplan gehörte, wird er tatsächlich zum Rockstar, als er von einem Manger entdeckt und zum Frontmann einer erfolgreichen Band erklärt wird. Es dauert nicht lange, da gehört er zu den ganz Großen. Jeden Morgen wird er von einem Telefonanruf in seinem Hotel geweckt: Sein Manager gibt ihm Ort und Zeit durch – Details, die Mika in seinem Leben als Rockstar immer wieder vergisst. Sein Leben ist zu turbulent, zu stark von Reisen, Gigs und schwindelerregendem Drogenkonsum geprägt. Erst nach vielen Jahren wird er aus dem Strudel herausgerissen - von Clara, seiner großen Liebe. Doch zu diesem Zeitpunkt steht Mika bereits kurz vor seinem 27. Geburtstag und die Angst, bald zu sterben wird immer größer…

Buchkritik von Kathrin  Lang

Kim Frank, mit 17 Jahren eroberte er mit seiner Band Echt und der Single „Alles wird sich ändern wenn wir groß sind“ die Charts, berührte abertausende von Teenagerherzen mit „Weinst du“. Zum damaligen Zeitpunkt weiß er noch nicht, wie sich alles ändern wird, wenn er tatsächlich mal groß ist. Heute ist Kim Frank nicht mehr nur ehemaliger Frontmann einer einst erfolgreichen Band, sondern hat auch eine Solokarriere hinter sich, arbeitet als Schauspieler, Sprecher, Fotograf und dreht Musikvideos. Im Frühjahr 2011 fügt er dieser langen Kette nun noch den Autor hinzu.

Mit „27“ veröffentlicht Kim Frank seinen Debütroman – über Mika, einen Teenager, der mit seinem Leben nichts anzufangen weiß und dann plötzlich über Nacht zum Rockstar wird. Schon bevor all dies passiert weiß Mika jedoch, dass er mit 27 Mitglied des ‚Klub 27‘ werden wird. 27, genau jenes mysteriöse Alter, in dem Curt Cobain, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und viele weitere Rockstars von uns gingen. Insofern ist der Verlauf von Kim Franks Geschichte von Anfang an vorgegeben. Spannend ist das ebenso wenig wie einfallsreich. Dennoch handelt „27“ Fragen ab, die uns alle auf die ein oder andere Weise beschäftigt: Was mache ich aus meinem Leben? Wie schaffe ich es auch nach meinem Tod „gewesen zu sein“? Bei Kim Frank klingt das so:

„Der Jubel des Publikums, ihre Schreie, die Hitze ihres Körpers, die Ekstase in ihren Adern… Sie sind der Beweis, dass ich existiere. […] Die Zuschauer meines eigenen bizarren Schauspiels, in dem ich Komiker und Tragödienspieler zugleich bin. Bis der Vorhang fällt. Und er wird fallen und mich unter sich begraben. Doch ich war, werden sie sagen. Ich werde gewesen sein.“

Wenngleich man Mika im ersten Teil des Romans, in dem er ein Teenager ist, wie wir es auf irgendeine Weise alle waren, besser verstehen kann als im zweiten Teil, der Mikas seelischen Auf- und Abstieg als Rockstar nachzeichnet, liefert „27“ eine Geschichte, der man sich als Voyeur nur schwer entziehen kann: Einmal wissen, wie es sich anfühlt, wie es ist, das Leben zwischen „Sex, Drugs and Roch’n’Roll“. Obwohl es Kim Frank gut gelingt dieses Gefühl zu transportieren, bleibt „27“ im Handlungsverlauf jedoch immer sehr klischeebeladen. Denn das Leben eines Rockstars ist, so macht es „27“ zumindest glauben, genauso wie man es sich vorstellt. Mika verliert sich in Drogen, wilden Partys, vertreibt sich die Zeit mit heißen Frauen und schwindelerregenden Gigs auf der Bühne. Losgelöst, irgendwie nicht von dieser Welt: „27“ verliert immer mehr die Bodenhaftung und steuert ungeniert auf ein melodramatisches Ende zu, das logische Konsequenz des Gesamtkonzepts des Buches ist.

Das Talent zum Schreiben ist zweifelsfrei da: Immer wieder webt Kim Frank emotionsgeladene Szenen in sein Buch ein, die den Leser mit all ihrer Kraft erreichen und ihn an das Buch binden. Frank ist gerne dramatisch, melancholisch, stark emotional und trifft mit so mancher Passage voll ins Schwarze. Dennoch mag die Story seines Debütromans nicht so ganz überzeugen. Wo die Reise hinführt weiß der Leser noch vor der ersten Seite, alle anderen Handlungsverläufe strotzen vor Klischees und gestalten sich im Erzählfluss als wenig einfallsreich. „27“ ist kein bahnbrechender Start in Kim Franks Autorendasein, dafür aber dennoch ein ernst zu nehmender Schritt dahin. Mit einfallsreicherer Story im Folgeroman könnte sich dieser sicherlich zu einem Erfolg mausern.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen