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Kommende Buchkritiken
Tagebuch eines Mörders
Mordets praktik
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Autor
Kerstin Ekmann
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05427-0 Übersetzung Hedwig M. Binder Erscheinungsdatum (D) 24.02.11 Erschienen 2009 Seiten 245 |
Inhalt
Der Stockholmer Arzt Pontus Revinge ist ein aufrichtiger Bewunderer des schwedischen Schriftstellers Hjalmar Söderberg. Er ist der festen Überzeugung, ihm einst eine wichtige Inspiration zu einem Roman geliefert zu haben. Damals sprachen die beiden, die einander gänzlich unbekannt waren, über die Möglichkeit, einen Menschen mithilfe von Zyankali zu töten. Pontus erklärte damals, das sei die sicherste Methode, die keinen Verdacht erregen würde.
Am 06. April 1919 fügt Pontus Revinge seinen an Hjalmar Söderberg adressierten Aufzeichnungen letzte Ergänzungen hinzu. In seinen Tagebucheinträgen berichtet er davon, wie er seinen damaligen Arbeitgeber Johannes Skade, den er zutiefst verachtete, mittels Zyankali ermordete und danach dessen Witwe Elsa heiratete, um so die Arztpraxis weiterführen zu können. Er erzählt von der unerfüllten Liebe zu seiner jugendlichen Stieftochter Frida, die für ihn Reinheit und unberührte Schönheit darstellte. Und er schildert seine Verachtung für seine Ehefrau und den immer brennender werdenden Wunsch, sie loszuwerden.
Mit diesen Aufzeichnungen aber bringt Pontus einen Stein ins Rollen, der die Obduktion von Johannes Skade zur Folge haben könnte…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Pontus Revinge ist ein Mörder – doch sieht er sich selbst keinesfalls als solcher. Geschickt lässt die schwedische Autorin Kerstin Ekman eine Figur vor unseren Augen entstehen, die uns gleichermaßen fasziniert und abstößt. Sie erzählt die Geschichte eines Verblendeten, der sich keiner Schuld bewusst ist, dem es immer wieder gelingt, seine Taten vor sich selbst zu rechtfertigen. Gelingt es Pontus zu Beginn noch, gewisse Sympathiepunkte auf seinem Konto zu verbuchen, wird er uns im Verlauf der Geschichte doch immer unsympathischer. Ja, am Ende kann man sich gar eines gewissen Ekels nicht erwehren. In ihrer gewohnt spröden Erzählweise lässt Ekman hier das Bild eines pädophilen Mörders entstehen, der nicht in der Lage ist, seine eigene Schuld wahrzunehmen, geschweige denn, diese einzugestehen. Pontus sieht sich lediglich als Opfer der Umstände und entwickelt sich zusehends zu einem Eigenbrötler, der in Selbstmitleid und Menschenverachtung zu ertrinken droht.
Es ist die fast schon manische Verehrung des Schriftstellers Hjalmar Söderberg, die Pontus Leben mehr und mehr bestimmt – ein Schriftsteller, der nicht einmal zu wissen scheint, dass er existiert. Gekonnt lässt die Autorin ihren Protagonisten zusehends in einer Scheinwelt versinken, die ihm die realistische Sicht der Dinge raubt. Dabei sind es vor allem die nur angedeuteten Abgründe, die beim Leser eine regelrechte Gänsehaut verursachen.
Mit „Tagebuch eines Mörders“ präsentiert uns Ekman eine düstere und seltsame Geschichte, der es zwar hin und wieder an Struktur mangelt, die aber dennoch von der ersten Seite an fasziniert.
Besucherbewertung
Kommentare
Kommentare
alma lüscher schreibt am 28.05.11, 12:41
Wie kommt die Rezensorin dazu den Arzt, den Protagonisten, Pontus Revinge einen pädophilen Mörder zu nennen. Er vergeht sich an keinem jungen Menschen. Platonisch verliebt er sich in die Stieftochter, eine Liebe zwischen Vaterliebe und Frauenliebe, getragen von einer tiefen Bewunderung und Achtung des Mädchens. Gerade dies Spannung zwischen Sehnsucht und Schüchternheit arbeitet Kerstin Eckman in ihrem Roman wunderbar heraus. Zudem überzeugt der Roman durch die gut strukturierte Form der inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen Selbstrechtfertigung und Schuldeinsicht.
Ein phantastisches Werk.
