Ehrenwort

Ehrenwort

Autor Ingrid Noll Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06760-6
Erscheinungsdatum (D) September 2010   Seiten 336

Inhalt

Der 90jährige Willy Knobel ist schon lange Witwer, lebt aber immer noch allein in seinem Haus und kann sich weitgehend selbst versorgen. Nur sein Enkel Max kommt regelmäßig beim Opa vorbei, kauft für ihn ein und erledigt die eine oder andere Kleinigkeit – vornehmlich wegen des Geldes, das Willy ihm stets bereitwillig zusteckt und bei dem sich der junge Mann auch hin und wieder mal selber bedient. Dann aber stürzt Willy Knobel eines Tages so schlimm, dass er ins Krankenhaus muss. Die Prognosen der Ärzte sind alles andere als ermutigend, sie geben dem alten Mann nur noch wenige Wochen. Max und seine Mutter Petra beschließen, Willy für diese Zeit zu sich nach Hause zu nehmen und dort zu pflegen – und das trotz der Proteste von dessen Sohn Harald. Denn schließlich sind sie sich in einem Punkt einig: Lange wird es mit Willy Knobel sowieso nicht mehr gehen.

Doch Enkelsohn Max tut alles dafür, seinen Opa wieder hochzupäppeln: Er verabreicht ihm seine ganz spezielle Vanille-Pudding-Kur, sorgt dafür, dass er genügend trinkt und sich rundum wohl fühlt. Und tatsächlich geht es dem Großvater von Tag zu Tag besser, was zu einiger Unruhe unter den restlichen Familienmitgliedern führt. So hatte man sich das schnelle Dahinscheiden des Willy Knobel keineswegs vorgestellt; Harald und Petra beginnen nun, jeder für sich, Pläne zu schmieden, wie sie den Alten ohne großes Aufsehen loswerden könnten. Währenddessen verliebt sich Max in dessen junge Pflegerin Jenny, die ihrerseits allerdings einiges zu verbergen hat.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs „Ehrenwort“ bietet erneut alles, was begeisterte Ingrid Noll-Fans so sehr an den Romanen der schwarzhumorigen Autorin lieben. Hier wimmelt es nur so von skurrilen und liebenswerten Charakteren, verkrachten Existenzen und dunklen Geheimnissen. Obwohl nie so recht klar wird, ob „Ehrenwort“ nun ein Krimi oder eher eine bitterböse Komödie ist, kann man dieses Buch, hat man erst einmal angefangen zu lesen, gar nicht mehr weglegen. Ingrid Noll bietet dem Leser Spannung, tiefschwarzen Humor und menschliche Schwächen, wie sie lebensechter nicht sein könnten. Vor allem in der messerscharfen und zugleich liebevollen Zeichnung ihrer Charaktere beweist Noll erneut ihr psychologisches Gespür und ihre immense Beobachtungsgabe. Es sind die Leute von nebenan, die dem Leser in „Ehrenwort“ ständig über den Weg laufen, diese ganz normalen Menschen, die einiges zu verbergen haben und auch nicht über die eine oder andere Gemeinheit erhaben sind.

Schonungslos lässt die Autorin ihre Leser hinter die heile Fassade einer gutbürgerlichen Familie blicken – und offenbart so manche Abgründe. Hier wird munter betrogen, gelogen, gestohlen und hin und wieder auch gemordet – so wie im wirklichen Leben eben. Wer nun in dieser „heilen“ Familie tatsächlich die Fäden in der Hand hält – wer weiß es schon?
„Ehrenwort“ ist ein vergnüglicher und zugleich auch nachdenklich stimmender Roman über das Altwerden und die Tücken des Familienlebens – ein echter Ingrid Noll eben!

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