Solar

Solar

Autor Ian McEwan Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06765-1
Übersetzung Werner Schmitz Erscheinungsdatum (D) 28.09.10   
Erschienen 2010  Seiten 405

Inhalt

Michael Beard, Nobelpreisträger der Physik, ist 53 Jahre alt und nicht eben das, was man als attraktiv bezeichnen würde. Dennoch kann sich dieser kleine, kahlköpfige und dicke Mann nicht über mangelnden Erfolg beim anderen Geschlecht beklagen. Fünfmal war Michael schon verheiratet und die vielen Affären, die er neben seinen jeweiligen Ehefrauen hatte, kann er selbst schon gar nicht mehr zählen. Auf wissenschaftlicher Ebene hingegen hat Professor Beard seine besten Zeiten längst hinter sich. Lediglich seiner beruflichen Reputation und dem Klang seines berühmten Namens hat er es zu verdanken, dass er noch zu Vorträgen eingeladen wird und Fördergelder für sein politisches Prestigeobjekt bewilligt werden. Beard hat große Pläne mit seinem Institut für Erneuerbare Energien und findet immer wieder Sponsoren, die sich von seinem hochtrabenden Auftreten blenden lassen.

Als er den Liebhaber seiner fünften Ehefrau bei sich zu Hause ertappt, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Was für Beard mit einer Katastrophe beginnt, entpuppt sich bald schon als einmalige Gelegenheit für ihn, seinen angeschlagenen Ruf zu retten. Doch da gibt es einige Risikofaktoren, die der gewitzte Professor nicht einkalkuliert hat, und die ihm alsbald schon das Genick brechen könnten…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Mit dem Nobelpreisträger Michael Beard schuf Ian McEwan einen Protagonisten, bei dem man nie so recht weiß, ob man ihn nun sympathisch oder eher abstoßend finden soll. Genauso wenig wie er selbst, kann man sich die Faszination erklären, die Beard offensichtlich auf das weibliche Geschlecht ausübt. Doch nicht nur sämtliche weibliche Protagonisten dieser Geschichte scheinen Beard zu Füßen zu liegen – auch der Leser tut das. Ohne zu zögern macht man sich mit ihm auf die Reise von London bis ins arktische Spitzbergen, folgt ihm zurück in seine britische Heimat, um ihn dann ins ferne New Mexico zu begleiten. Wenn er seine faustdicken Lügen auftischt, an die er beinahe selber zu glauben scheint, fühlt man sich unwillkürlich an den Baron von Münchhausen erinnert. Dieser Mann ist so dreist und von sich überzeugt, dass man einfach nicht anders kann, als ihn für seine Tollkühnheit zu bewundern. Auf der anderen Seite geht von ihm etwas derart Unsympathisches und Überhebliches aus, dass sich eine zunehmende Verachtung für ihn breit macht. Hier ist Ian McEwan eine wahre Glanzleistung gelungen!

„Solar“ entpuppt sich als gnadenlose Abrechnung mit Politik und Wissenschaft, die deutlich macht, dass auch im hehren Bereich der Forschung einige wenige Strippenzieher das Sagen haben. Es geht hier um die Sonnenenergie – und zugleich um noch so viel mehr. Das ewige Streben nach Ruhm, Eifersucht und Machtgier vereint McEwan in einem herrlich komischen und zugleich spannenden Roman, der auf ironische Art und Weise höchst moralische Fragen behandelt.

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