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Kommende Buchkritiken
Finsteres Glück
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Autor
Lukas Hartmann
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06759-0 Erscheinungsdatum (D) September 2010 Seiten 305 |
Inhalt
Eliane Hess ist Psychologin und in einer Klinik tätig. In der Nacht der totalen Sonnenfinsternis, am 11. August 1999, wird sie mit einem äußerst tragischen Fall konfrontiert: Der achtjährige Yves wurde nach einem katastrophalen Autounfall eingeliefert. Er war zusammen mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern im Elsass, um das Naturschauspiel zu verfolgen. Auf dem Rückweg raste das Auto in eine Tunnelwand – Yves Eltern und seine Schwester waren sofort tot, sein Bruder Maurice stirbt kurze Zeit später im Krankenhaus. Nur Yves ist wie durch ein Wunder nur leicht verletzt und steht nun unter Schock. Eliane findet im Krankenbett einen Jungen vor, der in nervöser Eile erzählt und erzählt und nicht mehr aufhören möchte zu reden. Nur das wesentliche Ereignis scheint er vollends ausgeblendet zu haben. Während Tante und Großmutter des Jungen sich einen erbitterten Streit um dessen zukünftigen Aufenthaltsort liefern, beginnt Eliane Nachforschungen über Yves’ Familie anzustellen, ist sie doch vom Schicksal des kleinen Jungen gleichermaßen erschüttert und fasziniert.
Nach und nach entsteht das Bild einer zerrütteten Familie, die zwangsläufig auf eine Katastrophe zusteuerte. Doch bald schon wird für Eliane die Frage, ob Yves’ Vater mit Absicht in die Tunnelwand raste, zweitrangig. Es wird für sie immer schwieriger, die professionelle Distanz zu Yves zu wahren, vor allem, als der den Wunsch äußert, bei Eliane leben zu dürfen. Die Entscheidung, die sie daraufhin fällt, soll nachhaltige Folgen für ihr Leben und das ihrer beiden Töchter haben…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Lukas Hartmann entwirft in „Finsteres Glück“ mit einem sehr feinen und tiefsinnigen Gespür für Nuancen das Psychogramm einer aus der Bahn geworfenen Familie, deren Schicksal weitreichende Folgen für eine andere Familie haben soll. Vor allem die Figur des kleinen Yves fasziniert den Leser, ebenso wie die Protagonistin Eliane, von der ersten Sekunde an. Hartmann versteht es, die absolute Seelenqual eines von seiner ganzen Familie verlassenen Kindes sensibel aufzuzeigen und so eine zutiefst glaubwürdige Figur zu zeichnen. Yves’ Trauma, seine innere Pein und das abgrundtiefe Verlassenheitsgefühl werden mehr und mehr spürbar und lassen den Leser nicht mehr los. Doch auch alle anderen Charaktere dieser tragischen Geschichte sind durch ihren großen Facettenreichtum absolut glaubwürdig – Hartmann lässt keine Schwarz-Weiß-Malerei zu, sondern setzt sich intensiv mit den Figuren und ihren Beweggründen auseinander.
„Finsteres Glück“ setzt sich mit elementaren menschlichen Empfindungen auseinander, mit Geborgenheit und Verlust. Zugleich lässt den Leser die Frage danach, was denn nun wirklich geschah, in dieser Nacht der Mondfinsternis, nie richtig los. Bis zum Schluss versteht es der Autor, die Spannung zu halten und zugleich eine innige Verbundenheit mit dem traumatisierten Yves zu wecken. „Finsteres Glück“ ist ein berührender und packender Roman, mit dem Lukas Hartmann erneut sein großes erzählerisches Können unter Beweis stellt.

