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Kommende Buchkritiken
Die Lügen, die wir erzählten
What I Saw and How I Lied
|
Autor
Judy Blundell
Genre Jugendbuch
Verlag Ravensburger ISBN 978-3-473-35330-9 Übersetzung Mirjam Pressler Erscheinungsdatum (D) 01.10.10 Erschienen 2008 Seiten 284 |
Inhalt
USA, 1947. Endlich ist der furchtbare Krieg vorbei und das Leben kann wieder so verlaufen, wie das in den Augen eines fünfzehnjährigen Mädchens normal ist. Evie verzehrt sich beinahe vor Sehnsucht nach den „normalen“ Dingen des Lebens: Lippenstift, schöne Kleider, tolle Frisuren – und natürlich nach der großen Liebe ihres Lebens. Doch wenn Evie ihre wunderschöne Mutter, die wie ein Hollywood-Star aussieht, anschaut, fühlt sie sich selbst nur unscheinbar und hässlich. Auch wenn Joe, ihr vergötterter Stiefvater ihr immer wieder beteuert, wie hübsch sie doch sei, fühlt Evie sich in ihren Mädchenkleidern doch nur wie ein Kind und nicht wie die junge Frau, die sie eigentlich sein will. Sie lebt mit ihrer Mutter und Joe im Haus von dessen Mutter, die Evie Grandma Glad nennen muss und die nichts weiter als ein missgünstiger alter Drachen ist.
Doch dann kommt der Tag, der Evies Leben verändern soll, der Tag, an dem Joe beschließt, mit seiner schönen Frau und seiner Stieftochter nach Florida zu reisen. Dort lernen die drei das Ehepaar Grayson kennen – und Evie trifft auf die große Liebe, Peter. Der ehemalige Soldat scheint sich tatsächlich für das fünfzehnjährige Mädchen zu interessieren und fast scheint es, als würden Evies Träume tatsächlich wahr werden. Doch Peter hat ein dunkles Geheimnis, ein Geheimnis, das alles, woran Evie je geglaubt hat, ins Wanken bringt.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Es ist ein grandioser Jugendroman und zugleich ein düsterer Thriller, den Judy Blundell in einer ausgefeilten und bildreichen Sprache präsentiert. Es geht um das ewige Thema des Erwachsenwerdens, um Loyalität und deren Grenzen und an allererster Stelle um die Einsamkeit eines jungen Mädchens, das sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden befindet. Von der ersten Seite an gelingt es der Autorin, ihre Leser zu fesseln und sie unmerklich in einen Sog aus Halbwahrheiten und Lügen zu ziehen. Nichts ist hier, wie es zunächst erscheint und wie die Protagonistin in ihrer blinden Loyalität den Eltern gegenüber gerne glauben würde. Die zentrale Frage, die sich hier immer drängender stellt ist die nach den eigenen Überzeugungen, der eigenen Wahrnehmung der Geschehnisse. Sind die Eltern automatisch integer und gut, nur weil sie eben die Eltern sind? Sollte man ihnen zuliebe Dinge tun, die man eigentlich gar nicht tun möchte?
Der Leser wird Zeuge, wie Evie im Laufe der tragischen Ereignisse, die sich in Florida zutragen, allmählich und unaufhaltsam erwachsen wird. Gemeinsam mit ihr möchte er zugleich den naiven Glauben daran, dass doch alles noch gut werden möge, nicht aufgeben. Doch unter der Oberfläche brodelt eine dunkle und alles zerstörende Ahnung, die man einfach nicht wegdrängen kann. Meisterlich gelingt es Judy Blundell, ihre Leser bis zum Schluss im Dunkeln zu lassen und somit die Spannung ins schier Unerträgliche zu steigern. „Die Lügen, die wir erzählten“ ist ein großartiger, packender und ergreifender Jugendroman, der das Seelenleben eines heranwachsenden Mädchens authentisch und einfühlsam wiedergibt.
Wissenswertes
„Die Lügen, die wir erzählten“ war Gewinner des National Book Award.
Besucherbewertung
Kommentare
Kommentare
Unbekanntes Wesen schreibt am 17.07.10, 14:45
Das Buch ist meiner Meinung nach an manchen Stellen sehr traurig, beispiesweise als Evie "die Wahrheit" über ihre Mutter erfährt, mehr will ich nicht verraten:).
Trotzdem kann ich Evie unglaublich gut verstehen, weil sie gern erwachsener und älter sein würde und auf Dem Weg über viele Probleme und für sie Unverständliches stößt. Die Zeit des Krieges ist für uns teilsweise unvorstellbar doch gerade deshalb sollte man das Buch lesen und einmal auch sehen, wie schwer begreiflich Liebe nd Erwachsenwerden sein kann, wenn man in einer solchen Welt lebt.
Das Ende war hart aber auch irgendwie richtig finde ich, denn es gibt/gab diese heile Welt nicht, in der alles gut und nett endet.
