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Kommende Buchkritiken
Weil sie sich liebten
Testimony
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Autor
Anita Shreve
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05285-6 Übersetzung Mechtild Sandberg Erscheinungsdatum (D) September 2010 Erschienen 2008 Seiten 354 |
Inhalt
Mike Bordwin, Schulleiter der renommierten Avery Academy ist fassungslos, als er sich ein Band ansieht, das vier seiner Schüler betrifft. Das mehr als pikante Filmchen zeigt Rob, J.Dot und Mikes Protegé Silas, wie sie sich auf eindeutig sexuelle Art und Weise mit einem um einiges jüngeren Mädchen vergnügen. Da alle drei Jungs bereits achtzehn und älter sind, das mitwirkende Mädchen allerdings erst vierzehn, weiß Mike nur zu gut, welche Unannehmlichkeiten nun auf die Schule zukommen könnten, weshalb er von zweien der Übeltäter sofort schriftliche Geständnisse erzwingt. Nur Silas, der Star des Schulbasketballteams sollte Mikes Ansicht nach aus der Sache herausgehalten werden. Denn schließlich ist es dem Schulleiter zu verdanken, dass der Junge aus einfachen Verhältnissen mit Hilfe eines Stipendiums Zugang zu der Eliteschule bekam.
Doch dann geht das vierzehnjährige Mädchen zur Polizei und erstattet Anzeige wegen Vergewaltigung. Nun wird die Frage, ob die drei Jungs lediglich übermütige Kids sind, die in betrunkenem Zustand etwas über die Stränge geschlagen sind, oder ob hier in der Tat eine Minderjährige sexuell missbraucht wurde, in aller Öffentlichkeit diskutiert. Was tun mit ein paar Jugendlichen, die eindeutig zu weit gegangen sind und denen nun empfindliche Konsequenzen drohen, die den weiteren Verlauf ihres Lebens prägen könnten?
Buchkritik von Stefanie Rufle
Es gelingt Anita Shreve in ihrem Roman „Weil sie sich liebten“ auf eindringliche Weise aufzuzeigen, wie ein an sich wenig aufregendes Ereignis eine Kette von Reaktionen hervorrufen kann, die schließlich das Leben vieler Menschen dramatisch verändert. Dabei lässt die Autorin die verschiedensten Personen zu Wort kommen, die die Geschehnisse jeweils aus ihrem Blickwinkel und mit einem ganz unterschiedlichen Maß an Betroffenheit schildern. Von Anfang an wird deutlich, dass ein und dieselbe Begebenheit immer auch eine Frage der ganz persönlichen Interpretation ist. Dadurch vermeidet Shreve jegliche Moralisierung, sondern versucht vielmehr ein umfassendes Gesamtbild entstehen zu lassen, das eine Ahnung davon entstehen lässt, wie eine verhängnisvolle Nacht das Leben einer ganzen Reihe von Menschen verändert und sogar teilweise zerstört.
Was wäre gewesen, wenn…? Diese Frage stellt sich während der Lektüre immer aufs Neue für den Leser. Denn nicht nur die Verkettung der Umstände ist es, die die Handlung in eine bestimmte Richtung treibt, sondern auch die Reaktionen der beteiligten Personen. Die Autorin macht mit ihrem Roman deutlich, wie zerbrechlich das Glück sein kann, wie einzelne Momente bestimmend für den weiteren Verlauf eines Lebenswegs sein können. Dabei geht es weniger um die Frage der Schuld, als vielmehr um die Erkenntnis, wie wichtig Liebe und Vertrauen in Beziehungen sind. „Weil sie sich liebten“ bietet ein erschreckendes Beispiel für die Fragilität dieser beiden Empfindungen, derer sich die meisten Menschen so sicher sind. Am Ende zeigt sich, wie wenig es manchmal braucht, um aus einem scheinbar geregelten Leben das Chaos werden zu lassen.
