Der Jesus vom Sexshop

Der Jesus vom Sexshop

Autor Helge Timmerberg Genre Kurzgeschichten
Verlag Rowohlt
ISBN 978-3-87134-636-1
Erscheinungsdatum (D) März 2010   Seiten 304

Inhalt

Helge Timmerberg fächert mit seinem neuen Reiseband „Der Jesus vom Sexshop“ ein unterhaltendes und weltumspannendes Panorama an Reiseerzählungen auf. In gewohnt amüsantem und burschikosem Stil erzählt der Weltreisende Timmerberg erlebte Reiseabenteuer aus vierzig Jahren.

Nachdem alle Versuche scheitern, den langhaarigen Rebellen zum Textilkaufmann auszubilden, steht nach einem Amsterdamtrip die wegweisende Erkenntnis fest: Er will der faden Erwachsenenwelt entfliehen und seinen Träumen Taten folgen lassen. Sein Ziel ist Indien. Timmerberg beschreibt zu Beginn der Reportagesammlung, wie er sich im zarten Alter von 17 Jahren zum ersten Mal auf Weltentdeckung begibt. Noch unerfahren im religiösen Smalltalk mit Einheimischen, versucht er gläubigen Muslimen unterwegs klar zu machen, dass Jesus ja auch ganz cool sei. Prompt wird der Ungläubige aus dem Bus geschmissen und findet sich im Tiefschnee des kurdischen Gebirges wieder. Bei minus zwanzig Grad und von Wolfsgeheul umgeben, bahnt er sich den beschwerlichen Weg zur iranischen Grenze.

In weiteren Episoden lernt Timmerberg, wie man – im Opiumrausch und ohne Führerschein - ausrangierte Linienbusse der Münchner Verkehrsbetriebe in waghalsigen Manövern auf Serpentinenstraßen bis in den Libanon chauffiert. Timmerberg bekommt am eigenen Leibe zu spüren, wie rührend der nordkoreanische Geheimdienst um das Wohl und die Berichterstattung westlicher Journalisten bemüht ist. Wie man unter Goldgräbern im brasilianischen Regenwald besteht und vor Jaguaren und dem venezuelanischen Militär, beweist der Weltenbummler par excellence in einer weiteren Story. Während er sich in Belgrad mit dem exzessiven Konsum von Slibowitz vertraut macht, erwartet ihn in Paris ein schmerzhaftes Nahkampftraining mit Steven Seagal. Der Leser darf sich auf ein spannendes Buch voll skurriler Eindrücke und Begebenheiten rund um den Globus freuen.

Buchkritik von David Recordon

David vergibt 6 von 5 Bs Am Anfang war der Abenteuerroman und seine weitreichenden Einflüsse auf eine Generation, die sich nach Freiheit und dem unbeschwerten, von psychedelischen Trips erweiterten Leben sehnte. Helge Timmerberg verleiht diesem Lebensstil der 1968er Jahre und darüber hinaus, eine neue Nuance auf dem vielfältigen Markt der Reiseliteratur. Seine authentische Schreibe und die Reiselust gepaart mit dem unvergleichlichen Humor Timmerbergs, lassen den „Jesus vom Sexshop“ zu einer eindrücklichen Leseerfahrung werden. Autobiografisch könnte man seine ‚stories von unterwegs‘ allemal nennen. Denn die zahlreichen Reiseimpressionen sind von persönlichen Empfindungen und Reflexionen des Autors geprägt, der auch gern mal ‚Ich‘ schreibt und sich von der Utopie des objektiv distanzierten Berichtens loslöst. Die Freizügigkeit im Stil hat auch seine Spuren in den Hauptmotiven der einzelnen Kurzgeschichten hinterlassen. So wohnt Timmerbergs Buch eine erfrischende Unbefangenheit inne, Dinge ganz offen und unverblümt beim Namen zu nennen. Zudem haftet seinen Anekdoten stets ein ironischer Beiklang an, der verdeutlicht, dass der Autor sich als Held seiner Geschichten nicht immer all zu ernst nimmt. Um noch auf den Titel zu kommen: Was sucht der Heiland an den Wühltischen der Sexindustrie? Wen dies brennend interessiert, dem sei unter anderem das gleichnamige Kapitel im Buch empfohlen.

Wissenswertes

„Der Jesus vom Sexshop“ vereinigt überarbeitete und erweiterte Fassungen von Reportagen und Texten, die zwischen 1982 und 2009 in verschiedenen namhaften Zeitungen und Magazinen erschienen sind. Es gibt nur wenige Reisereporter, die auf solch ein buntes Spektrum an Veröffentlichungen zurückblicken können: Sei es die Zeit oder der Playboy, Neon, Merian, GeoSaison, Süddeutsche Zeitung Magazin oder dem legendären Magazin Tempo.

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Kommentare


Kommentare

Thomas hohenstein schreibt am 28.01.12, 21:40
Danke für diese Menschen und diese Lebensart -bin auch befallen habe aber nicht so die kunst es zu schreiben.
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