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Kommende Buchkritiken
Das Labyrinth der Wörter
La tête en friche
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Autor
Marie-Sabine Roger
Genre Roman
Verlag Hoffmann und Campe ISBN 978-3-455-40254-4 Übersetzung Claudia Kalscheuer Erscheinungsdatum (D) 18.02.10 Erschienen 2008 Seiten 208 |
Inhalt
Germain ist ein Hüne von Mann, nicht besonders geschickt und schon gar nicht das, was man als gebildet bezeichnen könnte. Er hat keinen Beruf erlernt, nicht einmal einen Schulabschluss. Er lebt in den Tag hinein, geht am liebsten in den Park, zählt Tauben und schreibt seinen Namen auf ein Gefallenendenkmal. Eines Tages lernt er die zierliche, alte Margueritte kennen, die sich wie er auf dieselbe Parkbank setzt, um Tauben zu zählen und ihnen Namen gibt. Nach und nach freunden sich die Beiden an und es ist die kultivierte und sehr gebildete Margueritte, die Germain allmählich für die Welt der Bücher begeistern kann. Von Zeit zu Zeit liest sie ihm aus Romanen vor und Germain beginnt eine Lust am Nachdenken zu entwickeln. Die Kumpels, die er natürlich auch hat, merken, dass er sich immer weiter von ihnen entfernt. Bald begegnen sie ihm zwar mit Respekt, lehnen ihn jedoch gleichzeitig als arrogant und eingebildet ab. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist gestört und es entsteht eine absurde Situation. Germain beschließt nach einem Streit, in seinen Wohnwagen zu ziehen und ignoriert seine Mutter von nun an vollkommen. Allmählich werden die Treffen mit Margueritte im Park zur lieben Gewohnheit und es entsteht eine große Vertrautheit. Da ist aber auch etwas, was das Glück bald trüben könnte. Margueritte verliert langsam ihr Augenlicht und wird bald auf Germains Hilfe angewiesen sein.
Buchkritik von Gabriele Frommholz
Dieser leise manchmal auch derbe Roman ist sowohl eine Liebeserklärung an das Buch, als auch eine Definition des Begriffs „Liebe“ überhaupt. Was lernen wir: Kinder in die Welt gesetzt, ohne Zuwendung aufwachsend, können spätestens im Erwachsenenalter eigentlich nur scheitern. Sie sind nicht in der Lage, diese selbst nie erfahrene Zuwendung zu geben, es sei denn in Form von Sex. Natürlich greift diese Schlussfolgerung vielleicht etwas zu kurz, weil sie vereinfacht darstellt, was doch so vielschichtig ist. Behutsam kann sich auch so etwas wie Nähe zu Menschen entwickeln, die sich rein zufällig begegnen. Ein wunderbares Beispiel liefern der ungehobelte Germain und die sehr kultivierte Margueritte, die bereits im Herbst ihres Lebens ist. Der Leser geht diesen Weg gerne mit und ist fasziniert, wie es der Autorin gelingt, die Sinnfindung Germains zu beschreiben. Beeindruckend ist, wie sie sich spielerisch sowohl der Vulgärsprache als auch einer sehr distinguierten Ausdrucksweise bedient. Nicht umsonst ist die Autorin mehrfach preisgekrönt.



