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Kommende Buchkritiken
Weit weg vom Rest der Welt - In 90 Tagen von Tanger nach Johannesburg
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Autor
Andreas Altmann
Genre Erlebnisbericht
Verlag Frederking & Thaler ISBN 978-3-89405-830-2 Erscheinungsdatum (D) 2007 Seiten 138 |
Inhalt
Andreas Altmann reist in drei Monaten von Marokko über die Westküste ins südliche Afrika. Unterwegs trifft er auf Menschen, die ihn verwundern, aber auch zutiefst anrühren. Ausgangspunkt der Reise ist Tanger: die mythenbeladene Stadt, deren Anziehungskraft auf Weltenbummler, Träumer und Suchende jeglicher coleur bis heute ungebrochen ist. Bereits die Poeten der Beatliteratur Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Paul Bowles, den der Reporter selbst trifft, fanden im Tanger der 1960er Jahre neue Inspiration für ihr Schaffen. Der reiseerfahrene Altmann schlägt sich mit gerissenen Händlern auf den bunten Bazaren des Maghreb rum, tourt mit Autoschleppern durch die Sahara und trotzt den Warnungen der Botschaften vor bewaffneten Tuaregs, verminten Landstrichen und wütenden Bürgerkriegen. Als Reporter gibt Altmann sich nicht zu erkennen. Um seinem Gegenüber eine persönliche, tiefgreifende Geschichte zu entlocken, schlüpft er in alle möglichen Rollen. Sein Repertoire reicht vom Individualreisenden, über den vermeintlichen Kleinkriminellen Andrej Andrejwitsch bis hin zum Geschäftsmann, der als europäischer Investor nicht auf die geschickt inszenierten Coups der Einheimischen reinfällt. Auf der beschwerlichen Überlandfahrt gilt es zahlreiche Hürden zu überwinden. Autopannen, korrupte Zöllner und zwielichtige Gauner, die ihm an die Kehle wollen.
Doch es sind auch die leisen, beinahe unerhörten Stimmen, die in Altmanns Reisereportage zu Wort kommen. Der Reisende trifft auf hungernde Straßenkinder, aber auch Überlebenskünstler, die als Artisten oder Fremdenführer über die Runden kommen und auf mutige Mamas, die ganze Großfamilien mit ihrem geringen Einkommen auf den Märkten durchbringen.
Buchkritik von David Recordon
In den Extremen liegt die Anziehungskraft Afrikas. Mehr als einen Blick auf die Länder des Maghreb, die Westküste und das südliche Afrika wagte der Reiseautor Andreas Altmann und legt durch seine miterlebende Perspektive eine ungewohnte Sicht auf den wunderbaren Kontinent während der 1990er Jahre frei. Er machte sich auf, um seinen Lesern den ‚Kontinent des Staunens‘ näherzubringen - entgegen dem europäisch geprägten Medienbild, das gerne vom verlorenen Kontinent berichtet, der nur Armut und Kriege zu kennen scheint. Altmann vergisst dabei nicht, dass es neben der Faszination und dem Glanz auch viel Elend gibt. Raffgierige Staatsoberhäupter, der Kunstraub in Mali, sowie die desolate Bildungslage in den subsahraischen Ländern oder die ständigen bürgerkriegsähnlichen Konflikte sind nur wenige Exempel für die Kehrseite dieses Kontinents.
Der Reiseschriftsteller gibt zu verstehen, dass „eine Reise durch Afrika nicht als moralische Veranstaltung funktioniert.“ Diese Position ist dem Afrikaerfahrenen fremd. Viel wichtiger sind ihm authentische Ausschnitte des erlebten Alltags vor Ort. Altmann ist ein literarisches Reisebuch gelungen, das von menschlicher Wärme und dem Einfallsreichtum der Einheimischen in den ausweglosesten Situationen zeugt. Ganz nah ist der Reiseautor am Geschehen und an den Lebenswegen seiner Reisebegegnungen beteiligt, die er in einem prägnanten und zuweilen poetischen Stil festhält. Er fühlt mit, versucht so manch Rätselhaftes dieser Kultur zu verstehen und kommt auch an eigene Grenzen – geistige wie körperliche. Die kulturellen Oppositionen von afrikanischer Gelassenheit und dem vorwärtseilenden Europäer werden an vielen Stellen charmant illustriert.
Nach einer Malariaerkrankung und vielen Geduldsproben, die sich aus den katastrophalen Umständen der Reise ergeben, kommt Altmann letztendlich in Johannesburg an. Dort resümiert er, dass die Reise trotz ihrer Strapazen eine heilende Wirkung hat. Wer diese und andere Erkenntnissen der Reise miterleben möchte, dem wird die Lektüre von „Weit weg vom Rest der Welt“ Afrika wahrhaftig ein wenig näherbringen.
Wissenswertes
Elf Jahre nach Erscheinen der Erstauflage, kam 2007 eine erweiterte und aktualisierte Ausgabe von „Weit weg vom Rest der Welt“ bei Frederking&Thaler heraus. Der Autor fügte bisher unveröffentlichte Reiseanekdoten aus seinem Tagebuch ein und gibt im Nachwort ein Resumé zur Entwicklung der bereisten Länder aus heutiger Sicht. Zudem finden sich im Mittelteil wunderbare Fotos von Michael Martin.
Interview mit Andreas Altmann.
