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Kommende Buchkritiken
Erzähl doch mal von früher
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Autor
Loki Schmidt
Genre Sachbuch
Verlag dtv ISBN 978-3-423-34576-7 Erscheinungsdatum (D) 14.11.08 Seiten 267 |
Inhalt
Reinhold Beckmann findet sich im Jahr 2008 zu mehreren Interviewsitzungen mit Loki Schmidt, mittlerweile verstorbener Ehefrau des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt, in deren Haus in Langenhorn ein. Die damals bereits fast 90-jährige, resolute und hanseatisch nüchterne Dame steht ihm in aufrichtiger, direkter und niemals zimperlicher Art Rede und Antwort. Zusammen mit ihrem Gesprächspartner begibt sie sich noch einmal auf die Reise durch ihr gesamtes Leben, angefangen von ihrer armen, aber geborgenen Kindheit im Arbeiterviertel Hammerbrook über die Kriegsirrungen und Nachkriegszeiten bis hin zur politischen Karriere ihres Mannes. Sie erzählt von den Nöten und Ängsten der Nazizeit, von den doch immer wieder erfreulichen Begegnungen dieser Jahre, von der Ungewissheit über den Verbleib ihres Mannes, vom Tod ihres ersten Kindes, von ihrer Zeit als Lehrerin und dann sehr ausführlich von der politischen Laufbahn, um sich am Ende des Interviews mit den Fragen über den Sinn des Lebens und den Tod und dem Danach auseinanderzusetzen.
Buchkritik von Angelika Koch
Man kann sich Frau Schmidt bildlich vorstellen in ihrem Arbeitszimmer im Haus in Langenhorn. Rauchgeschwängerte Luft, immer einen Kaffee und ein paar Häppchen gutes norddeutsches Schwarzbrot parat und dazu eine geistig mehr als rege Grande Dame der deutschen Geschichte. Immer mal wieder kommt Helmut auf eine Zigarettenlänge und einen kurzen „Schnack“ vorbei. Langweilig wird das zu keiner Sekunde.
Was Loki Schmidt zu erzählen und zu sagen hat, hat Hand und Fuß. Ein Mensch, der 1919 geboren wurde und den Zweiten Weltkrieg mit erlebte, ein Mensch, der mit viel Disziplin durch die Kriegs- und Nachkriegszeit kam. Eine Frau, die ihre eigenen Interessen immer zu Gunsten des Gemeinwohles hinten angestellt hat, die nie Selbstmitleid mit sich hatte, immer nüchtern und unsentimental gehandelt hat, so jemand repräsentiert einen Charakter, der mit fortschreitender Menschheitsgeschichte immer mehr verloren geht. Fast ein ganzes Jahrhundert zieht an dem Leser vorbei, Geschichte verpackt in den Erzählungen eines Einzelnen, klar und faszinierend, beeindruckend und Respekt einflößend. Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen werden, um den Heranwachsenden zu vermitteln, dass es auch ohne Jammern und Klagen geht, dass ein bisschen Disziplin und Härte gegen sich selbst nicht schadet und dass man nie vergessen darf, dass schon der Umstand alleine, dass wir mittlerweile fast 70 Jahre ohne Krieg in Deutschland leben dürfen, uns täglich dankbar machen müsste. Loki Schmidt erhebt in diesem Buch niemals mahnend den Finger, das hat sie auch zu keiner Zeit nötig. Allein ihre Erzählungen lösen im Leser ausreichend innere Gespräche aus. Solch ein Buch mal hin und wieder zwischen all der anderen Lektüre, das erdet einen. Und das ist gut so.
Wissenswertes
Loki Schmidt starb am 21.10.2010
