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Kommende Buchkritiken
Sorry
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Autor
Zoran Drvenkar
Genre Thriller
Verlag Ullstein ISBN 978-3-550-08772-4 Erscheinungsdatum (D) Februar 2009 Seiten 397 |
Inhalt
Vier junge Leute aus Berlin treffen sich nach längerer Zeit wieder. Sie kennen sich aus der Schulzeit und haben zum größten Teil in den Jahren nach dem Abitur nicht sonderlich viel auf die Beine gestellt. Mehr oder weniger sind sie alle unzufrieden mit ihrem Leben und fragen sich immer wieder, wann der „große Durchbruch“ kommen könnte. So sitzen sie nun eines Abends wieder unerwartet alle zusammen und philosophieren über den Sinn des Lebens. Aus einem alkhohol- und haschischgeschwängerten Rausch heraus entwickeln sie jedoch in dieser Nacht eine Geschäftsidee, die selbst am nächsten Tag im nüchternen Zustand noch attraktiv erscheint: Sie wollen eine Agentur gründen, die es mit viel Takt und Gefühl übernimmt, sich für Menschen bei anderen zu entschuldigen. So absurd sich das erstmal für die vier doch anhört, so neugierig auf einen eventuellen Erfolg sind sie und so wird die erste Anzeige geschaltet. Tagelang geschieht nichts und dann kommt ein Auftrag nach dem anderen. Und tatsächlich: Es funktioniert! Aus vier gestrandeten und ziellosen jungen Menschen werden vier erfolgreiche Geschäftsleute und der Weg nach oben scheint unendlich offen zu sein. Bis eines Tages vollkommen unerwartet das Unglück über alle hereinbricht. Einer der vier geht zu einem vereinbarten Termin, bei dem er sich im Auftrag eines Mannes bei einer Frau entschuldigen soll. Diese ist jedoch zu seinem großen Entsetzen tot, offensichtlich sogar geradezu hingerichtet und von nun an nehmen die dramatischen Ereignisse um die vier und ihr bisheriges und zukünftiges Leben ihren Lauf …
Buchkritik von Angelika Koch
Vorsicht Falle! Dies ist eine Geschichte, die vorerst nur wie ein spannender Thriller anmutet, die aber in sich weitaus Dramatischeres verbirgt. Der Leser wird nichtsahnend aufs Glatteis geführt – und muss aufpassen, dass er dabei nicht einbricht. Zoran Drvenkar verschont nichts und niemanden, das Buch wird immer schockierender, immer finsterer, der Abgrund tut sich immer weiter auf und man fällt als Leser hinein und der ein oder andere muss sicherlich aufpassen, dass er sich dabei nicht „weh tut“. Die vorerst leichte Geschichte wird zur Tragödie, das Thema Kindesmissbrauch brutal angesprochen und offen angegriffen, die Folgen für die Protagonisten schonungslos dargestellt. So hart jedoch der Inhalt ist, so hervorragend und atmosphärisch dicht ist das Buch, nicht zuletzt durch die gewählte Zeitform der Gegenwart und der vollkommen anders dargestellten wörtlichen Rede. Aber nicht nur diese Stilmittel machen das Buch so „vollwertig“, vor allem ist es die Art und Weise, wie der Autor mit den Protagonisten spielt, sie fühlen, leiden, weinen und manchmal aber auch hoffen lässt. Er wirft Fragen auf, die keiner hören will, spricht Unsägliches offen und direkt aus, zieht dabei keine klare Linie zwischen Opfern und Tätern und lässt den Leser somit mit vielem allein; schlaflose Nächte inbegriffen. Dabei ist die Geschichte an und für sich noch rasend spannend und so verzwickt erzählt, dass die Puzzleteile erst am Schluss vollständig zusammenfallen. Erst jetzt versteht der Leser, was überhaupt alles passiert ist, was daraus resultiert und warum es schlussendlich zu diesem Ende kommt. Hervorragende Erzählkunst, schmerzhaftes Thema und ein im höchsten Maße tragischer Thriller.
Wissenswertes
Dieses Buch wurde mit dem Friedrich-Glauser-Preis 2010 in der Sparte Roman ausgezeichnet und wird derzeit verfilmt.
Interview mit Zoran Drvenkar zu "Sorry".
